Organisation in der Kritik

Naturpark Ammergauer Alpen: Darum ging‘s im Kreisausschuss rund

Eigentlich ging es um eine Beteiligung des Landkreises am Naturpark-Verein. Dessen Vorsitzender Arno Nunn durfte sich im Kreisausschuss einiges anhören. Es ging um Glaubwürdigkeit.

Landkreis – Als Bürgermeister von Oberammergau ist es Arno Nunn (parteifrei) gewöhnt, dass in Sitzungen ein rauer Ton herrscht, es zu Streit kommt. Anders war es für ihn auch nicht, als er dem Kreisausschuss einen Besuch abgestattet hat. Als Vorsitzender des neuen Trägervereins Naturpark Ammergauer Alpen warb er im Gremium zusammen mit Tourismus-Chef Florian Hoffrohne um einen Beitritt des Landkreises. Und damit um finanzielle Unterstützung. Die Vorberatung für die endgültige Entscheidung im Kreistag entwickelte sich aber überraschend zu einem Schlagabtausch.

Wer erwartet hat, dass Nunn Glückwünsche bekommt – schließlich haben verschiedene Interessensgruppen im Ammertal gemeinsam den Naturpark aus der Taufe gehoben –, der irrte. Zwar schaffte es der Vorsitzende, ein wenig zur Entwicklung zu sagen. Demnach ging es zunächst um ein „touristisches Prädikat“. Doch für Nunn steht dies nicht mehr an erster Stelle. „Wir haben gelernt: Es geht um die Landschaft, die wir haben.“

Genau deshalb ärgert Tessy Lödermann (Grünen) ein für sie sehr wichtiger Punkt: Bei dem Naturpark-Projekt „ist kein Vertreter des Naturschutzes eingebunden“. Diese Komponente sei vollkommen außer Acht gelassen worden. Niemand, der Fachwissen für entsprechende ökologische Zusammenhänge habe, vertrete dieses Thema.

Ein Fehler im System, den auch Rolf Beuting (ÖDP) kritisierte. Er sieht eine „Glaubwürdigkeitslücke“. Die Naturpark-Verantwortlichen werden „ihren Ansprüchen nicht gerecht“. Beuting fragte, wie das wohl von außen wahrgenommen wird. Womöglich als „Etiquetten-Schwindel“.

Nunn räumte ein, dass der Naturschutz nicht im Vorstand des neuen Vereins vertreten ist. Und auch auf dem Weg zur Gründung kein Verband involviert war. „Da hat sich eine eigene Dynamik entwickelt“, rechtfertigte er sich. Die Naturpark-Idee sei zunächst ein „zartes Pflänzchen“ gewesen. Als sich abgezeichnet hat, dass sie wachsen kann – also dass alle Beteiligten wie Gemeinden, Forst, Jäger und Landwirtschaft auf einen gemeinsamen Nenner kommen – haben man den Kreis nicht noch aufmachen wollen.

„Man hat den Naturschutz bewusst herausgehalten“, fasste Lödermann zusammen. „So ehrlich kann man jetzt doch sein.“ Zugleich bezeichnete sie die Vorgehensweise als „unangemessen“.

Ihre Worte brachten Nikolaus Onnich, der als Landwirtschafts-Vertreter beim Naturpark mitgewirkt hat, auf die Palme. Der Bad Kohlgruber, der Ehrenkreisobmann des Bauernverbands ist, polterte, dass es ohne seine Zustimmung den Naturpark nicht geben würde. Mit Alfred Ringler habe man sehr wohl einen anerkannten Naturschützer mit im Boot gehabt. Die Kritik regte Onnich dermaßen auf, dass er letztlich sogar gegen eine Beteiligung des Landkreises stimmte. „Das schaffen wir auch ohne Euch“, sagte er in Richtung Lödermann.

Bis auf Beuting stimmte das restliche Gremium dafür, dass der Landkreis dem Trägerverein beitreten sollte. Alles andere wäre „sehr ungewöhnlich“, betonte auch Peter Strohwasser von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt.

Im Beschlussvorschlag hatte die Behörde die finanzielle Beteiligung auf 25 000 Euro deckeln wollen. Auf Drängen der CSU-Fraktion wurde der Beschluss dahingehend erweitert, dass der Kreis aufgeschlossen für weitere Naturpark-Projekte bleibt. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn das Karwendel Naturpark wird“, sagte Landrat Anton Speer (Freie Wähler) zu Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Das letzte Wort zum Kreis-Beitritt zum Trägerverein Naturpark Ammergauer Alpen hat der Kreistag. Das Gremium kommt am Freitag, 15. Dezember, zusammen.

Rubriklistenbild: © Ammergauer Alpen

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