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Streitthema: die Zukunft des Murnauer Christkindlmarktes. Hier ein Treffen der Vereinsgemeinschaft mit Josef Bierling (r.).

Streit um Murnauer Christkindlmarkt

Geplantes Pressegespräch wird zur Politposse

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Murnau - Auf Murnaus Politbühne treten immer wieder zwei verfeindete Protagonisten ins Rampenlicht: ÖDP-Bürgermeister Rolf Beuting und sein Erzrivale von der CSU, Josef Bierling. Das jüngste Kapitel der Fehde: der Christkindlmarkt-Streit, der mittlerweile possenhafte Züge trägt.

Es sind oft die kleinen Randthemen, die in Murnaus Politbetrieb hochgejazzt werden, um den Gegner aus der Reserve zu locken – und zu beschädigen. Aktuell geht es um die Zukunft des Christkindlmarktes. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und der gefühlte Oppositionschef im Gemeinderat, Josef Bierling (CSU), gerieten in der jüngsten Sitzung in der Sache mächtig aneinander und lieferten sich am Ende des öffentlichen Teils einen Schlagabtausch, der für Kopfschütteln und Irritationen sorgte. Der Grund: Ein „gemeinsames Pressegespräch“, zu dem Bierling offenbar im Alleingang ohne Absprache mit der Rathaus-Spitze eingeladen hatte.

Zur Erinnerung: Auslöser der Querelen war der Vorschlag des neuen Wirtschaftsförderers Jan-Ulrich Bittlinger in einem Interview, den Christkindlmarkt zu erweitern und an vier Wochenenden abzuhalten – statt wie bisher nur an einem (wir berichteten). Die Vereinsgemeinschaft, die bislang die Traditionsveranstaltung in Murnaus guter Stube auf die Beine stellt, ist davon überhaupt nicht begeistert – und will am alten Konzept festhalten. Das Pikante: Bierling lud in der Funktion eines Vereinesprechers für kommenden Dienstag, 1. März, zu dem besagten Pressegespräch ins Feuerwehr-Stüberl ein – und gab als Teilnehmer auch vier Vertreter der Verwaltung an: neben Beuting und Bittlinger Tourismusamtsleiter Philip Schürlein und Ordnungsamtsleiter Florian Krammer. Doch die wussten anscheinend zu diesem Zeitpunkt noch nichts von ihrem Glück. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, berichtet Beuting auf Tagblatt-Nachfrage. Merkwürdig auch: Normalerweise dient ein Treffen mit Presse-Vertretern dazu, eine einheitliche Position mitzuteilen – und nicht verschiedene Standpunkte.

Wie dem auch sei: Beuting brachte sichtlich verärgert die Angelegenheit in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend zur Sprache. Es handle sich um eine „Privataktion“ Bierlings, stellte er klar. „Es gab keine Absprache.“ Die Vorgehensweise des Vize-Fraktionschefs der CSU verurteilte das Gemeinde-Oberhaupt scharf: „Es ist eine zweifelhafte Methode, die Verwaltung am Nasenring durch die Öffentlichkeit zu ziehen.“ Bittlinger habe lediglich eine Idee formuliert. „Es muss doch erlaubt sein, sich über eine Weiterentwicklung Gedanken zu machen.“

Daraufhin platzte Bierling der Kragen: Der Wirtschaftsförderer falle mit seinem Vorstoß den Vereinen in den Rücken, polterte er. Diese bräuchten Planungssicherheit. Denn schon jetzt klopften Interessenten für den nächsten Markt an die Tür. Der Ansprechpartner für die Betriebe, so der CSU-Gemeinderat weiter, sei in der Presse „vorgeprescht“, obwohl erst ein Gespräch zwischen Vertretern der Marktgemeinde und den Vereinen angedacht war. Bittlinger habe angekündigt, notfalls als erfahrener Event-Manager die Organisation des Budenzaubers selbst in die Hand zu nehmen. Er, Bierling, sei von den Vereinen beauftragt worden, das Pressegespräch abzuhalten. Und die Ankündigung dazu habe er als Einladung an die Rathaus-Mannschaft verstanden.

Und jetzt? Bierling bleibt bei dem Termin. Und Beuting will Bittlinger schicken. Er selbst habe an dem Abend keine Zeit, entschuldigt sich der Bürgermeister.

Im Gemeinderat wurde der Hickhack unterschiedlich aufgenommen. Holger Poczka, Fraktionschef der Bürgermeisterpartei ÖDP/Bürgerforum, griff Bierling an: „Das ist doch lächerlich. Wie soll ein Problem vor der Presse ausgesprochen werden?“, fragte er. Und auch Alexander Weinhart („Mehr bewegen“) meinte: „Eine Pressekonferenz wird das Problem nicht lösen.“ Und außerdem habe Bierling dazu von den Vereinen gar kein Mandat erhalten, erklärte der TSV-Vorsitzende. Doch es gibt auch Stimmen, die Beutings Haltung kritisch sehen: „Ich erwarte vom Bürgermeister, dass er solche Themen raushält und den Gemeinderat nicht unnötig aufwühlt“, sagte im Nachhinein Welf Probst (Freie Wähler). Dadurch werde nur die Missstimmung gefördert. Das schade dem Ruf des ganzen Gremiums.

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