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Viele Vereinsvertreter und andere Interessierte verfolgen den Neujahrsempfang der Marktgemeinde.

Marktgemeinde zeichnet erstmals vorbildliche Leistungen aus 

Kern Microtechnik: Mitarbeiter-Aktion bringt Umweltpreis ein

Murnau - Die Aktion brachte vieles in Bewegung: bei den Mitarbeitern, in der gesamten Firma. Kern Microtechnik stattete seine Leute mit E-Bikes aus. Das macht sich mannifaltig bezahlt, auch jetzt noch: Kern erhielt den ersten Murnauer Umweltpreis. Die Volkshochschule bekam eine Würdigung fürs Repair-Café.

Das Aufsehen erregende Projekt entpuppte sich als echter Coup. Selbst Monate später heimst das Murnau-Eschenloher Unternehmen Kern Microtechnik GmbH noch Lob und öffentliche Würdigungen für seine E-Bike-Mitarbeiter-Aktion ein. Es bot seinen Leuten – heute rund 170 – die Chance, sich ein hochwertiges Elektrorad auszuwählen und privat zu nutzen. 2300 Euro stellte Kern jedem zur Verfügung, das zudem Kosten etwa für Reparaturen oder Versicherung trägt – und orderte am Ende rund 100 Bikes, von denen nun viele für die Fahrt an den Arbeitsplatz dienen.

Eine ausgezeichnete Aktion war das auch in den Augen der Murnauer Gemeinderäte: Sie wählten das Unternehmen aus sechs Bewerbungen aus und sprachen ihm den erstmals vergebenen Umweltpreis der Marktgemeinde zu. Er wird, mit 1000 Euro dotiert, nun alle zwei Jahre für hervorragende Leistungen auf diesem Gebiet verliehen. „Wir fühlen uns sehr geehrt“, erklärte Firmen-Inhaber Ekkehard Alschweig, als er am Montagabend beim Neujahrsempfang im Kultur- und Tagungszentrum die von Künstlerin Susanne Assum gefertige Wandertrophäe – eine aus Murnauer Holz gefertigte Frucht, aus der Neues erwächst – entgegennahm. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) lobte diese „ganz außergewöhnliche Maßnahme“ bei Kern, hinter der ein Aufwand in sechsstelliger Höhe stecke. Und der hochdekorierte Filmemacher Dieter Wieland aus Uffing, für den Naturschutz und -zerstörung stets bestimmende Themen sind, sprach in seiner Laudatio von einer „glänzenden Idee der Kern-Geschäftsführung“, die Belohnung der Mitarbeiter nicht nur in Geld, sondern „in einem Stück Umweltschutz anzulegen“.

Die Angestellten schätzten das Angebot „sehr“, erklärte Alschweig. „Die Emotionalität ist in einer solchen Geschichte weitaus größer als bei einem oder zwei Prozent Gehaltserhöhung.“ Die Aktion habe viel und positive Resonanz erzeugt, im Landkreis und darüber hinaus, und sei auch „von der Werbeseite her hoch interessant“. Aus fremden Firmen kamen Anrufe, Fragen nach Details. Alschweig ist überzeugt: „Umweltschutz braucht Verständnis. Aber er muss eingängig sein und Spaß machen.“ Für den Hauptpreis fließen 750 Euro an Kern.

250 Euro und eine Würdigung erhält die Volkshochschule Murnau für ihr Repair-Café. Geschäftsführer Heinfried Barton und bisher rund 35 Ehrenamtliche bieten damit der Wegwerfgesellschaft die Stirn. Bei Treffen in der Westtorhalle, deren Vertreter ebenso im Boot sitzen wie die weiterer Institutionen, können Teilnehmer allein oder mit anderen defekte Gegenstände instand setzen – etwa Elektro-Geräte, Kleidung, Möbel, Spielzeug. Hilfe zur Selbsthilfe leisten Experten wie Elektriker, PC- und Smartphonespezialisten oder Schreiner. Dabei geht es auch darum, Wissen mitzunehmen, sagte Barton, der sich „über die Anerkennung freute“. Das nächste Repair-Café öffnet am Samstag, 6. Mai, von 14 bis 17 Uhr in der Westtorhalle.

