Staunen manchmal selbst über ihr Haus: Stefanie und Boris Alexy.

Neubau in Bad Kohlgrub: Traumhaus oder gar ein "Schandfleck"?

Bad Kohlgrub - Wie muss oder wie darf in einer oberbayerischen Gemeinde ein Haus aussehen? Um diese Frage dreht sich derzeit in Bad Kohlgrub eine hitzige Diskussion.

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Bad Kohlgrub scheint dafür ein besonderes Faible zu haben. Schlugen vor geraumer Zeit die Wellen hoch im Dorf bei einem knallgelb gestrichenen Haus - was auch Christoph Süß in seiner BR-Sendung „quer“ zum Thema machte - so erregt jetzt die Optik eines weiteren Wohnhauses die Gemüter. Es steht im Neubaugebiet „Im Lindachtal“, entstanden als Einheimischenmodell, und gehört Stefanie und Boris Alexy, die aus Kochel hierher gezogen sind und jetzt gebaut haben. Für viele Einheimische ist das entstandene Wohngebäude schlichtweg das „greisligste Haus von Bad Kohlgrub“.

Unverputzte, massive Mauern aus Beton (einen halben Meter dick), Glasbänder an den Seiten und an den Giebeln, das Dach schindelgedeckt und mit Solarkollektoren. An der Optik des Gebäudes scheiden sich die Geister. „Ein hässlicher Betonkasten, der nicht in diese Landschaft passt“, „Ein Schandfleck“ empören sich manche Bürger. Anderen gefällt diese „mutige, moderne Bauweise“ durchaus.

Vier Jahre hat das Ehepaar - Boris stammt aus Niederbayern, Stefanie aus Rheinland-Pfalz - intensiv ihr neues „Traumhaus“ geplant.

Vier Jahre hat das Ehepaar - Boris stammt aus Niederbayern, Stefanie aus Rheinland-Pfalz - intensiv ihr neues „Traumhaus“ geplant. Bis zum Aushub im September vergangenen Jahres musste auf Verlangen des Gemeinderates mehrmals umgeplant werden, ehe es von Seiten der Lokalpolitiker grünes Licht gab. „Wir mussten einiges an Spott und Gelächter über uns ergehen lassen, es war ein langer Kampf“, erinnern sich die Bauherren. Unterstützung fand das Paar in Kreisbaumeister Christoph Schreyer vom Landratsamt. Stefanie Alexy (35): „Er war von unseren Ideen angetan und hat uns nach Kräften unterstützt“.

Blick ins lichtdurchflutete Schlafzimmer: Auch hier ist Sichtbeton ein prägendes Element.

Immer wieder kommt es vor, dass Autos langsam am neuen Haus der Biotechnikerin und des Realschullehrers (30) vorbeifahren und das Objekt ihrer Begierde betrachten: „Manche steigen aus, gestikulieren wild. Andere klingeln sogar bei uns, und fragen, ob sie das Haus von innen sehen dürfen. Es gibt auch viele positive Stimmen“, weiß die 35-Jährige zu erzählen. Mit den negativen, ablehnenden Kommentaren müsste man leben. Andererseits, so Stefanie, sei in Bad Kohlgrub auch keine klare Linie zu erkennen, was die Bauweise anbeträfe.

Jedenfalls hat inzwischen das Haus der Alexys soviel öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen, dass sich auch das Bayerische Fernsehen dafür interessiert: In der Sendung „Traumhäuser“ - Untertitel „Ein Haus am Berg“ - wird das Objekt am Sonntag um 15 Uhr im III. Programm eine halbe Stunde lang vorgestellt. Sabine Reeh von der BR-Redaktion Kultur spricht von einem trefflichen Beitrag dieser Reihe: „Wir wollen mit unserer Sendung in Bayern eine baupolitische Debatte anregen, denn neben dem alpenländischen Einheitsstil muss es auch noch etwas anderes geben. Wie hier in der Region manche Hotels ausgestattet sind, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Jugend ausbleibt.“

Bei allen Widerständen: Stefanie und Boris Alexy bereuen bislang keine Sekunde, sich hier in Bad Kohlgrub in herrlicher Lage ihren Traum vom perfekten Haus verwirklicht zu haben: „Wir hoffen, dass sich das Thema langsam beruhigt. Wir wollen uns integrieren und die Chance bekommen, mit dem Ort zu verwachsen.“

Ludwig Hutter

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