Das Interesse ist groß, die Befürchtungen auch: Vor allem Kritiker des Projekts sind in die Wetzstoa-Stubn gekommen. Sie haben Angst, dass Borkenkäfer die Privatwälder befallen, sollten diese im Nationalpark nicht gezielt bekämpft werden. Zudem fürchten sie die Folgen einer eingeschränkten Jagderlaubnis. Fotos (3): bromberger

Nationalpark Ammergebirge - eine Idee, die Angst verbreitet

Unterammergau - Soviele Besucher hat die Wetzstoa-Stubn in Unterammergau schon lange nicht mehr gesehen: 190 Interessierte kamen am Mittwochabend zu einem Infoabend über einen Nationalpark Ammergebirge.

Mit seinen schönen Aufnahmen aus dem Naturschutzgebiet Ammergebirge wollte Dr. Hans Ehrhardt aus Halblech auf die außergewöhnliche Arten- und Pflanzenvielfalt hinweisen. Und daraus die Notwendigkeit eines 230 Hektar großen Nationalparks ableiten. Die Bilder kamen bei den Zuhörern tatsächlich gut an. Viele lobten die Aufnahmen - um eben diese als Argument gegen das Projekt zu verwenden. „Die Fotos zeigen es: Es ist wunderschön bei uns“, sagte etwa Anton Burkart. „Warum brauchen wir dann einen Nationalpark?“ Damit stellte der Landwirt die Frage, die an diesem gut dreistündigen Infoabend der Freien Wählergemeinschaft „Für Unterammergaus Zukunft“ (FUZ) fast inflationär oft wiederholt wurde.

Referent und Hauptinitiator Ehrhardt lieferte an diesem Abend natürlich reichlich Pro-Argumente. So habe eine Untersuchung der Uni Würzburg beispielsweise ergeben: Der Nationalpark Bayerischer Wald wirke als Job-Motor. Außerdem gebe es Zuwächse im touristischen Bereich. Und: Tafeln und Ranger würden die Spaziergänger, Wanderer, Bergsteiger und Biker lenken und informieren, damit sie sich in den „außergewöhnlichen Bergmischwäldern“ richtig verhalten.

Josef Leismüller von der Privatwaldgemeinschaft Unterammergau beantwortete die Frage nach dem „Warum“ ganz anders: „Wir brauchen den Nationalpark nicht. Wir brauchen auch sicher nicht noch mehr Bergtourismus.“ Thomas Strauß war zu einem ähnlichen Schluss gekommen: „Wir ham schon genug Naturschutz bei uns.“

Tatsächlich ist das Ammergebirge das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Bayerns. Insgesamt stehen 60 Prozent der Flächen im Landkreis unter Schutz. Was die einen als herausragend bezeichnen, empfinden andere als Last. „Wir sind eingeschlossen von Schutzgebieten und wissen jetzt schon gar nicht mehr, was wir machen dürfen“, so Herbert Köpf aus Oberammergau in der Diskussion, die von Ludwig Hutter souverän moderiert wurde.

In einem Nationalpark wäre das klar geregelt: In der sogenannten Kernzone - sie muss laut Bundesnaturschutzgesetz mindestens 51 Prozent der Gesamtfläche umfassen - sind Jagd, Borkenkäferbekämpfung und forstwirtschaftliche Nutzung verboten. Im Gegensatz zur übrigen Pflegezone im Park (dort gelten die Verbote nicht), gilt: Natur Natur sein lassen. Genau dieser Grundsatz ruft die Kritiker auf den Plan. Zwar umfasst das angedachte Gebiet des Nationalparks von Füssen bis Garmisch-Partenkirchen fast ausschließlich Staatswald, doch sie fürchten Auswirkungen auf ihre privaten Wälder.

„Wir als Nachbarn haben Angst vor möglichen Schäden. Und die konnte bislang niemand ausräumen“, sagte Klaus Solleder. Daran änderte auch Manuela Schädles Appell nichts: „Wir könnten das Ganze doch auch als Chance sehen und nicht nur als Gefahr.“ Die Furcht vor dem Borkenkäfer scheint übermächtig. „Wollen Sie Schilder aufstellen: ,Halt, bitte nicht weiterfliegen‘?“, fragte Burkart den Biologen Ehrhardt ironisch.

Katharina Bromberger

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