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Das Tagungsgeschäft im Kultur- und Tagungszentrum gilt als Wachstumsmarkt. Manch ein Politiker könnte sich daher im Umfeld ein Tagungshotel vorstellen.

Tourismus

Ruf nach Tagungshotel wird lauter

Murnau - Spätestens seit dem Ende des Traditionshotels Ludwig am Seidlpark ist allen klar: Im Tourismusort Murnau fehlen Übernachtungs-Betten. Jetzt flammt die 2008 intensiv geführte Debatte über die Ansiedlung eines Tagungshotels wieder auf. 

Murnaus neuer Tourist-Info-Leiter Philip Schürlein hatte in der jüngsten Gemeinderatssitzung Daten präsentiert, die keinen Anlass zur Freude gaben: Demnach ist die Anzahl der angebotenen Betten im Ort von 2014 auf 2015 deutlich gesunken, von 1360 auf 1170 (wir berichteten). Vermutlich deswegen gingen auch die Ankünfte und Übernachtungen zurück. Für die Gemeinde ist das schmerzhaft: Denn Einbußen im Urlaubsgeschäft bekommen auch andere Branchen zu spüren, etwa der Einzelhandel.

Für die ungute Entwicklung mitverantwortlich gemacht wird die Schließung des Hotels Ludwig im Herbst des vergangenen Jahres. Das Haus war immerhin mit fast 100 Betten zweitgrößter Übernachtungsbetrieb im Ort – nach der Luxusherberge Alpenhof. Was aus der Immobilie werden soll, steht in den Sternen. Eins ist aber sicher: Eine Wiederbelebung als Beherbergungsbetrieb kommt für den Eigentümer, die Helvetic Investment GmbH, nicht in Frage. Dies teilte das Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden auf Nachfrage mit. Ansonsten gibt man sich dort zugeknöpft. Nur soviel: Ein Nutzungskonzept liege noch nicht vor. Die Gesellschaft schließt weder einen Verkauf aus noch einen Abbruch mit anschließender Verwertung für eine Wohnbebauung.

Wie dem auch sei: In der Ortspolitik reift offenbar die Erkenntnis, dass Murnaus Hotel-Landschaft gestärkt werden muss. „Wir brauchen einen Ersatz für das Hotel Ludwig“, sagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Die Auswirkungen machten sich zunehmend bemerkbar. Beispielsweise fehlten Kapazitäten für größere Busgruppen. Ein Investor für ein Hotelbauprojekt würde daher auf offene Türen stoßen. Beuting denkt an das wachstumsstarke Geschäft mit Tagungsgästen und an einen Standort im Umfeld des Kultur- und Tagungszentrums (KTM) – und verweist auf entsprechende, alte Pläne. „Damit sollte man sich wieder beschäftigen.“

Zur Erinnerung: 2008 hatte eine von der Gemeinde beauftragte Beratungsgesellschaft des Hotel- und Gaststättengewerbes eine Studie vorgelegt. Die Experten empfahlen darin, ein Tagungshotel an das KTM „anzudocken“. Während sich damals die SPD für solch ein Vorhaben stark machte, regte sich unter den ansässigen Hoteliers Widerstand. Sie befürchteten eine zusätzliche Konkurrenz. Das Gutachten verschwand daraufhin wieder in einer der Rathaus-Schubladen.

Doch jetzt scheinen selbst die Kritiker von einst die Sache neu zu bewerten. Dazu zählt CSU-Fraktionssprecherin Regina Samm, die das Hotel Angerbräu betreibt. Sie könnte sich mit einem Tagungshotel grundsätzlich anfreunden, meint sie. Allerdings müsste man sich erst Gedanken darüber machen, wie das schwächelnde Geschäft in der Nebensaison von November bis April belebt werden kann. In dieser Zeit sei die Auslastung sehr schwach.

Aus den Reihen des Gemeinderats mehren sich indessen die Stimmen, die Handlungsbedarf sehen. „Das muss auf die Agenda“, fordert Alexander Weinhart („Mehr bewegen“). Er plädiert dafür, Anreize für einen potenziellen Investor zu schaffen. Dies könnten beispielsweise attraktive Konditionen für ein passendes Grundstück sein. Der Linie ihrer SPD treu bleibt Elisabeth Hoechner: Sie hält die Idee eines Tagungshotels neben dem KTM für interessant. Murnau hätte ihrer Meinung nach gute Chancen, sich am Markt zu behaupten. Denn: „Die Leute fahren gerne dorthin, wo es schön ist.“ Welf Probst (Freie Wähler) ist von solch einem Konzept nicht überzeugt. Denn: „Wir müssen neues Klientel nach Murnau bringen“, sagt der Volksvertreter – und schlägt ein Familienhotel im Ortszentrum vor. Das Geschäft mit Konferenzen, Schulungen & Co. könne man ja dennoch mitnehmen.

Andreas Seiler

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