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Kurz vor der Fertigstellung: die neue Seehauser Bahnunterführung. 

Bauwerk kostet 3,85 Millionen Euro

Neue Bahnunterführung in Seehausen: Ein teurer Meilenstein

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Es ist ein wuchtiges Bauwerk geworden, die langersehnte Bahnunterführung in Seehausen. Die Verkehrsfreigabe ist für Ende Oktober geplant. Ein Wermutstropfen bleibt: Der Anteil der Gemeinde an dem 3,85-Millionen-Euro-Projekt reißt ein tiefes Loch in die Kasse.

Seehausen – Eigentlich wird die Einweihung eines Bauwerks feierlich begangen – mit Musik, Ansprachen und einem Band zum Durchschneiden. Doch in Corona-Zeiten ist alles anders. Bestes Beispiel: Die neue Bahnunterführung an der Römerstraße in Seehausen, die jetzt so gut wie fertig ist. Zur offiziellen Verkehrsfreigabe am 29. Oktober wird es wohl nur, wie Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) berichtet, eine Abnahme geben – und ein Protokoll für die Gemeinde, die künftig für den Unterhalt der Anlage zuständig ist. Möglicherweise hole man aber die Feier nächstes Jahr nach, fügt der Rathauschef hinzu.

Die Unterführung ist ein riesiger Gewinn für das Staffelsee-Dorf. Weil sie die beiden Ortsteile Seehausen und Riedhausen miteinander verbindet und in dem Bereich die längst überfällige verkehrssichere Querung der Bahnlinie schafft. Hörmann spricht von einem „Meilenstein“. Über Jahrzehnte bemühte sich die Kommune um dieses Projekt, das eine Alternative zur Hauptunterführung am Murnauer Bahnhof darstellt. Seit 2006 gab es eine konkrete Planung. Als die Bagger anrollten, war es 2019. Vergangenes Jahr im Sommer wurde die Brücke eingeschoben – eine aufwändige Aktion (wir berichteten). Da zusätzlich Wasser- und Stromleitungen verlegt werden mussten, verzögerten sich die Arbeiten etwas.

Bislang befand sich in dem neuralgischen Bereich lediglich ein kleiner Behelfsübergang – alles andere als ideal, erst recht nicht für Schüler, Senioren und Gehbehinderte. „Das war nicht mehr zumutbar“, findet Hörmann. Entstanden ist nun eine gewaltige Anlage mit Rampen, die für Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Radfahrer einen barrierefreien Durchgang bieten. Manch einer witzelt angesichts der üppigen Dimensionen bereits, Seehausen habe eine neue S-Bahn-Haltestelle bekommen. Das Ganze hat freilich seinen Preis: Die Kosten belaufen sich auf stolze 3,85 Millionen Euro. Diese teilen sich jeweils zu einem Drittel der Bund, die Bahn und die Gemeinde Seehausen.

„Das belastet unseren Haushalt sehr stark“, sagt Hörmann. Denn Seehausen, einst in Sachen Finanzen der Musterschüler unter den Landkreis-Kommunen, bekommt heuer die Auswirkungen der Corona-Krise knüppeldick zu spüren. Die Einnahmen aus der wichtigen Gewerbesteuer brachen um fast 70 Prozent ein. Der Grund: In dem Ort sind vor allem Branchen angesiedelt, die besonders stark unter der Pandemie leiden: Gastronomie, Dienstleistungen und Vermietung. Der bereits beschlossene Nachtragshaushalt sieht daher eine Kreditaufnahme vor, um über die Runden zu kommen. Hörmann hofft auf Finanzspritzen von oben – auf weitere staatliche Zuschüsse für das Großprojekt Bahnunterführung und auf Corona-Ausgleichszahlungen.

Frei von Kritik ist die neue Unterführung übrigens nicht. Der Fahrgastverband Pro Bahn sprach vergangenes Jahr von einem „Schildbürgerstreich“, da man sich damit die Verlegung eines zweiten Gleises auf der Strecke verbaue. Die Deutsche Bahn ist anderer Meinung: Bislang sehe der Bundesverkehrswegeplan eine solche Erweiterung nicht vor, erklärt ein Sprecher. Und weiter: „Falls ein entsprechender politischer Auftrag vorliegt, könnte problemlos eine zweite Brücke neben die vorhandene gebaut werden.“

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