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Hängepartie: Zwischen den beiden Hauptaktionären der Karwendelbahn steht’s nicht zum Besten.

Neuer Ärger 

Karwendelbahn: Gemeinde verschärft Gangart

Mittenwald - Das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den Hauptaktionären der Karwendelbahn – der Konsortium AG und der Gemeinde – ist endgültig zerrüttet. Jetzt haben sich die alarmierten Mittenwalder Volksvertreter sogar juristischen Beistand genommen.

„Ja, ich mache mir wirklich große Sorgen.“ Selten hat man den Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) während eines Pressegesprächs im Rathaus angespannter erlebt. Die ungewisse Zukunft der Karwendelbahn, ausgelöst durch einen für ihn unberechenbaren „Partner“, ist ihm mächtig auf den Magen geschlagen. Mehr denn je weiß der Rathauschef: Die Bürger erwarten von ihm eine Lösung, damit die Bahn weiter touristischer Anziehungspunkt bleibt.

Wie desaströs inzwischen das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den beiden Hauptpartnern der Aktiengesellschaft, der Konsortium AG (rund 46 Prozent der Aktien) und der Marktgemeinde (rund 32 Prozent), ist, beweist die jüngste politische Entscheidung. Vor wenigen Tagen trommelte der Bürgermeister den Gemeinderat zu einer wohlweislich nichtöffentlichen Sitzung zusammen. Das Thema: natürlich die Karwendelbahn.

Das Gremium traf dabei zwei wichtige Entscheidungen. So lehnte es das Angebot, das Wertpapier-Paket der Heidenheimer Reich-Gruppe, die hinter der Konsortium AG steckt, zu übernehmen, einstimmig ab – aus nachvollziehbarem Grund: „Der Kaufpreis wäre exorbitant hoch gewesen“, verdeutlicht Hornsteiner, „ohne dass der Gemeinde irgendwelche Sicherheiten gegeben worden wären.“ Auf konkrete Summen möchte der Bürgermeister nicht eingehen. Doch bei einem aktuellen Stückpreis von 50 bis 60 Euro pro Aktie geistert immer wieder die Zahl 150 Euro durch Mittenwald. Was Hornsteiner aus Verschwiegenheitsgründen natürlich nicht kommentiert. Er bestätigt lediglich, dass seit der Vorstellung des Jahresabschlusses 2013/2014 anlässlich der bisher letzten Hauptversammlung (welche aufgrund eines Ladungsmangels nichtig war) die Karwendelbahn-Chefs keine Geschäftszahlen mehr vorgelegt haben. Niemand im Rathaus wisse daher, wie gut oder schlecht es um das Unternehmen bestellt ist. Gleichwohl hat der Markt gegenüber der Konsortium AG ein erneutes Kaufangebot zu einem aus Sicht der Gemeinde fairen Preis vorgelegt. In diesem Zusammenhang appelliert Hornsteiner an die Solidarität aller Kleinaktionäre, zukünftigen Angeboten zum Ankauf von Aktien seitens der Konsortium AG nicht näher zu treten.

Einer, der die Kauf-Offerte konkretisieren könnte, wäre Wolfgang R. (36) aus Heidenheim. Ein ehemaliger, ganz passabler Degenfechter, der sich in der Vergangenheit ein Geflecht an Firmenbeteiligungen geschaffen hat. Auf schriftliche Anfragen des Tagblatts reagiert der Baden-Württemberger schon lange nicht mehr. Auch im konkreten Fall nicht.

2012 schluckte er die Augsburger Konsortium AG, die Hauptaktionärin der Karwendelbahn. Seitdem weht in dem kleinen Unternehmen ein anderer, ein rauher Wind. Für die ehemalige Geschäftsführerin Sabine Mann und den Technikchef (der namentlich nicht genannt werden will) ein regelrechter Orkan. Zumindest von letzterem trennte sich Vorstand Reich kürzlich aus eher fragwürdigen Gründen. Dem bislang zuverlässigen Betriebsleiter soll angeblich ein Gondelunfall aus dem Jahr 2008 angelastet werden. Dem Markt Mittenwald sind die Hintergründe dem Vernehmen nach nicht bekannt.

