Bald Vergangenheit: Ilse Angerer (r.) wird von Elfriede und Wolfgang Hrabowski beraten. foto: sehr

Nach 47 Jahren ist Schluss

Burgrain - St.-Michael-Apotheke in Burgrain schließt Ende Juni. Zahl der Geschäftsaufgaben in Bayern steigt.

Ein weißes Schild mit roter Schrift kündigt das Ende an. „Allen unseren treuen Kunden ein herzliches Dankeschön - Leider müssen wir die Apotheke ohne Nachfolge zum 30. Juni 2012 schließen“ steht darauf geschrieben. Am kommenden Samstag sperrt Apotheker Wolfgang Hrabowski die Tür für immer zu. Dann ist die St.- Michael-Apotheke in Burgrain Geschichte. Und dann stehen die Burgrainer nach Jahrzehnten erstmals ohne Versorgung aus der Apotheke da.

Ein Entwicklung, die in Bayern mittlerweile keine Seltenheit ist. 2011 mussten im Freistaat bereits 44 Geschäfte mit dem markanten roten A über der Eingangstür ihre Medikamente und Arzneimittel aus den Regalen räumen. Insgesamt haben in Deutschland nur noch 21 238 Apotheken ihre Türen geöffnet - so wenige wie seit 15 Jahren nicht mehr. Im Landkreis sind es aktuell noch 31.

Ursula Bockhorni-Imhoff, Sprecherin der Apotheken im Kreis Garmisch-Partenkirchen, kennt die Schwierigkeiten: „Das große Problem sind die gesetzlichen Regelungen“, klagt sie. „Mit jeder Gesundheitsreform ist der Verdienst-Anteil des Apothekers am vom Arzt ausgestellten Rezept weniger geworden.“ Besonders das sogenannte Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) bürde den Pharmazeuten hohe Belastungen auf. „Beispielsweise müssen wir jetzt statt 1,75 Euro pro Rezept, 2,05 Euro an die Krankenkassen abführen“, erklärt die Apothekerin. 30 Cent, die richtig ins Geld gehen, denn rund 85 Prozent des Apothekenumsatzes in Deutschland werden an ausgestellten Rezepten verdient. „Jeder muss den Gürtel enger schnallen“, stellt Bockhorni-Imhoff fest. Die Inhaberin der Ludwigs-Apotheke in Garmisch-Partenkirchen ist realistisch. „Man versucht zu überleben.“

Das haben auch Hrabowski und seine Frau Elfriede versucht. Zu den Auflagen der AMNOG kommt die zunehmende Konkurrenz durch Supermärkte, Drogerien und dem Internet. „Es ist schon vorgekommen, dass sich der Kunde von mir beraten lässt, um dann die Tabletten online bei einer Versandapotheke zu bestellen“, berichtet Hrabowski. Die persönliche Beziehung zu den Menschen geht laut dem Apotheker immer mehr verloren. Das war früher anders. „Da warst du Anlaufstelle für alles“, erinnert sich Hrabowski. „Nach Briefmarken wurde gefragt, oder ob ich mal eben diesen Brief kopieren könnte“ Sogar Heiratsurkunden lagen auf dem Kopierer des Apothekers. „Gelesen habe ich aber nie etwas“, sagt er und lacht. 16 Jahre hat das Ehepaar die Kunden bedient. Viele sind es mittlerweile nicht mehr. „Bei 36 Leuten am Tag ist das Ganze sehr übersichtlich“, berichtet der 66-jährige Pharmazeut.

Eine treue Einkäuferin ist Ilse Angerer. Und das seit rund 40 Jahren. „Ich komme hierher, seit es die Apotheke gibt“, erzählt die Burgrainerin. Wenn die 81-Jährige in Zukunft etwas braucht, dann „muss ich es mir von meiner Enkelin oder Schwiegertochter aus Garmisch-Partenkirchen mitbringen lassen“.

Dort verkaufte Anton Zeller in der St.-Anna- Apotheke in der Garmischer-Einkaufs-Passage (GEP) Salben, Pflaster und andere Arzneien. Doch auch hier gehen Ende Juni die Lichter aus. „Es ist schade“, meint Zeller. Formelle Gründe, in denen es um nächtliche Anlieferungszeiten für die Medikamente geht, sorgen unter anderem für die Schließung. Nun bleibt ihm noch die Alpspitz-Apotheke in Farchant. „Hier sind wir gut aufgestellt“, versichert er.

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