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Auslöser des Machtkampfes: der Streit um die Einbahnregelung an der Pfarrstraße. 

Bürgermeister fühlt sich gekränkt

CSU entschuldigt sich bei Beuting

Murnau - Der Streit um die Einbahnregelung an der Pfarrstraße ist zu einem Machtkampf zwischen Bürgermeister Rolf Beuting und seinem Erzrivalen CSU ausgeartet - mit vorläufigem Höhepunkt.  

Es war ein bewegender Moment  im Murnauer Gemeinderat, als die Stimme von Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) während seiner Rede zum Jahresabschluss plötzlich brüchig wurde. Der Gemeinde-Chef, der sonst pragmatisch-trocken wirkt, wurde emotional. Er kämpfte hörbar um Fassung, als er auf die jüngste CSU-Attacke in dem seit Monaten tobenden Gezanke um die Pfarrstraße zu sprechen kam. „Ich finde das ausgesprochen verleumderisch“, ärgerte er sich. „Das hat mich verletzt.“ Beuting warnte vor einer „Verrohung“ – und richtete an die Adresse der CSU-Fraktion den Appell: „Ich hoffe, dass sie klarstellen, dass sich solch ein Umgang nicht gehört.“

Der Anlass liegt einige Wochen zurück: Mit Sabine Mayr hatte ein Mitglied des CSU-Ortsvorstandes bei einem öffentlichen Stammtisch der Partei eine mögliche Befangenheit Beutings in Sachen Pfarrstraße thematisiert und die Frage aufgebracht, ob vielleicht Privatinteressen eine Rolle spielen könnten (wir berichteten). Sie habe gehört, so Mayr, dass der Familie dort ein Haus gehöre – eine Anspielung auf mögliche Vorteile, die Anlieger von der verkehrsberuhigenden Einbahnregelung haben.

In der Tat gibt es diese Immobilie, Eigentümerin ist die Schwiegermutter des Rathauschefs. Das Ganze ist für die CSU pikant. Denn der Immobilienbesitz müsste im Ortsverband bekannt sein. Beutings Schwiegermutter ist nämlich seit Jahren in der Frauen-Union, sein Schwiegervater war jahrzehntelang CSU-Gemeinderat. CSUler gingen dort dem Vernehmen nach ein und aus. Juristisch steht Beuting auf der sicheren Seite: Sein Stimmrecht bei Beschlüssen rund um die Pfarrstraße ist aufgrund der verwandtschaftlichen Verhältnisse nicht beeinträchtigt. Die Sache scheint ihm dennoch sehr nahe zu gehen. Besonders getroffen habe ihn, führte er in seiner Ansprache im Gemeinderat weiter aus, dass sich Mayr nicht entschuldigen wollte, nachdem er sie nach der Tagblatt-Veröffentlichung zur Rede gestellt hatte.

Ins gleiche Horn stieß Gemeinderat Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum), der sich schützend vor Beuting stellte und sich „erschüttert“ zeigte. Andere Vertreter des CSU-Vorstands hätten bei dem Stammtisch-Treffen einschreiten oder sich im Nachhinein bei Beuting entschuldigen müssen.

Dies holte CSU-Fraktionssprecherin Regina Samm nach: „Mir tut’s leid. Wenn es Ihnen hilft, entschuldige ich mich – auch wenn ich es nicht gesagt habe“, erklärte sie in Richtung Bürgermeister. Samm versuchte, den Vorfall kleinzureden: Es habe sich auf der Versammlung um eine „spontane Äußerung“ Mayrs gegenüber einem Tagblatt-Reporter gehandelt, behauptete sie. Dies sei nicht die Meinung der Fraktion. Von „spontaner Äußerung“ kann jedoch nicht die Rede sein: Mayr hatte die Aussage in die Runde geworfen und auch auf Tagblatt-Nachfrage verteidigt.

CSU-Vize-Sprecher Josef Bierling betrieb indessen die in solch brenzligen Situationen übliche Medienschelte: „Die Presse sucht sich das raus, womit sie am meisten zündeln kann.“

Der Murnauer Pfarrstraßenstreit ist ein Phänomen. Eigentlich geht es nur um ein paar Meter Fahrbahn. Doch das Thema hat eine unglaubliche Dynamik entwickelt. Es scheint so, als ob die neuen und alten Machthaber ihren Austragungsort für ein Kräftemessen gefunden haben: die Bürgermeisterpartei ÖDP/Bürgerforum und die CSU, die nach der Wahlschlappe mit der Oppositionsrolle zurechtkommen muss.

Beuting bleibt stur, pocht auf die Einbahnregelung, von der er sich eine Entlastung im Zentrum erhofft – obwohl übergeordnete Behörden den Eingriff als rechtswidrig eingestuft haben. Die CSU war anfangs dafür und ist jetzt mit Verweis auf die gestiegene Unfallgefahr vor dem Gemeinde-Kindergarten dagegen – und torpediert Beutings Wunschprojekt. Ihre Nachwuchsorganisation, die Junge Union, war im Oktober schon drauf und dran, einen Protestmarsch zu organisieren, musste diesen aber wieder abblasen, weil sich kaum Teilnehmer fanden.

Und wie geht es nun weiter? Murnau hat Verkehrsdaten ans Landratsamt geschickt, das jetzt den Fall nach unzähligen Verhandlungsrunden erneut prüfen will. Anfang Januar soll es ein Ergebnis geben. Zuletzt standen die Zeichen auf Annäherung. Egal wie es ausgeht: Nach diesem Hickhack wird es keinen wirklichen Sieger geben.

Andreas Seiler

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