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Mittenwald lässt ihn nicht los: Cyril Whistler auf Spurensuche.

Reiseproviant für Hitlers Helfer

Nazischatz in Mittenwald: Die Spurensuche geht weiter

Mittenwald - Cyril Whistler lässt nicht locker: Der Niederländer war  wieder in Mittenwald, um das Geheimnis von Martin Bormanns verschlüsselter Botschaft zu lösen. Im Rathaus hält sich die Begeisterung dafür  in Grenzen.

Im März dieses Jahres trat Cyril Whistler mit seinen Recherchen an die Öffentlichkeit. Er glaubt felsenfest daran, dass Martin Bormann (1900 bis 1945), der berüchtigte Sekretär des Führers, in Gottfried Federleins „Marsch-Impromptu“ eine versteckte Botschaft platziert hat, die zu einem Schatz nach Mittenwald führt. „Ich weiß auf alle Fälle, dass der Standort stimmt“, betont der Niederländer. Deshalb suchte er gestern ein weiteres Mal Bürgermeister Adolf Hornsteiner im Rathaus auf.

Doch das Gespräch ist nicht so verlaufen, wie es sich der Geigenbauer vorgestellt hat. Amtsleiter Hermann Baier, der ebenfalls an dem Treffen teilnahm, möchte über den Inhalt der Unterhaltung nichts verraten. Nur soviel: „Wenn Herr Whistler die Sache aufklären will, dann muss er sich mit dem Grundstückseigentümer in Verbindung setzen.“ Und das ist der Bund. Der ominöse Schatz soll sich nämlich auf dem weitläufigen Gelände der ehemaligen Bundeswehr-Standortverwaltung befinden. „Ob da tatsächlich was drin ist, kann ich erst beweisen, wenn ich gegraben habe“, meint Whistler, der bis heute auf eine Antwort aus dem Verteidigungsministerium wartet.

Lange brütete er über dem geheimnisvollen Notenblatt, auf dem sich angeblich konkrete Anweisungen von Bormann befinden, die allesamt auf Mittenwald hindeuten. Sätze wie „Wo Matthias die Saiten streichelt“, „Edelweiß über Schwarzwald“ oder „Predigtstuhl Kreuz und Kranz“ bestärken ihn in seiner Theorie. Nachdem er alle Hinweise durch Linien verbindet, kommt er auf das StoV-Gelände – „13 Meter von einem Prellbock entfernt“. Tatsächlich zweigte 1945 ein Strang von der Eisenbahnlinie Richtung Standortverwaltung ab. Alles Indizien, glaubt Whistler, die seine Annahme bestätigen. Jetzt will er Gewissheit, stößt bislang aber auf Skepsis und Zurückhaltung.

Er versucht umso mehr, die letzten Kriegstage in Erinnerung zu rufen. Als Bormann im April 1945 merkte, dass der Krieg verloren ist, soll er einem Untergebenen auf dem Obersalzberg die Order gegeben haben, handliche Schätze in ein sicheres Versteck zu bringen – eben nach Mittenwald. Einem befreundeten Pfarrer soll er die verschlüsselte Partitur gegeben haben, um nicht mit dem brisanten Blatt bei seiner Flucht aus Berlin geschnappt zu werden.

Whistler glaubt, der bis 1972 verschollene Bormann wollte sich zu seiner Frau nach Meran absetzen und auf dem Weg dorthin in Mittenwald den versteckten „Reiseproviant“ mitnehmen – vermutlich Diamanten oder sonstige Edelsteine, die man gut und schnell in die Taschen stecken konnte. Doch soweit kam es nicht. Hitlers Scherge starb Anfang Mai 1945 auf seiner Flucht aus dem Führerbunker. Jahre später tauchte die Schatzkarte in den Niederlanden auf. Mehr den je glaubt Cyril Whistler: Die Spur führt nach Mittenwald.

Christof Schnürer

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