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Es geht „Aufs Land!“: Das Titelbild stammt vom Fotopionier Heinrich Kühn (Kühns Kinder und Miss Mary im Grünen, Autochrome, nach 1907).

Schloßmuseum Murnau

Öffentlicher Blick in ein privates Landhaus

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Murnau - Er genießt den Schutz der Anonymität – und gibt doch Privates preis. Ein Kunstsammler zeigt der Öffentlichkeit seine Schätze, die sonst ein Landhaus in der Umgebung von Murnau schmücken. Ab 17. März präsentiert das Schloßmuseum eine Auswahl in der neuen Sonderausstellung „Aufs Land!“.

Als Schloßmuseums-Chefin pflegt Dr. Sandra Uhrig viele Kontakte zu Sammlern – und erhält Einblicke in ehemalige Landhäuser: Villen und schmucke Immobilien, die sich reiche Bürger und der Adel seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Oberbayern haben bauen lassen – vorzugsweise im Isartal, am Starnberger See, am Tegernsee sowie am Staffelsee. Murnau prägte vor allem der Architekt Emanuel von Seidl. Mit ihm und dem Ausbau der Bahnlinie München-Garmisch 1879 nahm die Landhausbewegung in Murnau an Fahrt auf; Seidl zeichnete für zahlreiche Villenneubauten verantwortlich – darunter sein eigenes herrschaftliches Anwesen mit riesiger Parkanlage. Die Bewohner begannen jeweils zu sammeln, statteten ihre Räume mit Kunstgegenständen aus.

Uhrig findet es heute „faszinierend zu sehen, wie Familien mit diesem Schatz umgehen“. Daraus entstand die Idee für die neue Sonderausstellung im Schloßmuseum „Aufs Land! – Landhausbilder von Kobell bis Richter“, die passend zur Saison von 17. März bis 26. Juni läuft. Die Schau widmet sich mit vielfältigen Motiven dem Phänomen der Landhausbewegung und der Sammlertätigkeit, die damit einherging. Das Gros der rund 100 Exponate – Gemälde und Graphiken unter anderem von Wilhelm von Kobell, Gabriele Münter, Erich Heckel und Gerhard Richter, aber auch reizvolle Fotografien, ein altes Gästebuch oder Blickfänge wie ein Hirschgeweih und ein ausgestopfter Raubvogel zwischen zwei Baselitz-Werken – entstammt einer Privatsammlung aus der Umgebung von Murnau, die drei Generationen zusammengetragen haben. Jede tritt mit ihrem eigenen Geschmack in Erscheinung. Daraus entsteht ein ganz besonderer Reiz: Völlig unterschiedliche Stile und Vorlieben treffen aufeinander – von Landschafts- und Genrebildern ab dem 18. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Malerei und Fotografie des 21. Jahrhunderts. Da finden sich die klassischen Motive Landleben, Jagd, Pferde und Tiere sowie Idylle und Almszenen ebenso wie eine düstere Landschaftsfiktion der Zürcher Künstlerin Ruth Blesi („Imagineered Sculpture“) oder Polarium, eine Arbeit von Stephan Huber: Hellblau illuminiert er eine alte Fotografie hinter Glas, die auf einen Eisberg steigende Männer zeigt; das breite Panoramaformat vermittelt unendliche Weite. Dazu kommen Badezimmerfliesen aus Seidls erstem Bauprojekt in Murnau, der 1970 abgebrochenen Villa Mayr-Graz. Karl Mayr-Graz hat sie selbst bemalt: mit charakteristischen Ortsansichten, seinem Landhaus und dem Garten, Motiven der Umgebung oder bedeutenden Gebäuden wie St. Nikolaus.

Die Ausstellung verrät viel: „Man kann sehen, wie sich eine private Kunstsammlung aufbaut“, sagt Uhrig. Vor allem ermöglicht die Schau dem Besucher, mitten im Museum einen neugierigen Blick auf den Wandschmuck eines privaten Landhauses zu werfen. Zumal man mitunter sogar die teilweise ungewöhnliche Anordnung der Werke vom Sammler übernommen hat, der im Schutz der Anonymität bleibt und seine Kunst einmal an leeren Wänden wirken lassen kann. Bereits das Konzept bedingt das Außergewöhnliche dieser Ausstellung. „Wenn jemand nur Impressionisten sammelt“, erklärt Uhrig, „ist das anders, als wenn jemand für sein Haus sammelt.“

Dies, auch das verrät diese Präsentation, kann ein sehr weites Feld sein.

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