Murnaus „Betongold“ glänzt

Murnau - Die Preise am Murnauer Immobilienmarkt kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. 2013 legten sie im Vergleich zum Vorjahr nochmal kräftig zu - im Schnitt um rund vier Prozent.

Dies geht aus den aktuellen Zahlen des Münchner Marktforschungsinstituts des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) hervor. Die Daten für diese Erhebung, die zweimal im Jahr veröffentlicht wird, liefern Makler.

Der Kauf eines Eigenheims in der Staffelsee-Gemeinde ist demnach ein teures Vergnügen. Beispielsweise müssen für ein gebrauchtes Einfamilienhaus in gehobener Qualität (guter Wohnwert) im Durchschnitt 592 500 Euro aufgebracht werden, für eine Doppelhaushälfte 490 000 Euro und für ein Reihenmittelhaus immerhin noch 350 000 Euro.

Auch Eigentumswohnungen sind keine Schnäppchen. Für ein modernes Domizil in attraktiver Lage (Bestandsimmobilie, guter Wohnwert) sind 2900 Euro pro Quadratmeter fällig. Das bedeutet: Eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 80 Quadratmetern schlägt mit 232 000 Euro zu Buche. Die wenigen Neubauten sind in der Regel deutlich teurer. Bei Luxus-Projekten werden mittlerweile rund 4000 Euro pro Quadratmeter verlangt - und laut Branchenkennern auch bezahlt. Noch vor ein paar Jahren wären solche Preisvorstellungen als Fantasterei abgetan worden.

Die Gründe für den Boom liegen auf der Hand: Murnau ist aufgrund seiner hohen Lebensqualität sehr beliebt, der angebotene Wohnraum aber sehr knapp. Euro-Ängste, die Flucht in das scheinbar sichere „Betongold“ und die niedrigen Kreditzinsen verschärfen das Ganze zusätzlich. „Nach wie vor übersteigt die Nachfrage bei weitem das Angebot“, erklärt Makler Herbert Bogner. „Daran wird sich so schnell nichts ändern, denn neue Baugrundstücke sind Mangelware und Gebrauchtimmobilien kommen nur wenige auf den Markt.“

Bogners Berufskollege Roger Zietz stuft die Lage ähnlich ein. „Wir könnten die dreifache Menge vermarkten“, sagt er. Neubauwohnungen würden mitunter vom Plan weggekauft - noch bevor die Bagger anrollten.

Und wer kann sich die teuren Objekte leisten? Bei Häusern sind es laut Zietz häufig einkommensstarke Familien, bei Wohnungen vermögende Senioren, die beispielsweise in München ihr Haus veräußern und aufs Land ziehen. Hinzu komme die Erbengeneration, die über das nötige Kleingeld verfüge.

Nach groben Schätzungen von Fachleuten zogen die Kosten für Murnauer Immobilien in den vergangenen zehn Jahren um etwa 20 Prozent an - und damit auch die Mieten. Das hat weitreichende soziale Folgen. Manche Familien können es sich nicht mehr leisten, im Markt zu wohnen - und ziehen ins günstigere Umland. Es verwundert nicht, dass der Ruf nach bezahlbarem Wohnraum immer lauter wird - und die Ortspolitik dieses Thema aufgegriffen hat.

Und was bringt die Zukunft? In diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander. Mit größeren Einbrüchen rechnet allerdings niemand. „Die anhaltend hohen Preise scheinen auf hohem Niveau zu stagnieren“, meint Bogner. Zietz rechnet mit einem weiteren „moderaten“ Anstieg. Denn: „Es ist viel Geld vorhanden.“ Eine vorsichtige Einschätzung gibt der Murnauer Makler Rupert Poettinger ab. „Die Tendenz zu einer leichten Überhitzung ist da“, sagt er. Eine Blase sehe er jedoch nicht. Dafür werde zu solide finanziert. Er könne sich allenfalls eine leichte Korrektur vorstellen. Sollte allerdings die Euro-Krise zurückkehren, könnte erneut Kaufpanik ausbrechen - und die Preise noch weiter nach oben treiben. (as)

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