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Schlicht: So soll die Station aussehen.

349 000 Euro statt 280 000 Euro

Murnauer Moos: Konzept für „biologische Station“ gut, aber verbesserungsfähig

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Murnau - Es ist ein viel diskutiertes Thema - die „Biologische Station Murnauer Moos“. 100-prozentig sind die Kreisräte mit dem Entwurf nicht zufrieden und brachten in der Sitzung Anregungen ein. 

Das Murnauer Moos ist für den Landkreis ein Schatz. Einer, den man bewahren will. Hunderte Pflanzen gedeihen dort, viele davon stehen auf der Roten Liste. Tausende Tiere haben in dem Moorgebiet ihr Zuhause gefunden. Dementsprechend wurden viele Anstrengungen unternommen, das sensible Areal zu schützen und aus ökologischer Sicht positiv zu entwickeln. Dafür floss in den vergangenen 20 Jahren viel Geld, auch seitens des Bundes. Nur das Thema Besucherinformation und -lenkung war damals noch nicht förderfähig und geriet auch aus zeitlichen und personellen Gründen ins Abseits. Bis jetzt. Denn am Wanderparkplatz Ödanger an der Straße Richtung Ramsachkircherl soll die „Biologische Station Murnauer Moos“ entstehen. Über deren Aussehen diskutierte bereits der Kreisausschuss eifrig und regte an, den Umweltausschuss miteinzubinden. Das Fazit nach einer regen Debatte: Konzept gut, aber verbesserungsfähig.

Kosten steigen auf 349 000 Euro

In der Phase zwischen den beiden Sitzungen hat sich etwas getan. „Die Planungen sind konkreter geworden“, sagte Kreisbaumeister Alkmar Zenger. Nicht nur in Fragen der Gestaltung, sondern auch bei den Kosten. Bisher beliefen sich diese auf 280 000 Euro. Damit wird es nicht getan sein. Nach derzeitigen Kalkulationen steigt die Summe auf 349 000 Euro, verursacht durch die Bodenbeschaffenheit. Das Gute dabei: Den Löwenanteil von 200 000 Euro trägt die Rosner & Seidl-Stiftung, rund 40 000 Euro für die ins Gebäude integrierten Toiletten und die anteiligen Erschließungskosten übernimmt der Markt Murnau. Den Restbetrag – also rund 90 000 bis 100 000 Euro – bleiben beim Landkreis. Der Umweltausschuss sprach einstimmig seinen Segen aus und empfahl dem Kreistag, dieses Geld in den Haushalt einzustellen.

Die Gestaltung der Station sorgt für Kritik

Kritik hagelte es bei der Gestaltung der Station, die zum einen als Stützpunkt für die Gebietsbetreuung, zum anderen als Anlaufstelle für die Besucher dienen soll. Den Aufbau erläuterte Dr. Heiko Liebel vom Sachgebiet Umwelt und Natur beim Landratsamt. „Das Gebäude ist dreigeteilt.“ Neben der Toilette soll es im mittleren Bereich für die Tagesgäste einen unbeheizten und frei zugänglichen Ausstellungsraum geben (rund 30 Quadratmeter). Die Besucher können sich dort über die Lebensräume und Arten im Moos informieren. Angedacht sind hierfür sowohl klassische als auch innovative Elemente. Liebel, der als Ansprechpartner zu den Stoßzeiten und im Sommer das Büro der Station besetzt, hofft auf eine Leader-Förderung. Zusätzlich soll ein Gruppenraum (etwa 40 Quadratmeter) für maximal 30 Personen entstehen. Zum Beispiel für Schulklassen. „Das schließt die Lücke zur Umweltbildung“, machte der Experte klar. Denn Ziel des ganzen Projekts sei es, „die Leute für das Murnauer Moos zu faszinieren“.

Den Grünen fehlt ein Energiekonzept

Sehr detailreich schilderten der Umwelt-Fachmann und Zenger die Pläne des zuständigen Architektenbüros Böhmer & Laubender. Angefangen von der Terrasse als Art Schaufenster, der Dachdeckung mit Blech bis hin zur Fassade. Denn darin sind sich alle einig. Die Biologische Station soll sich in die Umgebung einpassen. „Das Gebäude erhält keinen Wohnhaus-Standard, sondern wird eher wie eine Hütte temporär und hauptsächlich während der Vegetationsperiode genutzt“, teilt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamtes, mit. Dementsprechend benötigt der „Stadl“ keine normale Heizung. Das derzeitige Konzept sieht vor, eine klein-dimensionierte Grundheizung, beispielsweise auf Wärmepumpbasis, zu installieren. Zusätzlich soll eine Scheitholzheizung wie in einer Berghütte eingebaut werden. Die Temperaturen müssen nur so warm sein, dass im Winter nichts einfriert und das Gebäude trocken bleibt. Genau das befürchteten einige Ausschussmitglieder allerdings. Vor allem Georg Buchwieser (Bündnis 90/Die Grünen) fehlte ein Energiekonzept, auf das er pochte und sich schließlich durchsetzte. Die Verwaltung prüft noch einmal die Versorgung mit Solartechnik.

Auf die eine Debatte folgte die nächste. Thema Fassade. Einfach soll sie sein. Und vor allem muss sie ins Bild passen. Als geeignet erachteten die Kreisräte, einen Brettermantel anzubringen. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und Zenger hörten sich die Anmerkungen an. „Wir greifen die Anregungen gerne auf“, sagte der Kreisbaumeister – und Speer ergänzte. „Aber das darf nicht dazu führen, dass die Stiftung aussteigt.“

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