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Nichts geht mehr: Wegen eines Krans ist die Schlossbergstraße am Rathaus gesperrt.

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Murnaus Untermarkt - das ewige Verkehrsdilemma

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Murnau - Die Baustelle am Murnauer Rathaus hat den Verkehr spürbar verändert: Die Schlossbergstraße ist dort vorübergehend gesperrt, der Untermarkt endet in einer Sackgasse. Ist dies nun Fluch oder Segen für die Geschäfte im Ortszentrum? Die Meinungen gehen weit auseinander.

Es ist zwar nur ein subjektiver Eindruck: Aber die Atmosphäre im Untermarkt scheint entspannter geworden zu sein. Viele Besucher schlendern quer über die Fahrbahn – als ob es eine Fußgängerzone wäre. Das Verkehrsaufkommen ist in dem sensiblen Bereich offenbar zurückgegangen. Der Hintergrund ist bekannt: Seit rund vier Wochen ist wegen des im Zuge der Rathaus-Sanierung aufgestellten Krans die Durchfahrt in der Schlossbergstraße nicht mehr möglich.

Die spannenden Fragen lauten: Ist dies nun gut oder schlecht für den Einzelhandel, finden jetzt weniger oder mehr Leute den Weg in Murnaus gute Stube? Wird das Shopping-Erlebnis aufgewertet – oder gehen Kunden verloren, weil sie möglicherweise den Ortskern als autounfreundlich empfinden? Belastbares Material sucht man vergeblich, das Bauchgefühl scheint derzeit die Debatte zu bestimmen. „Wir haben keine Zahlen“, sagt Herbert Bogner, Vorsitzender des Wirtschaftsfördervereins. Man müsse das Ganze einige Zeit beobachten. Er habe bislang unterschiedliche Einschätzungen gehört. Im Herbst will der Verein betroffene Geschäftsleute einladen, um eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.

 Wenn es nach Alois Steiger ginge, der im Untermarkt einen Schmuckladen betreibt, wäre die Sache klar: Der Untermarkt würde sich in eine Verlängerung der Fußgängerzone verwandeln. Denn: „Der Verkehr gehört raus“, sagt er – eine Forderung, die seit Jahren immer wieder aufflammt. Überhaupt ist die Frage, wie der Untermarkt verkehrstechnisch geregelt werden soll, eines von Murnaus Dauerthemen. Dahinter steht auch die Frage, welchen Stellenwert der Autoverkehr generell im Ortszentrum haben soll. Für Steiger ist jedenfalls die aktuelle Situation der beste Beweis dafür, dass eine Entlastung auch wirtschaftlich etwas bringt. Sein Umsatz habe sich nämlich verdoppelt, seit der Untermarkt zwangsweise eine Sackgasse ist, erklärt er. „Den anderen Geschäftsleuten geht es ähnlich.“ Steiger hat dazu eine Umfrage gestartet, an der sich alle Interessenten beteiligen können. Entsprechende Listen liegen in diversen Läden aus.

Rückendeckung erhält er von Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger. Seiner Einschätzung nach bewertet eine „überwiegende Mehrheit“ der Geschäftsleute die jetzige Verkehrslage als positiv. Der Fachmann spricht sogar von einem „positiven Effekt für den Einzelhandel“. Er führt diesen auf ein verbessertes Einkaufserlebnis zurück. Man sollte daher darüber nachdenken, schlägt der Rathaus-Mitarbeiter vor, die Sperrung der Schlossbergstraße beizubehalten und den Untermarkt dauerhaft als verkehrsberuhigte Zone einzurichten, in die nur noch Anwohner und Lieferanten fahren dürfen.

Doch es gibt auch warnende Stimmen. Freie-Wähler-Chef Welf Probst, der am Untermarkt einen Handwerksbetrieb hat, ist von der derzeitigen Situation überhaupt nicht begeistert. Der Volksvertreter befürchtet, dass aufgrund der Einschränkungen weniger Besucher ins Zentrum kommen – und die Geschäftswelt darunter leidet. Außerdem herrsche in der Lederergasse, die viele als Ausweichroute nutzen, mitunter „absolutes Chaos“. Probst hätte es lieber gesehen, den Kran im Rathaus-Innenhof aufzustellen, um die Schlossbergstraße zumindest einspurig für den Verkehr frei zu halten. Aber die Entscheidung habe die Verwaltung im Alleingang getroffen.

„Wir bekommen mit Sicherheit weniger Frequenz“, meint auch CSU-Gemeinderat Andreas Müssig, Chef eines Blumenladens neben dem Rathaus. Derzeit belebten die vielen Touristen das Geschäft. Doch dies sei nach der Saison vorbei. Dann müsse man sich etwas einfallen lassen, beispielsweise gemeinsame Werbeaktionen und Hinweise auf Parkmöglichkeiten. Müssig sieht die Sache pragmatisch: Man sollte versuchten, das Rathaus-Bauprojekt so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen, damit möglichst bald der Verkehr wieder fließen kann.

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