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Viele finden den Tod an der Echelsbacher Brücke.

Neubau der Echelsbacher Brücke

Mehr Schutz gegen Suizid

Bad Bayersoien - Am Montag hat es wieder einer getan: Viele Selbstmörder fanden beim Sprung von der Echelsbacher Brücke  schon den Tod. Bei der Neukonstruktion sollen sie es schwerer haben.

Die Bergwacht Bad Kohlgrub musste am Montag wieder ausrücken – zur Echelsbacher Brücke. Ein verzweifelter Mensch hatte sich von dort am hellichten Tag in die Ammerschlucht gestürzt. Doch die Totenbergung im Flussbett geht an die Substanz. „Da macht man sich schon seine Gedanken“, meint Bereitschaftsleiter Florian Womser. Er selbst war beim jüngsten Einsatz vor vier Tagen dabei. Er sah, wie der Leichensack 75 Meter hoch zur Brücke befördert wurde. „Da reden wir nachher natürlich darüber.“ Denn solche Schicksale lassen auch hartgesottene Bergwacht-Kameraden nicht kalt.

Womsers Wunsch ist daher nur verständlich: So selten wie möglich zur Echelsbacher Brücke ausrücken. Doch den 100-prozentigen Suizid-Schutz dort gibt es nicht. Das betont Dr. Hermann Streicher vom Staatlichen Bauamt Weilheim. Diese Behörde koordiniert im Verbund mit den Anrainer-Kommunen Bad Bayersoien und Rottenbuch den geplanten Neubau der Brücke.

Dieser liegt zwar noch in weiter Ferne – erst 2018 soll mit der Realisierung einer Behelfskonstruktion begonnen werden –, aber die Planungen laufen auf Hochtouren. Beispielsweise bei den Berliner Architekten Kolb & Ripke, die gemeinsam mit dem Kemptener Büro Dr. Schütz Ingenieure und den Marzlinger Landschaftsplanern Narr-Rist-Türk vor einigen Monaten den Zuschlag für die Realisierung der neuen Echelsbacher Brücke erhalten haben.

Erst am Dienstag reiste Thomas Kolb wieder in den Pfaffenwinkel, um mit den Bürgermeistern Gisela Kieweg (Bad Bayersoien) und Markus Bader (Rottenbuch) das weitere Vorgehen zu besprechen. Nicht zuletzt wegen des aktuellen Freitods wenige Stunden zuvor nahm der Punkt Suizid-Sicherheit natürlich breiten Raum ein. „Das ist ein Thema, ein sehr wichtiges Thema“, verdeutlicht der Experte aus Berlin. Mehr möchte er mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht mitteilen.

Da wird Streicher konkreter. „Es wird eine Spezialkonstruktion geben.“ Dabei soll es sich nicht um eine Voll-Vergitterung wie beispielsweise auf der Plattform des New Yorker Empire-State-Buildings handeln. „Das wäre ja wie im Gefängnis“, verdeutlicht Rathauschefin Kieweg. Schließlich solle sich die künftige 183 Meter lange Trasse über die Ammerschlucht auch gut ins Landschaftsbild einfügen.

Und genau darin liege die Kunst, ergänzt Streicher: Nämlich zum einen eine in allen Belangen sichere Brücke zu bauen, die zum anderen auch ästhetischen Ansprüchen in sensibler Natur genügt. Da spricht Streicher dem Rottenbucher Bürgermeister Markus Bader aus dem Herzen. Gerade beim Suizid-Schutz „sind wir stark dahinter“. Ohne ins Detail zu gehen, wie dieser ausschauen soll, verrät Bader: Selbstmörder müssten bei der neuen Brücke mit einer Bogen-Spannweite von 130 Metern „schon sehr viel Energie aufwenden“, um ihren Vorsatz auch in die Tat umzusetzen.

Konkreter wollen die Verantwortlichen in dieser Angelegenheit in gut sechs Wochen werden. Das zumindest stellt Bürgermeisterin Kieweg in Aussicht. Über das Thema Suizid-Schutz an dem wichtigen, weil im Grunde einzigen Verbindungspunkt der beiden Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen wurde zuletzt 2011 vehement diskutiert. Hintergrund war ein Brief eines Hinterbliebenen, der sich 2011 bei den damaligen Bürgermeistern Josef Taffertshofer (Wildsteig) und Andreas Keller (Rottenbuch) über fehlende Sensibilität beklagt hatte. Für teuren Fledermaus-Schutz an der Brücke sei Geld da, aber für Absperrungen nicht.

Das aktuelle, abgeschrägte Geländer, das 2001 nachgerüstet wurde, ist zwar effektiver als das alte, eine wirkliche Barriere für Lebensmüde ist es jedoch noch lange nicht. Seit Eröffnung der Brücke 1929 zählte man bis 1999 schon 85 Tote. In den zurückliegenden 16 Jahren sollen nochmals mindestens 35 dazugekommen sein. Absolute Horrorzahlen findet Kieweg. Das neue Geländer werde „wesentlich höher und sicherer“, verspricht sie. Ihr Kollege aus Rottenbuch wiederum gibt preis, dass die Behelfsbrücke „fast komplett“ eingehaust werde.

Christof Schnürer

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