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Perle der Natur: Der Eibsee in Grainau würde in das Areal des Nationalparks fallen. 

Spessart, Steigerwald und Rhön werden als Favoriten gehandelt

Nationalpark-Gegner atmen auf

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Da zieht man doch tatsächlich den Norden dem Süden vor. Das, was den Oberbayern normalerweise stören würde, kommt vielen diesmal ganz recht. Denn der Nationalpark Ammergebirge scheint im Gegensatz zur Rhön, dem Spessart und Steigerwald auf dem Abstellgleis gelandet zu sein.

Landkreis – „Gott sei Dank“ platzt es aus ihm heraus. Aus Josef Glatz spricht die pure Erleichterung. Eine ganze Felswand ist dem Garmisch-Partenkirchner CSU-Kreisrat, bekennender Gegner eines Nationalparks, vom Herzen gefallen, als er von den Entwicklungen bei der Suche nach einem dritten Standort in Bayern erfuhr. Denn wie die Anhörung im Landtag vor Kurzem zeigte, gehört das Ammergebirge offensichtlich nicht mehr zu den heißen Kandidaten.

Völlig zu Recht, wenn es nach dem Kommunalpolitiker geht, der im Umweltausschuss des Kreistags sitzt. Ein Nationalpark in heimischen Gefilden sei nicht realistisch. Aus vielen Gründen. Allen voran wegen der Einschränkungen für Almbauern und Waldbesitzer, die ein Nationalpark-Status mit sich bringt. „In der Kernzone ist eine Nutzung nicht mehr machbar“, nennt Glatz nur ein Beispiel. In einem Gebiet, das ohnehin mit Auflagen übersät ist. Selbst der Bau der neuen Eibsee-Seilbahn wäre eine Farce. Denn eine Errichtung oder Reparaturen sind in einem Nationalpark verboten.

Ohne näher auf die Einzelheiten einzugehen, stuft Glatz das Ammergebirge als „uninteressant“ ein. „Einen Hochgebirgswald gibt’s in Berchtesgaden.“ Ein Nationalpark Rhön zum Beispiel punktet bei ihm mehr, weil er alternativer wäre. Dort existieren andere Lebensräume und Bäume, merkt der Kreisrat an. „Das hätte unserer nicht, deshalb scheidet er schon aus.“

Seine Meinung teilen in der Region viele. Die Ablehnung überwiegt. Selbst von oberster Stelle, in persona Landrat Anton Speer (Freie Wähler), wird gegen die Idee gekämpft. „Wir werden einen Nationalpark mit allen Mitteln verhindern“, betonte er vergangene Woche gegenüber dieser Zeitung. In Sicherheit wiegt er die Region trotz der aktuellen Tendenzen noch nicht. Zu schnell könnte sich das Blatt wenden, falls sich die Pläne in Nordbayern zerschlagen. Mit Vorsicht genießt deshalb auch Nikolaus Grasegger, dass die Ammergauer Alpen momentan in den Hintergrund rücken. Der stellvertretende Bezirksalmbauer aus Grainau traut dem Frieden nicht. „Es kann sich in der Politik viel ändern.“ Dennoch hat er die Nachricht mit Freude aufgenommen. „Das kommt mir entgegen.“

Kein Bedarf an einer Landkreis-Abstimmung

Wie Glatz betrachtet er einen Nationalpark, der ein 23 000 Hektar großes Areal von Füssen bis Garmisch-Partenkirchen umfassen würde, als „Ding der Unmöglichkeit“. Dem kann Alois Kramer, Chef der Krüner Weidegenossen und Bauernobmann, nur zustimmen. „So wie es ist, passt’s. Wir brauchen nichts Zusätzliches.“ Zu viele Gefahren würde ein Nationalpark in sich bergen. Zum Beispiel das Problem Borkenkäfer, das sich ihm zufolge schon deshalb verstärkt, weil die Sommer immer wärmer werden. Es brauche die Forstwirtschaft, um die Situation zu regeln.

Ein Sinneswandel bei den Gegner ist nicht zu erwarten. „Wir machen nie mit“, sagt Glatz. Auch von einer landkreisweiten Abstimmung, die Landrat Speer ins Spiel brachte, hält er nichts. Die betroffenen Gemeinden haben sich bereits positioniert – und zwar dagegen. „Warum sollten Mittenwald oder Murnau darüber abstimmen?“. Orte, die nicht davon tangiert sind. Kramer sieht ebenfalls keine Notwendigkeit für ein Landkreis-Votum. Die Initiative, ein solches zu veranlassen, würde er ohnehin eher von den Nationalpark-Befürwortern erwarten. Weil sie damit zeigen könnten, dass es auch Pro-Tendenzen gibt. Eine Mehrheit, da ist er sich aber sicher, werden sie nicht bekommen. Im Ostallgäu wollen die Gegner nun sogar einen Verein „Unser Ammergebirge“ gründen. Die Versammlung findet am 29. März, in Schwangau statt. Ziel soll sein, kulturlandschaftliche Interessen und einen sinnvollen Naturschutz zu vertreten.

Naturpark-Pläne in fortgeschrittenem Stadium

Gerade die Ammertaler Gemeinden müssten ihre Pläne für einen Naturpark über den Haufen werfen, wenn ein Nationalpark käme. Dabei hat man bereits einige Hürden genommen. Die überarbeitete Version des Pflege- und Entwicklungsplans wurde wieder in München eingereicht. Er ist nach Auskunft der Regierung in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium, heißt es in einer Mitteilung des Landtagsabgeordneten Harald Kühn (CSU). Der Ex-Landrat erkundigte sich bei Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) nach dem Sachstand. Demnach sollen bis zur Entscheidung, die voraussichtlich im Laufe des Jahres fällt, noch verschiedene Stellen angehört werden. In einem zweiten Schritt wird sich der oberste Naturschutzbeirat mit der Angelegenheit befassen. In diesem Fall sehnt sich auch der Landrat nach einem positiven Abschluss.

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