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Aus dem Gericht

Nach Ohnmachts-Fahrt: Freispruch statt Geldstrafe

Murnau - Gefährdet sie fahrlässig andere Verkehrsteilnehmer? Diese Frage stand im Mittelpunkt in einem Verfahren gegen eine Murnauerin.

Eine 51-jährige Murnauerin kann sich freuen: Nachdem ihr noch zwei Wochen zuvor Amtsrichter Andreas Pfisterer erklärt hatte, sie sei möglicherweise eine „tickende Zeitbombe“, sprach er die Frau am zweiten Verhandlungstag nunmehr auf Kosten der Staatskasse frei. Wie berichtet, hatte sie im März dieses Jahres in ihrem Wagen auf der Bundesstraße 2 bei Ohlstadt einen Ohnmachtsanfall. Als sie auf die Gegenfahrbahn geriet, war es nur einer geistesgegenwärtig reagierenden Autofahrerin zu verdanken, dass es damals lediglich zu einem geringen Sachschaden gekommen ist. „Das war ein fast unfassbares Glück“, sagte dazu jetzt Matthias Braumandl als Vertreter der Staatsanwaltschaft. Diese hatte wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung einen Strafbefehl über 2250 Euro samt einem dreimonatigen Fahrverbot erlassen. Beides wollte die Murnauerin nicht akzeptieren, weswegen der Fall vor Gericht gelandet ist.

Am ersten Verhandlungstag wurden der Hergang des Vorfalls und vor allem der gesundheitliche Hintergrund der Beschuldigten erörtert. Der Frau ist vorgeworfen worden, im Straßenverkehr ein Fahrzeug geführt zu haben, obwohl sie infolge körperlicher und geistiger Mängel dazu nicht in der Lage gewesen sei. Schließlich habe sie schon früher epileptische Anfälle erlitten, sei auch ein paarmal wegen Herzschwäche in Ohnmacht gefallen und musste dagegen Betablocker sowie nach deren Absetzung ein pflanzliches Präparat nehmen. Die entscheidende Frage warf Richter Pfisterer auf: Hätte die Frau mit ihrer Neigung zu Ohnmachtsanfällen damit rechnen müssen, dass sie andere Verkehrsteilnehmer gefährde? Dies betritt Verteidiger Dr. Gunnar Geiger vehement. Kategorisch stellte er fest, der Blackout auf der B 2 sei keinesfalls vorhersehbar gewesen. Seine Mandantin erklärte: „Ich würde mich nie ans Steuer setzen, wenn ich Ohnmachtsanfälle befürchten müsste.“

Daraufhin verfügte der Richter, dass fachärztliche Stellungnahmen nötig seien. Diese lagen beim zweiten Verhandlungstag vor: Zwei Ärzte erklärten übereinstimmend und schriftlich, dass der Ohnmachtsanfall, der den Unfall im März ausgelöst hatte, medizinisch nicht erklärbar sei. Sie stellten fest, dass aus ihrer Sicht die Frau seinerzeit keinesfalls ungeeignet gewesen sei, ihr Fahrzeug sicher zu führen. Damit war der Fahrlässigkeitsvorwurf vom Tisch. Die Folge: Freispruch. „Trotzdem habe ich Bedenken, wenn Sie ein Fahrzeug führen“, mahnte der Richter abschließend die Murnauerin mit Blick auf die zurückliegenden Vorfälle. „Ich an Ihrer Stelle hätte mich jedoch nach so einem Unfall schon aus Verantwortung gegenüber mir selbst und gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern nicht mehr ans Steuer gesetzt.“ Deshalb rate er dringend, dieses Problem abklären zu lassen.

Wolfgang Kaiser

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