Neuer Hüttenwart auf der Stuibenhütte

Garmisch-Partenkirchen - Die Stuibenhütte im Wetterstein hat einen neuen Hüttenwart: Jochen Lingott übernimmt die Nachfolge von Hans Bader. Ab diesem Wochenende ist die Hütte geöffnet.

Sein Leben hat Jochen Lingott getaugt. Er war zufrieden so, wie es gelaufen ist: Er hatte genug Zeit fürs Bergsteigen und als selbstständiger Veranstaltungstechniker war er gut im Geschäft. Es hat gepasst. Und trotzdem ändert er eben dieses Leben jetzt radikal, zumindest versuchsweise für diesen Winter: Lingott ist der neue Hüttenwart auf der Stuibenhütte, die ab diesem Wochenende geöffnet ist. Was ihn erwartet, weiß er nicht genau. Es interessiert ihn auch nicht. „Ich bin gerne spontan“, sagt der 37-Jährige. Und: „Ich bin gut im Improvisieren.“ Beides wird er gebrauchen können.

Alles hat sich zufällig ergeben. Als feststand, dass der langjährige Hüttenwart Hans Bader nicht weitermacht, hat die Sektion Garmisch-Partenkirchen einen Nachfolger gesucht. Und als Skitourengeher, Kletterer und Bergsteiger kennt man sich eben im Ort. Freunde haben Lingott in der Boulderhalle angesprochen, ob das nichts für ihn wäre. „Bis dahin hatte ich mir keine Gedanken darüber gemacht.“ Lange hat er auch dann nicht nachgedacht - und zugesagt. „Da hab’ ich jetzt richtig Lust drauf.“

Seit vergangener Woche ist er nicht mehr im Tal, wo er in Partenkirchen eine Wohnung hat. Die wird er in diesem Winter wohl nicht oft besuchen. Offiziell ist mit der Sektion vereinbart, dass der Hüttenwart einmal pro Woche nach Garmisch-Partenkirchen fahren kann, um Einkäufe zu erledigen oder Wäsche zu waschen. Ob Lingott das so regelmäßig in Anspruch nimmt - „ich glaub’s eher nicht“.

Zu seinen Aufgaben auf der Stuibenhütte gehört, diese sauber und warm zu halten. Auch das Essen, das Tourengeher mitbringen, bereitet er zu. Ob er kochen kann? „Nach diesem Winter schon“, sagt er und lacht. Nein, er werde schon was Gutes zusammenbringen. Er hat vor allem ein Ziel: „Die Leute sollen sich wohl fühlen.“ Schnickschnack wird es nicht geben. „Die Hütte soll ein einfacher und ruhiger Platz sein.“ Darum nimmt er auch gleich eine erste Amtshandlung vor: ein Handy-Verboten-Schild aufhängen. „Es muss ja niemand mit dauerndem Gepiepse gestört werden.“

Die Ruhe - das ist es, was Lingott an den Bergen liebt. Für diese ist der Bayreuther vor elf Jahren nach Garmisch-Partenkirchen gekommen. „Dort oben bin ich einfach saugern - weg von diesem ganzen Zivilisations-Wahnsinn.“ Ein bisschen gehört auch Weihnachten für ihn dazu. Darum macht es ihm nichts aus, dass er auf der Hütte ist. Für Gäste würde er ein paar Kerzen aufstellen. Doch auch alleine zu sein, macht ihm nichts aus. Lingott freut sich auf Zeit zum Insichgehen. „Ich glaube, dass man sich dann mal Zeit nimmt für Dinge, die wichtig wären - im Alltag aber untergehen.“ Er ist selbst gespannt, was beim Nachdenken herauskommt.

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