Fragen wirft auch die Causa Stefan Sellmaier auf. Der zieht Mitte April vors Arbeitsgericht. Der Betriebsrat hat vor geraumer Zeit von seinem Arbeitgeber eine Abmahnung erhalten – angeblich soll er ohne Rücksprache Dienstkleidung bestellt haben. Auch hierzu keine Antworten aus der Chefetage.

Womit wir beim zweiten – ebenfalls einhelligen – Beschluss des Gemeinderats wären. Der Markt holt sich in Person des Münchner Anwalts Kai König juristischen Beistand. Ein erster Ausfluss dieser Zusammenarbeit: Die Gemeinde forderte von der 6. Großen Wirtschaftskammer des Landgerichts Stuttgart ein brisantes Urteil vom 17. Mai 2013 an, das gegen Wolfgang R. verhängt, vom Bundesgerichtshof bestätigt wurde und seit 27. Februar 2014 rechtskräftig ist. In dem vierseitigen Papier, das dem Tagblatt vorliegt, steht explizit: „Der Angeklagte wird wegen unrichtiger Darstellung, falscher Angaben in 7 Fällen und verbotener Marktmanipulation in 22 Fällen zu der Gesamtfreiheitsstrafe von 1 Jahr 6 Monaten verurteilt.“ Die Vollstreckung werde zur Bewährung ausgesetzt. Versehen ist das Ganze mit dem Stempel „rechtskräftig“.

Jetzt also haben es Bürgermeister Hornsteiner und der Gemeinderat schwarz auf weiß: Ihr Karwendelbahn-Partner R. ist vorbestraft. Und als solcher darf er laut Aktiengesetz (Paragraph 76, Absatz 3) kein Vorstand einer Aktiengesellschaft sein – so auch die Quintessenz eines aufsehenerregenden Artikels in der Heidenheimer Zeitung („Im Reich der Manipulation“; 30. Januar 2016), der nunmehr auch das Räderwerk in Mittenwald in Gang setzte. „Herr Reich weiß, dass er nicht Vorstand einer AG sein darf“, betont Hornsteiner, „er macht es aber trotzdem und lässt die Organe in Unkenntnis.“ Für den Bürgermeister liegt der Fall auf der Hand: „Sämtliche Vorgänge sind seit der Rechtskräftigkeit des Urteils rechtswidrig.“ Mehr noch: „Wir lassen derzeit prüfen, ob sich Herr Reich strafbar gemacht hat.“

Starker Tobak und eine Kampfansage Richtung Heidenheim. Dort sitzt übrigens auch ein gewisser Gerhard P.. Dieser Jurist ist insofern interessant, weil er bei dem Prozess vor dem Landgericht einer von drei Verteidigern Reichs war. Demnach sollte P. sowohl über das Urteil als auch über dessen Konsequenz Bescheid wissen. Was auch sein Kollege König unterstreicht: „Diese Vorschrift kennt man.“ Umso verwunderlicher ist es für den Rechtsbeistand der Gemeinde, dass P., der nun auch noch im Aufsichtsrat der Karwendelbahn sitzt, seinem Kompagnon Reich nicht empfohlen hat, seinen Posten zu räumen. Warum er das augenscheinlich nicht getan hat, bleibt sein Geheimnis. Eine schriftliche Anfrage des Tagblatts an seine Kanzlei blieb bis heute unbeantwortet.

Ein bisschen Bewegung scheint bei den Verantwortlichen der Karwendelbahn nun aber schon reingekommen zu sein. Schaut man neuerdings auf deren Internetseite findet der aufmerksame Leser plötzlich im Impressum eine gewisse Aniko Köpf unter dem Passus „Vertreten durch den Vorstand“. Ein Name ist jedoch dort bis heute nicht verschwunden: der von Wolfgang R..

Christof Schnürer

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