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Nah am Haus: Die Linde (M.) ist nur rund zwei Meter vom Haus entfernt.

Gemeinderat Holger Poczka will alte Linde entfernen

Heikle Fällaktion im Garten

Murnau – Wenn ein alter Baum entfernt wird, ist der Aufschrei oft groß. Dabei kann es triftige Gründe geben, ein solches Gewächs zu entfernen. Der Murnauer Bauausschuss hatte jetzt mal wieder einen Fäll-Antrag vorliegen. Eingereicht hatte ihn Ratsmitglied Holger Poczka (ÖDP/Bürgerforum).

Gemeinderat Holger Poczka würde gern auf seinem Grundstück am Eichholz eine große Linde entfernen. Sie hat einen Stammumfang von mehr als drei Metern. Ab 70 Zentimetern darf in dem Gebiet ein Eigentümer ein Gehölz nur beseitigen, wenn der Markt Murnau zustimmt. Der Baum steht rund zwei Meter vom Dach des Einfamilienhauses entfernt. Dies führt laut Poczka „zu einer starken Vermoosung“ und in der Folge zu einer fortschreitenden Verschlechterung des Dachziegel-Zustands. Durch Astabwurf seien schon wiederholt welche gebrochen, „obwohl die Krone des Baums circa alle zwei Jahre mit hohem finanziellem Aufwand professionell zugeschnitten wird und Totäste entfernt werden“. Bei starken Stürmen sei auch ein erhöhtes Risiko für das Haus gegeben. „Als Baumfreunde“ seien er und seine Familie der Meinung, dass der wertvolle Bestand einer Verjüngung bedürfe, weil die Gehölze alle in etwa gleich alt seien. Besonders hervorzuheben seien die Solitärbäume.

    „Damit aber eine gewisse Altersstufung den Bestand auch in Zukunft sichert, würden wir gerne statt der Linde die Eiche im Norden erhalten. Sie ist circa 15 bis 20 Jahre alt, hat einen Stammumfang von 65 cm und wurde von uns gepflanzt.“ Beide könnten nicht erhalten bleiben, „denn der Charakter des Gartens soll parkartig bleiben und nicht zum Wald mutieren“. Außerdem bilde sich bei fortschreitender Größe eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden Bäumen, weil sie zu nah beieinanderstehen. Poczka erwägt auch, dort wo die Linde steht, einen Anbau zu realisieren. Die Fällung sei aber unabhängig davon notwendig.

    Der Bauausschuss konzentrierte sich jedoch auf den geplanten Anbau, machte sein Plazet davon abhängig. Das Gremium stimmte der Fällung zu, sofern Poczka eine konkrete Bauabsicht nachweisen könne. Über eine etwaige Ersatzpflanzung wäre dann im Rahmen der Baugenehmigung zu sprechen. Zuvor hatten die Räte ausführlich debattiert. Er habe kein Problem, wenn der Stamm wegkomme, betonte dabei Johann Scherrer (CSU). Doch sonst sei es immer „ein Riesengschiss, wenn jemand einen Baum entfernen will“. Daher plädierte er für „Gleichbehandlung“. Vize-Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler) gab Scherrer Recht und schlug vor, Baumexperten auf das Grundstück zu schicken. „Sonst ist es nicht ganz gerecht.“ Auf die Verjüngung und die Schäden am Dach gingen die Ausschussmitglieder nicht ein.

    Poczka, der nicht an der Beratung und Abstimmung teilnahm, wunderte sich anschließend, „dass so wenige meinen Antrag gelesen haben“. Für ihn wäre durch die Genehmigung eine Konfliktsituation mit der Wohnbebauung bereinigt, aber gleichzeitig auch für einen angemessenen Ausgleich im Sinne des Baumschutzes gesorgt. „Außerdem wäre dies ein sinnvoller Beitrag zur notwendigen Verjüngung meines Baumbestandes. Das spielte wohl in der Abwägung des Bauausschusses keine Rolle, was ich sehr bedaure und für sehr bedenklich halte“, schreibt Poczka in einer E-Mail ans Tagblatt. „Egal wie man sich letztlich entscheidet, sollte man sich mit den Argumenten des Antragsstellers auseinandersetzen. Wie jeder andere Bürger auch, hätte ich gerne eine Antwort auf meine Ausführungen gehabt.“ Wie er weiter macht, weiß Poczka noch nicht. „Akt zwei folgt – oder auch nicht.“

Von Roland Lory

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