350 000 Euro hat der Landtag für Sicherheitsvorkehrungen am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen bewilligt. Der Eingangsbereich soll 2012 umgebaut werden. Foto: Martin

Nach Drama im Gerichtssaal: Angst ist fehl am Platz

Garmisch-Partenkirchen - Es war eine Verhandlung, wie es sie in Garmisch-Partenkirchen viele gibt. In Dachau endete sie in einer Tragödie: Der Angeklagte tötete den Staatsanwalt. Die Bestürzung ist groß.

Christian Pritzl will nicht über seine persönliche Betroffenheit sprechen. Muss er auch nicht. Man merkt sie ihm an. In dem Moment, als der Direktor des Amtsgerichts nach den richtigen Worten sucht, um dann betont nüchtern festzustellen: Ja. Er hat den jungen Tilman Turck gekannt. Der 31-jährige Staatsanwalt habe in Garmisch-Partenkirchen „zahlreiche Verhandlungstermine“ wahrgenommen. „Hier habe ich ihn kennen gelernt.“ Das aber sei im Moment nicht wichtig.

Denn Turck ist tot, erschossen von einem Angeklagten. Eine Katastrophe wie diese, die sich am Mittwoch unmittelbar nach der Urteilsverkündung ereignet hat, „führt einem deutlich vor Augen, welcher Gefahr Richter, Schöffen, Staats- und Rechtsanwälte ausgesetzt sind“, sagt Pritzl.

Auch der Garmisch-Partenkirchner hat in seiner langjährigen Tätigkeit als früherer Staatsanwalt, Oberstaatsanwalt und Richter erfahren, wie unberechenbar manche Angeklagte reagieren. Er möchte die Vorfälle nicht „dramatisieren“, fügt er an. Um dann von den Morddrohungen zu berichten, die gegen ihn bereits ausgesprochen wurden. Ein Gefühl der Furcht habe ihn dennoch nie begleitet, weder nach Drohbriefen noch nach Anrufen. „Wenn Sie Angst haben, dann könnten Sie diesen Beruf nicht ausüben.“

Alexander Huhn begleitet schon ein „komisches Gefühl“, wenn er am Montag wieder als Schöffe ins Amtsgericht fährt. „Ich werde mich ein bisschen genauer umsehen.“ Sein Engagement als ehrenamtlicher Richter steht für den Krüner aber außer Frage. Ebenso wie die Unsicherheit, die seine Arbeit mit jungen Straffälligen begleitet: „Man weiß nie, wie sie reagieren.“ Er würde verstärkte Sicherheitsvorkehrungen in Garmisch-Partenkirchen begrüßen.

Direktor Pritzl und sein Team sind einen Schritt weiter. Denn das Bayerische Justizministerium hat bereits aus der Tragödie im April 2009 Konsequenzen gezogen. Damals hatte ein Angeklagter im Landgericht Landshut zunächst seine Schwägerin und dann sich selbst erschossen. Pritzl ließ daraufhin das bestehende Sicherheitskonzept aktualisieren. „Wir haben auf den Handlungsbedarf im Eingangsbereich hingewiesen.“ Das heißt: Für die Gerichtswachtmeister soll dort ein Büro mit großem Sichtfenster eingerichtet werden, sodass sie den „Personenverkehr ständig im Blick haben“. Die Wachtmeister sind es auch, die dann die Besucher per Knopfdruck einlassen. Gegebenenfalls erst nach einer genaueren Personenkontrolle. Solche werden auch jetzt schon „in einschlägigen Fällen“ und „routinemäßig“ gemacht, betont Pritzl. Konkrete Informationen zum Sicherheitskonzept aber will er - eben aus Gründen der Sicherheit - nicht preisgeben. Nur noch so viel: Es soll in diesem Jahr umgesetzt werden. 350 000 Euro sind für 2012 bereits bewilligt.

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