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Die FIS-Schneise der Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen.

Neue Runde im Poker um die Pisten

Garmisch-Partenkirchen - Im Olympia-Krach bemüht sich die Staatsregierung um Entspannung. Ein Minister-Brief soll wichtige Grundbesitzer überzeugen: keine Enteignungen, großzügige Miet-Angebote. Das Klima aber bleibt belastet.

Noch immer sind wichtige Flächen in Garmisch-Partenkirchen nicht gesichert. Die Staatsregierung geht nun nochmal auf die Grundbesitzer zu. Nach Informationen unserer Zeitung schrieb Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) fünf Eigentümer an und bemühte sich um versöhnliche Töne. Schriftlich bestätigte er, es werde für Olympia keine Enteignung und keinen Übergang von Eigentum geben.

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Garmisch-Partenkirchen beantragt Enteignung für Kandahar-Grundstück

Die fünf Eigentümer haben Flächen vor allem am Rand der Sportarenen, wo Tribünen, Zugänge oder Gastronomiebereiche entstehen sollen. Das auch für die Ski-WM 2011 strittige Grundstück direkt auf der Kandahar-Abfahrt ist nicht dabei. Von Oktober 2017 bis Ende April 2018 brauchen die Olympia-Bewerber eine temporäre Nutzung. 1,50 Euro pro Quadratmeter (hochgerechnet auf ein Jahr) bietet Schneider an. „Das ist ein faires Angebot, das können wir aber auch aus Gründen der Gleichbehandlung nicht erhöhen“, sagte er unserer Zeitung.

Was die Regierung zusichert

Die Staatsregierung sichert den Besitzern im Brief zu, die Flächen in ihrem ursprünglichen Zustand zurückzugeben. Wo Schäden auftreten – etwa, wenn eine Wiese in Folgejahren schlechter wächst – gebe es Ausgleichszahlungen. Das sei mit Sicherheiten, einer Bürgschaft und durch das Olympia-Gesetz hinterlegt, sagt Schneider. Die Grundbesitzer erreicht er nur über den umstrittenen Münchner Anwalt Ludwig Seitz, bietet aber „persönliche Gespräche“ an.

Seitz vertritt 59 Eigentümer aus der Marktgemeinde, die sich hartnäckig weigern, ihr Land für Olympia zur Verfügung zu stellen. In einem Schreiben an Staatskanzlei-Chef Schneider hatte er gefordert, die Bewerbung umgehend einzustellen. Ansonsten würden sich seine Mandanten direkt an das internationale Olympische Komitee wenden. Strittig ist noch, wieviele Grundstücke tatsächlich für die Winterspiele benötigt würden. Kenner gehen davon aus, dass es nur die fünf sind, die nun wiederum von Schneider Post erhalten haben. Unter Zeitdruck bis zur Abgabe der Bewerbungs-Details im Januar oder dem Auftritt der Olympia-Inspektoren Anfang März sieht Schneider sich dabei nicht. Man werde bei der Olympia-Bewerbung klar machen, dass noch nicht alle Flächen restlos gesichert seien, man aber stets Ausweichmöglichkeiten habe.

Seitz hingegen mag der Staatsregierung nicht glauben. Er verweist auf das Kandahar-Grundstück eines seiner Mandanten (übrigens einst hoher Funktionär des Skiclubs), wo die Gemeinde jüngst eine „vorzeitige Besitzeinweisung“ für die Ski-WM 2011 beantragt hatte. „Das wird auch Auswirkungen auf die Olympia-Bewerbung haben“, sagt er. Das sei der Gegenbeweis zu den Beteuerungen, dass es für Sportveranstaltungen wie Olympia keine Enteignungen geben werde. „Das Grundstück meines Mandanten wird auch für Olympia gebraucht.“ Mit diesem Vorgehen werde die Solidarität der Bevölkerung zu den Grundstücksbesitzern weiter steigen.

Von Christian Deutschländer und Alexander Schwer

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