Murnauer Hauptschule: Name Dingler ist passé

Murnau - Der Name Max-Dingler-Hauptschule ist Geschichte. Per Eilverfahren wurde die Umbenennung der Murnauer Bildungseinrichtung in die Wege geleitet.

Ab dem 1. August soll sie vorerst den neutralen Titel Mittelschule Murnau tragen. Es wird im Lehrerkollegium darüber nachgedacht, Christoph Probst als neuen Schulpatron vorzuschlagen. Der gebürtige Murnauer war im Dritten Reich Widerstandskämpfer der Weißen Rose. Rektor Thomas Metschies plädiert für diese Lösung: „Christoph Probst hat wirklich Vorbildcharakter“, sagt der Pädagoge.

Wie bereits berichtet, war im Vorfeld die Debatte über Max Dingler (1883 - 1961) erneut aufgeflammt. Bürger wie der Lehrer und Publizist Jakob Knab (Kaufbeuren) kritisierten, dass der Zoologe, Naturschützer und Mundartdichter aufgrund seiner „braunen“ Vergangenheit nicht als Vorbild für die Jugend tauge. Dingler war 1923 am Hitlerputsch beteiligt und Mitglied der NSDAP. Er gründete nach eigenen Angaben sogar deren Murnauer Ortsgruppe. Ihn als Schulpatron einzusetzen, hatte der Gemeinderat 1979 beschlossen. Dies war schon damals sehr umstritten und löste einen Streit zwischen Befürwortern und Gegnern aus.

Es hatte sich zwar angedeutet, dass das Bayerische Kultusministerium auf eine Korrektur der damaligen Entscheidung drängt. Die schnelle Umsetzung kommt jetzt dennoch überraschend. Zur Erinnerung: Bürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) und Schulleiter Metschies hatten sich Anfang der Woche noch dafür ausgesprochen, den Fall erstmal wissenschaftlich prüfen zu lassen - und wollten sich zur Frage, ob Dingler in ihren Augen ein geeigneter Namensgeber ist, nicht äußern. Im Gespräch war eine Historiker-Kommission.

Auf deren Ergebnis will man wohl nicht mehr warten. Wie die Regierung von Oberbayern mitteilte, beantragten am Mittwoch die Marktgemeinde, die als Sachaufwandsträgerin für die Hauptschule zuständig ist, und das Schulamt Garmisch-Partenkirchen die Umbenennung. Die Behörde gab hierfür sofort grünes Licht. Die Regierung von Oberbayern sei gerade dabei, die neue Rechtsverordnung für die künftige Murnauer Mittelschule zu erstellen, erklärt Pressesprecherin Michaela Krem. Dabei sei der Namenszusatz Max Dingler, der sonst übernommen worden wäre, einfach gestrichen worden. Sollten die Kommune und die Schulfamilie einen neuen Patron wünschen, müsste dies beantragt und geprüft werden. Das Prädikat Mittelschule, mit dem das Kultusministerium die Hauptschule aufwerten will, soll vor allem den Bereich der Berufsvorbereitung stärken.

Für Rektor Metschies, der an dem Antrag ebenfalls beteiligt war, steht fest: Der Name Dingler sei „unpassend“. Und weiter: „Das kann nicht sein. Ich habe auf einer Namensänderung bestanden.“ Die Nazi-Vergangenheit des Murnauer Ehrenbürgers sei ihm bislang nicht bekannt gewesen. Er habe sich erst im Zuge der aktuellen Diskussion darüber informiert und „mit Bestürzung“ die historischen Fakten erfahren. Demnächst soll der Schriftzug über der Eingangstüre entfernt werden. (as)

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