Freitags-Ritual: Stammkunde Jörg Jeblonski (l.) kauft nach seinem Nachtdienst stets auf dem Markt ein, zum Beispiel bei Marcus Hasselbacher. fotos: schäfer

Neue Wochenmarkt-Satzung sorgt für Ärger

Garmisch-Partenkirchen - Händler sammeln Unterschriften gegen verkürzte Verkaufszeiten.

Es ist Freitag, 7 Uhr morgens in Garmisch. In der Fußgängerzone herrscht bereits reges Treiben: Es ist Markttag. Vor allem die Leute, die zur Arbeit eilen, Gästehaus-Betreiber oder einfach nur Frühaufsteher und Hausfrauen sind es, die sich bereits vor den regulären Geschäftszeiten mit Frischem versorgen, dabei die besonderen regionalen Angebote und das Wissen um Produktherkunft schätzen. Szenen, die es bald nicht mehr geben soll. Nach Willen der Marktgemeinde wird künftig erst ab 8 Uhr bedient.

Die neue Wochenmarktsatzung tritt am 1. September gemeinsam mit einer neuen Wochenmarkt-Gebührensatzung in Kraft, beides wurde Ende Juli vom Gemeinderat beschlossen. Damit sind die Verkaufszeiten von 8 bis 13 Uhr eingegrenzt. Aufgebaut werden darf erst ab 7 Uhr.

Besonders letzteres bereitet den Händlern Sorge. „In einer Stunde ist das keinesfalls zu schaffen“, sagt Hermann Bucher aus Ravensburg. Er kommt seit 30 Jahren mit seinem Bodensee-Obststand auf dem Garmischer Markt und hat sich bereits ans Ordnungsamt gewandt. Gleiches hat sein Kollege vom Stand gegenüber, Wolfgang Schweikart, vor. „Die vorgegebenen Zeiten sind gegen uns, denn gerade vor 8 Uhr haben ich meist schon 20 Kunden bedient.“

Um diese Zeit ist es zum Beispiel für Nachtportier Jörg Jeblonski eine liebgewordene Gewohnheit geworden, auf den Weg nach Hause frische Eier beim Kaltenberger Stand und nebenan Gemüse mitzunehmen. Elisabeth Ostler kommt seit 20 Jahren von der Stepbergalm herunter: „Ich schätze es, in aller Herrgottsfrühe einkaufen zu können, später wäre es mir nicht möglich“. Rentner Horst Adler nutzt aus, „dass noch nicht so ein großes Gedränge herrscht.“

Seit 25 Jahren ist die Familie von Obst- und Gemüsehändler Markus Völkel aus dem Allgäu unter den Firanten - mittlerweile aber mit gemischten Gefühlen. „Garmisch ist mein schönster, inzwischen teuerster Wochenmarkt“, sagt Völker, der auch nach Kempten und Füssen fährt. Schließlich soll er jetzt mehr für weniger Zeit zahlen: Statt 2,50 jetzt 4,50 Euro in Garmisch, 3,50 Euro in Partenkirchen pro Frontmeter Verkaufsfläche. Das ärgert ihn aber nicht so sehr wie die Tatsache, dass er den Kunden künftig ab 13 Uhr nichts mehr verkaufen kann. „Da kommen doch erst die Touristen. Soll ich die wegschicken?“

Auch Elisabeth Lechner, Direktvermarkter für Wurst- und Fleischwaren, Anita Mai vom Backwarenstand, Fischhändler Raitzsch und Familie Berndorfer vom Honig- und Bernhard Kaiser mit seinem Eierstand beschweren sich über die neuen Auflagen. Sie verstehen einfach nicht, warum mit ihnen nicht im Vorfeld geredet worden ist.

Hannes Eitzenberger, der derzeit Rathaussprecher Florian Nöbauer vertritt, wundert sich über die Aufregung: „Die alte Markt- und Gebührenordnung war von 1981. Da stand noch der Preis von fünf D-Mark drin, und es fehlte vieles. Eine neue war längst überfällig.“ Heinz Teidtscheid vom Ordnungsamt betont, dass die Marktzeiten von 8 bis 13 Uhr nicht neu sind. „Sie standen zwar nicht in der früheren Satzung, aber jeder war mit seinem Genehmigungsbescheid darüber informiert.“ Außerdem könnten die Händler Sonderwünsche schriftlich beantragen.

Generell seien die Verantwortlichen im Rathaus aber froh über die beiden Wochenmärkte mit ihren 29 Ständen in Garmisch und 14 in Partenkirchen.

Eitzenberger zufolge wollen sie sich „um einen kundenfreundlichen Vollzug, vor allem hinsichtlich des Beginns“ bemühen. Sprich: Es wird wohl nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Darauf wollen sich die Firanten allerdings nicht verlassen und haben für ihre Kunden Unterschriftenlisten ausgelegt, die sie im Rathaus abgeben wollen. Um Toleranz einzufordern.

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