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Schon bei den Proben im Eisstadion haben die Musikanten der Garmischer und Partenkirchner Kapellen jede Menge Gaudi. Die Vorfreude auf die Reise ist groß.

Verzicht auf das liebste Getränk

Abenteuerreise in den Oman

Garmisch-Partenkirchen - Mit 70 Mann reisen die Musikkapellen Garmisch und Partenkirchen heute zum Militärmusikfestival in den Oman. Was sie dort erwartet, wissen sie nicht so genau. 

"Liebe Mitglieder der Musikkapellen Garmisch und Partenkirchen, Ihr müsst jetzt stark sein. . ." So könnten Josef Grasegger und Matthias Millian ihre Ansprache starten. Die beiden müssen ihren Musikanten beibringen: Bier wird’s in der nächsten Woche keines geben. „Das verraten wir ihnen erst vor Ort“, frotzelt Millian, Vorsitzender der Garmischer. „Ja, stell Dir vor. Am Ende fahren’s nicht mit“, bekräftigt sein Partenkirchner Kollege und Spezl Grasegger lachend.

Aber nein, da müssen sich die beiden keine Sorgen machen. Diese außergewöhnliche Reise lässt sich keiner entgehen. An diesem Sonntag fliegen 70 Mitglieder der beiden Kapellen und 5 Goaßlschnalzer aus Partenkirchen in den Oman, um in der Hauptstadt Maskat beim Militärmusikfestival aufzutreten. „Für uns ist das eine große Ehre“, sagt Grasegger. Und das meint er – anders als die Bier-Späße – sehr ernst. Immerhin dürfen die Garmisch-Partenkirchner „unsere Heimat und unser Brauchtum repräsentieren“.

Zustande gekommen ist die Einladung, so vermuten die Verantwortlichen, über Umwege durch Qabus ibn Said, den Sultan von Oman, der in Garmisch-Partenkirchen ein Anwesen besitzt und des Öfteren seine Zeit dort verbringt. Im August erreichte die Werdenfelser die Anfrage, Mitte September stand fest: Die Kapellen fliegen zum „Military Music of Oman“. Der Organisationsmarathon begann. Email auf Email stapelt sich in den Postfächern von Millian und Grasegger. Mindestens 300 haben sie zum Thema Oman geschrieben beziehungsweise empfangen.

Um Hotels und Flüge kümmerten sich zwar die Organisatoren vor Ort. Ein intensiver Austausch war dennoch nötig, allein wegen des Sperrgepäcks – eine Tuba beispielsweise misst 1,40 Meter und wiegt 30 Kilogramm. Leise Zweifel melden sich da schon, ob alles klappt. „Beruhigt bin ich erst, wenn am Sonntag um 10.15 Uhr alle samt Gepäck im Flieger sitzen“, sagt Grasegger.

Der Dudelsack ist bei der Militärmusik im Oman ein wichtiges Instrument. Beim Gapa Tattoo 2012 war es zu hören.

Nach der Ankunft in Maskat stehen drei Probentage für die Show an, die an weiteren drei Abenden vor eindrucksvoller Kulisse aufgeführt wird. Die Werdenfelser spielen und platteln – auf weißem Marmorboden – vor dem einzigartigen Royal Opera House. 15 Minuten dauert ihr Auftritt, zudem sind eine Kapelle aus Russland und sieben omanische Gruppen zu hören. Wie groß das Interesse beim arabischen Publikum sein wird – die Garmisch-Partenkirchner lassen sich überraschen. Auch, ob bayerische Marschmusik mit Alphornbläsern, Kuhglocken und Goaßlschnalzern ankommt. Abheben wird sie sich auf jeden Fall. Denn der Dudelsack ist bei den Omanis ein tragendes Element.

Vor drei Jahren wirkten Musiker aus dem Sultanat beim GaPa Tattoo 2012 mit. Markus Hirthammer von den Partenkirchner Musikanten wird dieses Erlebnis nicht vergessen: Es regnete in Strömen, gerade deshalb genossen die Gäste ihren Auftritt im Kurpark so. „Dort regnet’s ja quasi nie.“

Hirthammer und sein Partenkirchner Musikkamerad Toni Baudrexl (60) haben den Oman vor einigen Jahren privat bereist. Sie erinnern sich an gastfreundliche, zurückhaltende und bescheidene Menschen. Und an den Duty-Free-Shop am Flughafen: Dort gibt’s Bier. „Das darfst Du halt dann nicht im Auto transportieren“, sagt Hirthammer und lacht herzlich. Gut, fasst Baudrexl zusammen: „Dann gibt’s halt für bayerische Musikanten acht Tage lang kein Bier und keine Weißwürscht – auch ned so schlimm.“

Schwieriger wird sowieso eine andere Frage: Ob die Musikanten bei ihrem Auftritt vor dem Opernhaus in Maskat die Hemdärmel unten tragen – wie das die Partenkichner handhaben – oder ob sich die Garmischer Variante mit hinaufgekrempelten Ärmeln durchsetzt. „Das“, sagt der Garmischer Millian, „ist der einzige Punkt, den wir noch nicht geklärt haben.“ Die Hälfte der Musikanten muss also wirklich stark sein in dieser Woche. Aber für dieses kulturelle und musikalische Abenteuer und diese ehrenvolle Aufgabe nehmen sie die kleinen Abstriche doch gerne in Kauf.

Katharina Bromberger

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