Eine Fläche von 380 Quadratkilometer würde dieser Plan eines künftigen Nationalparks Ammergebirge umfassen.

Nationalpark Ammergebirge: Politischer Streit um eine Idee

Garmisch-Partenkirchen - Zwei Nationalparks gibt es in Bayern - einen im Bayerischen Wald (1970 eingerichtet), den zweiten im Berchtesgadener Land (1978). Kommt irgendwann ein dritter - im Ammergebirge - dazu?

Noch ist es wohl nicht mehr als ein Denkanstoß, doch schon droht ein politischer Streit darüber zu entbrennen. Als „Schnaps-Idee“ und „massiven Einschnitt in die Alm- und Forstwirtschaft“ bewertet Florian Streibl aus Oberammergau, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, Bestrebungen, irgendwann in den nächsten Jahren einen Nationalpark Ammergebirge zu installieren. Für Streibl ist eine weitere Belastung und Reglementierung der heimischen Landwirte und Waldbauern nicht mehr hinnehmbar.

Nun melden sich die Grünen zu Wort und zeigen sich „befremdet“ über die Reaktion des Freien Wählers und dessen strikte Ablehnung einer Diskussion über die Zukunft des Ammergebirges. Die schwäbische Bezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Christine Kamm aus Augsburg kontert die Einstellung des Oberammergauers: „Denkverbote nutzen Niemand“.

Vielmehr vertritt Kamm die Meinung, dass ein Nationalpark die Almwirtschaft keineswegs einschränken würde: „Das Beispiel des Nationalparks Berchtesgadener Land zeigt, dass dort die Almwirtschaft in den letzten Jahren sogar zugenommen hat“. Weiter gibt die Grüne zu bedenken, dass das angedachte Kerngebiet fast ausschließlich aus Staatsforsten und österreichischen Bundesforsten bestehe. Dies bestätigt auch deren Mitarbeiter des Grünen-Regionalbüros, Simon Pflanz: „Über 90 Prozent sind Staatswald. Private Waldbesitzer sind so gut wie gar nicht betroffen.“

Ergänzend stellt Pflanz fest, dass es sich bisher bei dem ganzen Projekt nur um eine Idee handle, ein konkreter Antrag stünde nicht im Raum: „Wir wollen einfach ergebnisoffen eine Diskussion darüber entfachen, wie sich diese einmalige Bergregion zwischen Füssen und Garmisch-Partenkirchen auch touristisch in Zukunft weiterentwickeln soll.“ Ein Nationalpark sei aber auf jeden Fall eine Option, die man gut und eingehend prüfen solle.

Genau dies wollen die Grünen tun, bei einer dreitägigen Wanderung vom 9. bis 11. September, die von Füssen nach Linderhof führt. Dabei soll nach den Worten der Landtagsabgeordneten Kamm die derzeitige Situation, auch die der Forstwirtschaft, sowie das Für und Wider einer Nationalpark-Ausweisung diskutiert werden: „Es gilt, das Ammergebirge als Gebiet mit einzigartiger Schönheit und großer ökologischer Bedeutung für die Zukunft zu erhalten.“ Im übrigen möchte ihr Mitarbeiter Simon Pflanz nicht ausschließen, dass man nach der Wanderung im September „das Projekt konkreter verfolgt“.

Ludwig Hutter

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