Erlebnis Moor: Biologe Dr. Helmut Hermann (rechts) erklärt Franziska Schields und Sebastian Erle den Aussichtspunkt, der in Bad Bayersoien eigens für das neue Natur-Projekt gebaut wurde. fotos: baar

Neuer Lehrpfad durch das Moorgebiet

Bad Bayersoien - Das europäische Förderprogramm Leader macht's möglich: Die Gemeinde Bad Bayersoien konnte durch die Zuschüsse ihren Moorlehrpfad eröffnen. An drei Infostationen wird die Entstehung des seltenen Ökosystems erklärt.

Der Landkreis hat sich gerade erst für die Teilnahme am europäischen Leader-Förderprogramm beworben, eine Entscheidung wird im Frühjahr 2015 erwartet. Doch Bad Bayersoien bedient sich schon jetzt kräftig an den gut gefüllten Brüsseler Geldtöpfen. Die landkreisübergreifende Mitgliedschaft im benachbarten Tourismusverband Pfaffenwinkel und in der Lokalen Aktionsgruppe Auerbergland-Pfaffenwinkel macht dies möglich. Profitiert hat die Kommune davon bei der Installation eines Moorlehrpfads. Gestern wurde er offiziell eröffnet.

Laut Bürgermeisterin Gisela Kieweg (parteifrei) gab es 50 Prozent Zuschuss zu den Gesamtkosten in Höhe von rund 7000 Euro für die „Kleine Moor-Runde“. Sie führt den Besucher am östlichen Rand des Soier Sees zu drei Infostationen. Dort wird auf Tafeln die Entstehung und Bedeutung des hochsensiblen, seltenen Ökosystems erklärt. Mitinitiiert und geplant wurde das Ganze von Sebastian Erle, für den Bau sorgte der Burschenverein.

Bad Bayersoien rühmt sich seiner Hochmoore - deren Torf dient in begrenztem Abbau nicht nur dem Kurbetrieb, die Flächen sind auch eine Touristenattraktion. Ethelbert Babl vom Landwirtschaftsamt Kempten, das für die Fördermittel zuständig ist, rühmte denn auch den Naturschatz: „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für den Kurort. Wenn man noch Hochmoore hat, ist es etwas Besonderes.“ Der Weg soll aber nicht nur den Besuchern kurzweilige Unterhaltung bieten. Der Biologe Dr. Helmut Hermann will angesichts der Zerstörungen großer Moor-Flächen vielmehr Nachhaltigkeit haben: „Er soll ein Bewusstsein schaffen für die Perlen der Natur.“ Hermann, der die Texte zu den Schildern lieferte, schwärmte vom „Ökosystem als Dienstleistungsträger“. Hochmoore seien wichtig für Klima-, Hochwasser-, und Artenschutz - „aber eben auch für den Tourismus“. Die Rathauschefin zumindest ist optimistisch, dass das Ziel erreicht wird. „Man sieht das Moor ganz anders“, sagte Kieweg erfreut.

Die Soier Moor-Runde ist Teil des großangelegten neuen Wanderwegekonzepts, dass der Tourismusverband Pfaffenwinkel im Landkreis Weilheim-Schongau aufgelegt hat. Soien ist als einzige Gemeinde im Landkreis Garmisch-Partenkirchen dabei. Für Geschäftsführerin Susanne Lengger passt der Infoweg „ideal da rein, denn wir wollen ortstypische Themen haben“.

Die Teilnahme am Förder-Programm lohnt sich: Laut Leader-Manager Babl investieren die Gemeinden in die neuen Wanderrouten 600 000 Euro, etwa 300 000 Euro gibt es an Zuschüssen. Doch es floss noch mehr Geld. Seit 2010 ist die Aktionsgruppe Auerbergland-Pfaffenwinkel, die am Landratsamt Weilheim-Schongau angesiedelt ist, in der Förderphase dabei. In der Zeit wurden nach Angaben von Mitarbeiterin Kirsten Hosse um die fünf Millionen Euro in rund 40 soziale, kulturelle und touristische Projekte gesteckt - satte 2,3 Millionen Euro schoss Leader dazu. Derzeit läuft die Bewerbung für die neue Phase. Selbst wenn auch die Zugspitzregion aufgenommen wird, bleiben die Soier dem Nachbarlandkreis treu. Dies hatte kürzlich der Gemeinderat beschlossen. Das EU-Geld können sie gut gebrauchen - schließlich ist als Ergänzung zum Moorpfad ein Panoramasteg in den See geplant.

Andreas Baar

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