Die Organisatoren trafen damit bei Wieland, der für den neuen Preis flammende Begeisterung zeigte („Endlich mal wieder passiert was für den Umweltschutz“), wohl mitten ins ökologische Herz. Er sei ein Kriegskind, erzählte Wieland, der damit Entbehrungen am eigenen Leib erfuhr. Selbstverständliche Dinge wie Klopapier oder Nägel gebe es im Krieg nicht, so Wieland, der Mitte März 80 Jahre alt wird. Er gestand: „Ich kann heute noch nichts wegschmeißen.“ Der Speicher sei voll, der Keller: „Seien Sie froh, dass Sie nicht mit mir verheiratet sind.“ Kein Wunder, dass Wieland vor diesem Hintergrund dem Repair-Café „auch meinen persönlichen Ehrenpreis“ verlieh: „Wir müssen lernen, dass man Dinge nicht einfach wegwirft.“

Zugspitz-Region: Landrat wirbt um Murnau

Wünsche sind zum Jahreswechsel erlaubt. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) brachte beim Neujahrsempfang gleich zwei Anliegen für 2017 vor: „dass wir die Asylsituation weiter gemeinsam bewältigen – und dass Murnau wieder in die Zugspitz Region zurückkehrt. Der zweitgrößte Ort des Landkreises gehört einfach dazu“. Murnau hatte sich aus der Kreisentwicklungsgesellschaft (KEG), aus der die Zugspitz Region hervorgegangen ist, verabschiedet, diskutiert aber einen Wiedereintritt. Speer zählte Vorteile auf, warb heftig um Murnau und für die Zugspitz Region, eine Plattform zur regionalen Entwicklung, der mit Ausnahme Murnaus alle Kreis-Orte angehören. Man habe nach der Gründung der KEG einige Fehler gemacht, sich mit der Umwandlung aber neu aufgestellt, betonte Speer.

Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) klammerte lokalpolitische Themen in seiner Ansprache komplett aus: „Der Neujahrsempfang soll zeigen, was den Ort stark macht, er ist nicht so sehr eine politische Veranstaltung.“ Es seien viele Vereinsvertreter da, sagte er mit Blick auf den großen Saal im Kultur- und Tagungszentrum, den am Montagabend geschätzt über 200 Menschen gut füllten – insofern sei „dies ein Stück weit gelungen“. Beuting richtete den Blick aufs ganze Land und darüber hinaus, aufs Wahljahr 2017. Er sei „besorgt über den Umgang miteinander“, denke „mit Schrecken“ an den US-Präsidentschafts-Wahlkampf und hoffe, dass in Deutschland nicht das gleiche Niveau herrschen werde. Verunsicherung sowie Angst um die eigene Identität und Sicherheit haben, so Beuting, die Gesellschaft ergriffen.Er sieht die Anwort in der „Stärkung des Wir-Gefühls. Ich glaube, dass 2017 alles gut ist, was die Gemeinschaft und das gemeinsame Haus Murnau stärkt“. Er hob das „reiche Vereinsleben“ hervor, in dem „unschätzbar wichtige Arbeit“ geleistet werde. Nebenbei entstehe Integration.

Ortsvereine werden 2017 auch für gesellschaftliche Glanzlichter sorgen. Beim Empfang stellten sich Vertreter jener Institutionen vor, die Jubiläen feiern werden. Das Jugend- und Blasorchester Murnau (JBO), dessen Musiker den Empfang umrahmten, wird 50 Jahre alt. Kirchen im Ort begehen das ökumenische Jubiläumsjahr. Anlässe sind der Beginn der Reformation vor 500 Jahren und die Grundsteinlegung von St. Nikolaus vor 300 Jahren am 17. September 1717. Der Krieger- und Soldatenverein feiert 175-jähriges Bestehen, das Mütter- und Familienzentrum Murmel sein 25-jähriges Jubiläum.

Fünf Sternsinger von St. Nikolaus überbrachten zum Auftakt des Abends Segenswünsche. Das Besondere: Alle fünf gehören zu einer Familie. Indira, Anandi, Kiran, Tarun und Nuria Göbel waren für die Pfarrei auch zusammen als Sternsinger unterwegs.

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