Verbiss sorgt für Ärger

Todesurteil für den Biber?

Murnau - Lebhafte Debatte mit knappem Ergebnis: Murnaus Umweltausschuss stimmt mit 5:4-Stimmen dafür, dass der geschützte Nager aus dem Seidlpark verschwindet. Bedeutet das seinen Tod?

Dem Biber im Murnauer Seidlpark geht es womöglich an den Kragen. Denn der Energie-, Umwelt- und Verkehrsausschuss der Marktgemeinde hat am Mittwoch beschlossen, beim Landratsamt einen Antrag auf „Entnahme“ des streng geschützten Nagers zu stellen. Dies bedeutet in der Regel, dass das Tier getötet wird. Bemerkenswert: Auch Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) stimmte dafür.

Die Gemeinderäte standen vor einem Dilemma. Was hat Priorität? Der Schutz des Bibers oder derjenige des denkmalgeschützten Grünareals? Mitarbeiter des Marktes Murnau hatten im Sommer 2014 erste Fraßspuren an den beiden Seidlweihern registriert. Vertreter verschiedener Stellen schauten sich dann im März die Örtlichkeit an. Man kam überein, Bäume mit einem Spezial-Anstrich beziehungsweise Estrichmatten zu versehen. Im Herbst wurden dann an anderen Bäumen wieder Aktivitäten des Nagers beobachtet. Insbesondere beim Förderkreis Murnauer Parklandschaft um Dieter Wieland sorgte der Verbiss für Ärger und Verdruss. Seit rund sieben Jahren kümmern sich die Park-Freunde mit Hingabe um das Gartendenkmal im Murnauer Süden.

Im Ausschuss sorgte das heikle Thema für eine lebhafte Debatte. Julia Legelli, Umweltreferentin der Gemeinde, fand, dass das Tier nicht den Denkmalschutz des Parks gefährde. Ein Abschuss führe auch nicht „zu einer Lösung der Situation“. Es wird nämlich damit gerechnet, dass in der Folge der nächste Nager das Revier besiedelt. „Der Biber ist nicht unkontrollierbar und auch kein Monster“, ergänzte Legelli. Sie sehe auch nicht die Gefahr einer Plage. Anders schätzt die Lage Fritz Egold vom Tiefbauamt ein. Er sorgt sich um die Dämme, ein Bruch sei zu befürchten. Die Mühlhagener Straße wäre dann „extrem gefährdet“, bei einer Zerstörung mit hohen Kosten zu rechnen.

Wie man sieht, ist man sich in der Verwaltung also uneins. Bürgermeister Beuting betonte, dass zwei Herzen in seiner Brust schlügen. „Der Biber steht unter Schutz, das steht außer Frage.“ Andererseits sei der Seidlpark nicht irgendein Park. „Ich möchte nicht, dass der Förderkreis dadurch demotiviert wird, dass wir den Park nicht ausreichend schützen.“ Die Bestände des Nagers seien in Bayern in den vergangenen Jahren explodiert. „Er ist nicht wirklich vom Aussterben bedroht.“ Die Gemeinde müsse auch einen „relativ hohen Aufwand betreiben, um den Park bibersicher zu machen“. Es sei die Frage, „ob wir uns das leisten können. Schweren Herzens“ spreche er sich für eine Entnahme aus, sagte Beuting. Welf Probst (Freie Wähler) zeigte sich daraufhin „ein bissl enttäuscht“, dass der Rathauschef als Mitglied einer ökologischen Partei für den Abschuss eines streng geschützten Tieres sei. Für Probst, Referent für Parkanlagen, kommt eine Tötung nicht in Frage. „Es ist nicht dramatisch, wenn der eine oder andere Baum fällt.“ Außerdem tue der Nager dem Menschen an dieser Stelle nichts. „Und was bringt eine Entnahme, wenn ein anderer Biber kommt“, fragte er. Auch Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum), Umweltreferent des Gemeinderats, war gegen einen Abschuss. „Dieser Teil des Parks ist kein Denkmal.“ Dort herrsche „Wildwuchs“. Das Areal solle auch als Naturerlebnis dienen. „Da gehört der Biber dazu. Er ist eine Attraktion.“ Manlik sprach sich dafür aus, die Situation weiter zu beobachten und dem Tier ein halbes, dreiviertel Jahr eine Chance zu geben.

Damit kam er aber nicht durch. Am Ende waren neben Beuting CSU-Einzelkämpfer Josef Gramer, Ernst Ochs (SPD), Alexander Weinhart (Mehr Bewegen) und Andreas Müßig (CSU) und damit eine knappe Mehrheit für die Entnahme. Manlik, Probst, Regina Samm (CSU) und Dr. Franz Englbrecht (ÖDP/Bürgerforum) waren dagegen.

Nun ist die Untere Naturschutzbehörde am Zug. Sie darf eine Entnahme bewilligen, wenn zwingende Gründe vorliegen und keine sonstigen zumutbaren Lösungen gefunden werden können.

Roland Lory

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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