Waffenhändler vom Münchner Amoklauf zu sieben Jahren Haft verurteilt

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Traumtag im Wetterstein-Massiv: Dieses Bild zeigt Derek Kiehn am Tag vor dem schrecklichen Unfall.

13.440 Euro bereits durch Spenden eingegangen

Nach Absturz am Blassengrat: Derek Kiehn gibt nicht auf

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Garmisch-Partenkirchen - Derek Kiehn ist ein Kämpfer. Das hat sich nach dem Absturz vom Blassengrat gezeigt. Und das wird in der Unfallklinik Murnau deutlich, in der er seit elf Wochen liegt. 

Manchmal fühlt sie sich wie in der Achterbahn. „Auf der krassesten Fahrt, die ich mir vorstellen kann“, sagt Fabienne Woiton. Und die dauert schon gut elf Wochen. Kein Ende in Sicht. Dabei gibt es durchaus gute Momente. Augenblicke, in denen es bergauf geht. Immer wieder.

Als sie mit ihrem Freund zum ersten Mal in der Cafeteria der Unfallklinik Murnau saß, war das so einer. Auch der, als ihr klar wurde, „dass sein Gehirn fit ist und er zumindest vom Kopf der Derek ist, den ich kenne“. Das ist ein Wunder. Wie die Tatsache, dass Derek Kiehn den schlimmen Absturz am Blassengrat überlebt hat. Über 24 Stunden dauerte es, bis der lebensgefährlich verletzte, stark unterkühlte 28-Jährige am Neujahrstag aus den Schneemassen gerettet wurde. Sein Freund James Howell, mit dem er die Bergtour zum Jahreswechsel unternommen hatte, starb im Wetterstein-Massiv.

An den Unfall, auch an die Tage davor erinnert sich der Amerikaner, der seit 2011 mit seiner Freundin in Garmisch-Partenkirchen lebt, nicht. Das ganze Ausmaß der Tragödie mussten ihm Woiton und seine Eltern erst beibringen. „Wir sind seine emotionale Stütze.“ Wie sehr ihn das Ganze trotzdem mitnimmt, davon zeugen seine Schlafstörungen. Deshalb gab es auch Tage, an denen seine Lieben rund um die Uhr an seiner Seite waren. Tagsüber bleibt nicht viel Zeit zum Grübeln. Da ist er mit seiner Genesung, den Schmerzen und auch vermeintlich simplen Sachen wie der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Allein essen und atmen kann Kiehn schon wieder. Zeitweise. „Er kämpft sehr stark“, unterstreicht Woiton.

Kiehns Organe funktionieren noch nicht richtig

Anfang dieser Woche traf sie allerdings erneut ein Rückschlag, eine dieser krassen Talfahrten. „Er hat wieder eine Lungenentzündung bekommen, auch Leber und Nieren funktionieren noch nicht.“ Was zur Folge hat, dass ihr Freund dreimal in der Woche zur Dialyse muss. Drei Monate geben die Ärzte den Organen, arbeiten sie bis dahin nicht richtig, wird eine Transplantation nötig. Erst nur die Leber, danach erholen sich die Nieren möglicherweise. „Aber das geht nur, wenn er gesund ist“, sagt die Potsdamerin. Noch eine Operation. Von denen hat Kiehn schon etliche hinter sich. Beide Unterschenkel mussten amputiert werden, auch seine Finger hat er großteils verloren. Die kleinen sind komplett weg, von sieben hat er noch Stümpfe, einzig der rechte Daumen ist vollständig da. „So hat er noch die Greiffunktion“, sagt Woiton. Das sei entscheidend. Und die könne er auch an der linken Hand wieder bekommen. Das ist allerdings Zukunftsmusik.

Erst muss sich der Allgemeinzustand ihres Freundes verbessern. Erst müssen seine inneren Organe wieder funktionieren. Fabienne Woiton ist klar, dass ihnen noch ein langer Weg bevorsteht. Und ein teurer. Allein eine Sportprothese koste 40 000 Euro, hat sie erfahren. Und davon wird Derek Kiehn zwei brauchen, um trotz des schrecklichen Unfalls seine Träume – wieder auf einem Berg zu stehen oder den Pacific Crest Trail zu meistern – zu verwirklichen. Dabei wird er von Familie, Freunden und Kollegen unterstützt. Emotional, aber auch ganz praktisch.

Große Beteiligung an Spenden-Aktion

„Es ist der absolute Wahnsinn, was da passiert“, betont die 31-Jährige. Auf dem Konto zu Gunsten des Amerikaners sind mittlerweile 13.440 Euro eingegangen. „Überwältigend“, findet sie diese Resonanz. Ein Ärztepaar allein habe 1000 Euro gegeben und auch ein Garmisch-Partenkirchner Verein spendete 640 Euro. Dazu kommen größere und kleinere Einzelspenden und Initiativen, wie die von Kiehns Kollegin vom Kletterwald am Wank, die mit ihrer Mutter Stirnbänder genäht hat und zu seinen Gunsten verkauft. Oder die Spendenbox in der Skischule Sprenzel, in der er ebenfalls arbeitete. „Im Raum steht auch die Idee, ein Benefizkonzert zu organisieren“, erzählt Woiton. All das macht ihr Mut.

Genau wie die Besuche bei Kiehn in der Unfallklinik. Trotz aller Rückschläge gibt er nicht auf. Er hat seinen Willen und kommuniziert den auch. „Das ist gut, ein positives Zeichen.“ Und seit wenigen Tagen gibt’s einen weiteren Grund nach vorne zu schauen: Riley heißt seine kleine Nichte, die im US-Bundesstaat Colorado das Licht der Welt erblickt hat. Die Tochter seiner Schwester Lindsey, die im Internet über www.gofundme.com/derekkiehn schon 26 722 US-Dollar für ihren Bruder gesammelt hat, will er schließlich unbedingt selber einmal sehen. Und im Arm halten. Dafür lohnt sich der Kampf.

Wer dem Verunglückten helfen will,

kann unter „Derek Kiehn“ auf folgendes Konto (IBAN: DE5110077777 0173385600 und BIC: NORS DE51XXX) spenden.

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