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Urige Berghütte: Sie steht im Biosphärenpark Nockberge in den Kärntner Alpen.

Streit um Berghütte in Kärnten

Murnauer klagt über „Machtmissbrauch“

Ein Murnauer Paar liegt im Streit mit einem Kärntner Bürgermeister. Es geht um eine urige Berghütte. Die Fronten sind verhärtet.

Murnau – Es ist ein idyllisches Plätzchen, auf dem die kleine Berghütte steht. Wer Ruhe und Entspannung sucht, wird hier auf der Turracher Höhe in Kärnten fündig – beziehungsweise wurde fündig. Denn Eigentümerin Angelika Bredl und ihr Mann Bruno, die in Murnau leben, dürfen das Häuschen im Moment nicht nutzen. Sie liegen im Clinch mit der Gemeinde Reichenau, auf deren Flur sich der Bau befindet.

    Zum Hintergrund: Bredls kauften die Hütte, die im Biosphärenpark Nockberge steht, vor gut fünf Jahren. Zusammen mit Familienmitgliedern und Freunden haben sie das Objekt aufwändig restauriert und dann vermietet sowie für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt. Doch es gibt Probleme mit den örtlichen Behörden. Bruno Bredl nimmt kein Blatt vor den Mund. Er klagt über „Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft, unheilvolle Seilschaften“ sowie „Umweltzerstörung“ und „Engstirnigkeit“. Auch „Kulturfrevel“ und „Spezl- und Amigowirtschaft“ prangert er an.

    Dem Reichenauer Bürgermeister Karl Lessiak wirft der 58-jährige Murnauer vor, der Hütte das Wasser abgegraben zu haben, er habe dafür eine Quelle zerstören lassen. Bredl, von Beruf Bürokaufmann, beschuldigt den Rathauschef des „Amtsmissbrauchs“. Darüber hinaus habe Lessiak über Weihnachten/Silvester „eine völlig unbedarfte Urlauberfamilie mit Polizeigewalt in einer winterlichen Nachtaktion aus ihrem stillen und friedlichen Hüttenurlaub zwangsräumen lassen und des Ortes verwiesen“. Bredl findet das „absolut unfassbar, absolut unglaublich, absolut unverhältnismäßig“, dies sei „aber Wirklichkeit auf der Turracher Höhe“. Das Ganze sei „eine Groteske“.

    Bredls haben inzwischen in Sachen Quelle Anzeige gegen den Bürgermeister erstattet. Den Vorwurf, deren Zerstörung veranlasst zu haben, weist Lessiak zurück. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Vielmehr sei es so, dass Bredls bis dato der Gemeinde noch keinen Nachweis vorgelegt hätten, der die Trinkwasserqualität der Quelle belege. Bredls sagen: „Wir haben Rechte und Eigentum an einer der letzten Privatquellen auf einem der letzten Naturgrundstücke im Skizirkus auf der Turracher Höhe.“ Das Quellwasser sei in Ordnung gewesen und diene bereits „seit ewig“ der Versorgung der kleinen Skiunterkunft. Dies sei der Gemeinde auch bekannt. 

    Was die erwähnten Urlauber an Weihnachten/Silvester anbelangt, sagt Lessiak, dass von einer Zwangsräumung nicht die Rede sein könne. Die Polizei habe nachgeschaut, „ob das Benutzungsverbot eingehalten wird“. Der Hinweis kam von der Gemeinde. Das Verbot sei ausgesprochen worden, weil bei der Sanierung „entgegen dem genehmigten Bauplan gearbeitet“ worden sei. Dabei geht es offenbar um die zu niedrige Innendecke, zu kleine Fenster sowie die Innentreppe. Die Fronten sind verhärtet: Bredls und Lessiak werfen sich gegenseitig vor, die Unwahrheit zu sagen. 

    Wie geht es nun weiter? „Wir sehen uns gezwungen, die skurrilen Vorschriften des Bürgermeisters zu erfüllen“, erklärt Bruno Bredl. Der Murnauer kündigt einen Teilabriss und Wiederaufbau der Alm an. Man habe einen Architekten beauftragt, entsprechende Pläne zu erstellen. Diese müssen jetzt noch modifiziert werden. Im Sommer sollen die Arbeiten vonstatten gehen. Bredl klingt frustriert. „Wir haben jeden Spaß an der Hütte verloren.“ Er schließt nicht aus, sich aus Kärnten zurückzuziehen.

    Voriges Jahr wurde sogar eine Online-Petition gestartet, um die Alm zu retten. Die „Hüttenfreunde“ vermuten auf der Webseite, „dass wir einen unbequemen Störfaktor für etwaige Bauvorhaben darstellen. Anders können wir uns die Wucht, mit der gegen uns verfahren wird, nicht erklären.“ Bislang haben die Petition mehr als 700 Personen unterstützt.

Roland Lory

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