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Verabschiedung mit Murnauer Ortsschildern: Bürgermeister Rolf Beuting (h. 3. v. l.), der stellvertretende Kommandeur Dominik Grundt (h. 3. v. r.) und Landrat Anton Speer (h. 2. v. r.) zusammen mit Soldaten, die heuer Auslandseinsätze absolvieren.

Murnauer IT-Bataillon bei Auslandseinsätzen gefragt

Technik-Spezialisten im Kampfanzug

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Murnau – Auf das in Murnau stationierte Führungsunterstützungsbataillon 293 kommt ein ereignisreiches Jahr 2017 zu. Umfangreiche Auslandseinsätze stehen im Mittelpunkt.

Dies wurde beim Neujahrsempfang bekanntgegeben, den die Bundeswehr traditionsgemäß zusammen mit der Marktgemeinde im Offizierheim am Kemmelpark abhielt. Dazu geladen waren Vertreter des Militärs, der Politik und des öffentlichen Lebens.

Das in der Werdenfelser Kaserne beheimatete Bataillon ist so etwas wie die Telekom der Bundeswehr. Die Technik- und Computerexperten sorgen für unterschiedliche Kommunikationsverbindungen – ein Bereich, der immer wichtiger wird. Regelmäßig müssen die Murnauer hohe Kontingente in die Krisenregionen schicken, in denen die Bundeswehr aktiv ist. Heuer sind es rund 100 Soldaten (2016: 33), die im ersten Halbjahr für vier bis sechs Monate ihren Dienst in sechs Einsatzgebieten in Afghanistan, in Mali, im Irak und im Kosovo leisten. Das ist eine Menge, bedenkt man, dass die Personalstärke der Einheit derzeit bei rund 450 besetzten Dienstposten liegt. Die größte Gruppe der besagten 100 Uniformierten, etwa die Hälfte, wird nach Afghanistan abkommandiert.

Im Rahmen des Neujahrsempfangs wurde symbolisch eine Delegation an Soldaten, die allesamt Feldanzüge trugen und aus Sicherheitsgründen für die Gruppenfotos ihre Namensschilder abnahmen, feierlich verabschiedet. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) überreichte ihnen Murnauer Ortsschilder, die in der Ferne eine Erinnerung an das Zuhause sein sollen. Der Kasernen-Kommandeur Oberstleutnant Jürgen Eckert befindet sich bereits seit vergangener Woche in Afghanistan, wo er fünf Monate bleiben wird. Er meldete sich per Videoübertragung aus Masar-i-Scharif, dem Hauptstützpunkt der Bundeswehr in dem Land am Hindukusch. Eckerts Stellvertreter in der Murnauer Kaserne ist Oberstleutnant Dominik Grundt, der auch die Neujahrsrede hielt.

Demnach steht in diesem Jahr eine Neustrukturierung an. Vereinfacht gesagt wird eine bundesweite Technologie-Sparte geschaffen, zu der dann alle Führungsunterstützungsbataillone gehören. Diese werden dann in IT-Bataillone umbenannt. „Die Numernvergabe ist noch nicht ganz fest vergeben. Wir hoffen aber, wir bleiben die 293er“, sagte Grundt. Seinen Angaben zufolge will sich damit die Bundeswehr gegen die neuen Bedrohungen im so genannten Cyberraum aufstellen. In der Praxis geht es beispielsweise darum, die Kommunikation auch bei Hackerangriffen aufrechtzuerhalten.

Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für die Grundsanierung der Werdenfelser Kaserne. Diese stand bekanntlich schon zweimal vor dem Aus. Das sei auch der Grund, sagte der Vize-Kommandeur, warum „so viel saniert und gebaut werden muss“. Von 2018 bis 2024 sollen insgesamt 85 Millionen Euro investiert werden. Laut Grundt wird derzeit an der Feinplanung gefeilt. Modernisiert werden müssten die Gebäude und die Infrastruktur, etwa die Heizung. Beispielsweise entsprächen die Hallen überhaupt nicht mehr dem heutigen Standard. Denkbar seien auch Neubauten.

Eine Kasernenschließung ist offenbar vom Tisch. Eine Standort-Verlegung sei kein Thema, sagte Grundt auf Nachfrage. Im Gegenteil: Das Bataillon soll laut seinen Ausführungen wachsen. Ziel ist eine Stärke mit 700 Soldaten und zivilen Mitarbeitern. Mit der Entwicklung der Personalstärke ist Grundt zufrieden: „Maßnahmen der Nachwuchswerbung greifen.“

Rathaus-Chef Beuting bot der Bundeswehr eine enge Zusammenarbeit an. Möglicherweise biete sich dazu, so der Kommunalpolitiker, das geplante Kreativzentrum im alten Gemeinde-Krankenhaus an, in dem neue Technologien gefördert werden sollen. Seiner Ansicht nach ist etwa die Abwehr von Cyberattacken enorm wichtig. Die Eingriffe in den US-amerikanischen Präsidentenwahlkampf hätten gezeigt, was auf diesem Gebiet alles drohe.

Beuting sparte nicht mit Kritik am Bund. Es sei der „falsche Weg“ gewesen, dass dieser auch in Murnau Wohnungen verkauft habe. Denn auf bezahlbaren Wohnraum seien auch die hier stationierten Soldaten angewiesen. Mit Blick auf den Bundestagswahlkampf appellierte Beuting an alle Beteiligten, den Anstand zu bewahren. Er habe eine „gewisse Angst“ davor, dass es zu einer Schlammschlacht mit Lügen und Kampagnen wie in den USA komme. „Das war sehr unschön.“

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