„Irgendwann ist nichts mehr droben im Speicher.“ Museumsleiter Franz Maier

Im Museum ist der Wurm drin

Bad Bayersoien - Das Bayersoier Heimatmuseum im Bierling-Haus hat einen kleinen Untermieter, der zu einem großen Problem geworden ist.

Das Bayersoier Heimatmuseum im Bierling-Haus hat einen kleinen Untermieter, der zu einem großen Problem geworden ist: Der „Holzbock“ hat sich in vielen der uralten landwirtschaftlichen Ausstellungsstücke, die auf dem Speicher lagern, eingenistet. Nun wird dem gefräßigen Nager zu Leibe gerückt: Am kommenden Freitag und Samstag werden die befallenen Kostbarkeiten in einer großangelegten Aktion ausgeräumt. Die hölzernen Exponate kommen nach Wildsteig. Dort werden sie eigens in einem Sägewerk in die dortige Holztrocknung verfrachtet und bei 70 bis 80 Grad Hitze behandelt. Das soll den Holzwurm vernichten, hoffen die Verantwortlichen.

Für Museumsleiter Franz Maier ist es fünf vor zwölf. „Der Holzwurm frisst alles auf“, sagt der 64-Jährige. Er zeigt auf ein altes Pferdegespann. Auf der Holzoberfläche sind deutlich kleine Häufchen zu sehen. Holzmehl, Spuren des gefräßigen Parasiten. Doch der ungebetene Gast findet sich nicht nur in den Geräten. „Auch in Truhen und Schränken ist er drin“, klagt Maier. Er kennt dessen Vorlieben: „Buche mag er ganz gern, aber auch Fichte.“

Festgestellt wurde der Befall bereits im vergangenen Jahr. Aber zeitlich habe man die Behandlung bislang nicht geschafft, sagt der seit Mai 2013 amtierende Museumschef. Er macht Druck: „Das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Irgendwann ist nichts mehr droben im Speicher.“ Dann droht Soiens landwirtschaftliche und handwerkliche Geschichte buchstäblich zu Staub zu verfallen. Denn die alten Geräte sind unersetzlich. „Die kriegt man ja nicht mehr.“

Für die Ausräumaktion braucht das vierköpfige Museumsteam um Maier allerdings dringend Unterstützung. Maier nimmt die Soier in die Pflicht. „Von jedem Verein sollten mindestens fünf bis sechs Helfer kommen.“ Schließlich müssen die hölzernen Sorgenkinder über einen Seilkran aus dem Speicher transportiert werden. Unten laden Helfer alles auf und fahren es nach Wildsteig. Drei bis vier Tage bleiben die Exponate in der Trocknung. Laut Maier fallen täglich Kosten von rund 200 Euro an.

Eine gute Nachricht hat der Museumschef aber: Der Holzwurm hat sich nur im Obergeschoss eingenistet. „In den unteren Stockwerken ist alles okay.“ Das ist wichtig, denn im ersten Stock steht unter anderem die original Kaufmannsstube samt wertvollem Mobiliar der Bierling-Familie. ab

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