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Hier im einstigen Labor des alten Krankenhauses könnte künftig die High-Tech-Werkstatt entstehen.

Altes Murnauer Gemeinde-Krankenhaus

Geplantes Innovationsquartier: Eldorado für Tüftler

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Murnau - Das Konzept, das alte Murnauer Gemeinde-Krankenhaus in ein Innovationsquartier zu verwandeln, steht in den Startlöchern. Ein Highlight könnte eine High-Tech-Werkstatt werden.

Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich-Bittlinger und seine Beraterin Zehra Spindler müssen derzeit viel Überzeugungsarbeit leisten: Wenn etwas Neues wie das besagte Innovationszentrum ansteht, gibt es nicht nur Applaus, sondern auch Skepsis und Kritik. Beispielsweise bekommen die beiden den Vorwurf zu hören, das Ganze diene nur der Münchner Kreativszene. Unsinn, lautet die Antwort. Das Vorhaben sei für die Menschen aus Murnau und der Region gedacht. Nur müsse man Experten von außerhalb miteinbeziehen. „Es ist vernünftig, wenn wir uns Hilfestellung holen“, sagt Bittlinger.

Sein Kalkül ist bekannt: In der verwaisten Klinik an der James-Loeb-Straße, die der Marktgemeinde gehört, sollen sich Kreative niederlassen, Firmen gründen, Netzwerke bilden, Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven schaffen. „Wir brauchen einen wirtschaftlichen Impuls“, fasst der Ansprechpartner für die Betriebe das Ziel seines Konzepts zusammen, das vorerst als Übergangslösung gedacht ist. Der Erfolgsdruck ist groß: In der Theorie klingt das alles sehr vielversprechend. Nur muss es in der Praxis auch funktionieren. Ein Großteil der Belegung steht fest, die ersten Mietverträge wurden schon verschickt. Etwa 70 Prozent sind reserviert. Bittlinger spricht von einer „bunten Mischung“ – und hofft, dass es im Frühjahr oder Frühsommer losgeht. Weitere Interessenten könnten sich melden. Der Rathaus-Mitarbeiter zählt über 15 Nutzer auf. Das fängt bei der Volkshochschule und Murnau Miteinander an und hört bei Klein- und Ein-Mann-Betrieben auf, ob nun ein Software-Programmierer, ein Verlag oder eine Werbeagentur. Hinzu kommt eine Reihe an Projekten wie ein Medienlabor, eine Beratung für Startup-Unternehmen, eine Praktikumsvermittlung, Kurzzeit-Büros und eben die besagte High-Tech-Werkstatt der so genannten Maker-Szene. Maker ist die Bezeichnung für eine Do-It-Yourself-Bewegung, die boomt. In München gab es heuer dazu eine eigene Messe in der Zenith-Halle – mit 7500 Besuchern.

Als Träger für das Vorhaben in Murnau ist ein Verein im Gespräch. Eine Hürde dürfte die Finanzierung der Grundausstattung sein: Branchenkenner rechnen mit Anschaffungskosten von etwa 20 000 Euro. Die Herzstücke sind ein 3D-Drucker, mit dem sich aus Kunststoff alle möglichen Teile herstellen lassen, und ein Laser, der Materialien schneidet. Ein Eldorado für Tüftler, Entwickler und Schüler, die mit moderner Technik experimentieren wollen. Dabei entstehen die unterschiedlichsten Produkte, ob nun für den Modellbau, Prototypen oder Skulpturen. Geburtshelfer soll Mario Klingemann sein. Der Künstler und Programmierer aus der Isar-Metropole will in dem neuen Murnauer Zentrum ein eigenes Büro beziehen. Klingemann gilt als Maker-Fachmann – und ist Feuer und Flamme. „Man kann fast alles bauen“, berichtet er. In München war er Mitbegründer eines Vereins, der mittlerweile über 200 Mitglieder zählt, Fördergelder bezieht und Sponsoren gefunden hat. Klingemann betont das wirtschaftliche Potential. Künftige Jungunternehmer könnten günstig und ohne größeres Risiko ihre ersten Produkte fertigen.

Generell ist unter den künftigen Mietern des Innovationsquartiers die Begeisterung groß. Dass darin auch Flüchtlinge untergebracht und betreut werden sollen, stört offenbar niemanden. „Das ist eine spannende Geschichte“, sagt der Grafikdesigner Michael Knoch. Die Integration müsse schließlich stattfinden. „Das ist gelebte Gesellschaft“, meint der ehemalige Artdirector des Münchner Stadtmagazins „Prinz“, der mit seinem Atelier von Beuerberg an den Staffelsee ziehen will. Der 54-Jährige verbrachte in Murnau einen Teil seiner Kindheit bei den Großeltern. Zurück zu den Wurzeln – das heißt es auch für die Betriebswirtin Vanessa Kögl (25), die eine Beratung für Existenzgründer plant. Die junge Mutter stammt aus Krün, wohnt in München – und will nun mit ihrer Familie wieder in ihre Heimat ziehen.

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