+
Eines der wenigen Angebote im Landkreis: das Marie-Mattfeld-Haus (früher Hänsel-und-Gretel-Heim) in Oberammergau. Dieses wird vom Stadtjugendamt München betrieben. 

Geeignete Immobilie dringend gesucht

Neues Kinderheim in Mittenwald geplant

  • schließen

Mittenwald - Es ist ein ehrgeiziges Ziel: In Mittenwald soll ein heilpädagogisches Kinderheim für Buben und Mädchen aus dem Landkreis entstehen. Doch dem Plan steht noch ein Problem im Weg: Eine geeignete Immobilie fehlt bislang.

Sie kennt einige davon, diese Fälle, in denen sich Kinder und Eltern voneinander trennen müssen. Dann, wenn problematische Familiensituationen vorherrschen, die kein gesundes oder unbeeinträchtiges Aufwachsen der Buben und Mädchen ermöglichen. Christiane Hertkorn kennt aber auch viele der Einrichtungen, in denen die Kleinen schließlich ein „normales“ Leben führen. Eine solche soll bald in Mittenwald entstehen. Der Name für die heilpädagogische Wohngruppe für Kinder und Jugendliche steht, das Konzept auch. Nur etwas Existenzielles fehlt noch zur Realisierung des „Mauganests“: das geeignete Gebäude.

Wird Heimleiterin des "Mauganests": Christiane Hertkorn. 

Seit September 2015 verfolgt die 54-Jährige im Sinne der Stiftung ihrer Eltern gemeinsam mit Familienmitgliedern und ein paar Befürwortern aus Mittenwald das Vorhaben mit Nachdruck. Zahlreiche positive Gespräche mit dem Bezirk Oberbayern, der Marktgemeinde und dem Jugendamt hat sie hinter sich. Vor allem letzteres bekräftigte die Psychologin für Erwachsene in ihrer Vision. Der Bedarf sei nach Auskunft des Jugendamtes im Landkreis vorhanden, verdeutlicht Hertkorn. Denn das Angebot ist rar. Das Hänsel & Gretel-Heim in Oberammergau (Betreiber Stadtjugendamt München), die Kinder- und Jugendwohngruppe Tusculum in Garmisch-Partenkirchen (Privatbetreiber) sowie das Jugendhaus (Caritas), das aber ausschließlich unbegleitete jugendliche Flüchtlinge beheimatet, sind die einzigen Häuser dieser Art. Heißt für viele Eltern: Um ihre Kinder zu besuchen, müssen sie zum Beispiel nach Kempten oder an den Ammersee fahren. „Das ist für manche entweder unmöglich oder eine Weltreise“, betont Hertkorn, die im Landkreis als Sachverständige für Familienrecht arbeitet. Diese Situation wollen die privaten Initiatoren und der Förderverein „in.puncto ZUKUNFT“, für den am 8. April die Gründungsversammlung anberaumt wurde, ändern. „Das ist ein Angebot für Landkreisfamilien.“

Kinderheim für neun Buben und Mädchen

Der Plan sieht vor, neun Kinder und Jugendliche ab dem dritten Lebensjahr bis zu einem Alter von zwölf Jahren aufzunehmen. Gedacht ist auch, drei bis Flüchtlingskinder unterzubringen, um ihnen gute Voraussetzungen für Integration in ihrem neuen Lebensumfeld zu ermöglichen. „Für die Belegung ist das Jugendamt zuständig“, erklärt Hertkorn, die seit 2003 in Mittenwald wohnt. Alle sollen unter einem Dach von einem konstanten Team rund um die Uhr versorgt werden. Kooperationen bestehen mit der Kinderklinik, dem SOS-Beratungszentrum und dem Sozialpädiatrischen Zentrum in Garmisch-Partenkirchen sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie Klinik Hochried in Murnau. Die psychologische Arbeit vor Ort übernimmt Hertkorn gleich selbst, eine Erzieherin aus Mittenwald sitzt auch schon mit im Boot. Doch es braucht mehr Personal. „Wir haben großes Interesse, Mitarbeiter zu finden“, sagt die 54-Jährige, die die Heimleitung übernimmt.

Suche nach Gebäude stellt sich als schwierig heraus

Es ist aber nicht ausschließlich die Suche nach Fachkräften, die sich gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise als schwierig herausstellt. Seit einem halben Jahr hält Hertkorn die Augen nach einer Immobilie offen. „Daran scheitert die Umsetzung derzeit“, sagt sie schon fast ein bisschen verzweifelt. Ihr zufolge wäre ein ungenutztes Gästehaus ideal. Denn jedes Kind soll sein eigenes kleines Reich bekommen. Dazu wird ein Büro- und Betreuer-Raum benötigt. Heißt: Das Gebäude müsste über mindestens 15 Zimmer verfügen – eine zentrumsnahe Lage wäre von Vorteil. „Man muss drauf achten, dass die Anbindung an die Schule, die Vereine und das gesellschaftliche Leben gegeben ist“, sagt Hertkorn.

Mittlerweile versucht die Psychologin sogar, einen Investor aufzutreiben. Ihr zufolge gab es bereits einen Interessenten, doch die Gespräche verliefen im Sand. Als riskante Investition sieht sie das für einen möglichen Kandidaten nicht. „Das wäre eine Geldanlage.“ Obendrein ist das Kinderheim, das vom Bezirk Oberbayern finanziert wird, auf ein langfristiges Bestehen ausgerichtet. Selbst mit Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) hat sie Kontakt aufgenommen. Der will das Projekt im Gemeinderat vorstellen, wenn alles fix ist. „Die Gemeinde hilft“, sagt Hertkorn voller Verständnis, „sich engagieren kann sie aber nicht.“

Falls sich das Problem bald in Luft auflöst und eine Immobilie zur Verfügung steht, könnte alles relativ schnell gehen. Nutzungsänderung beantragen, das Haus an die Vorschriften wie die Brandschutzvorgaben anpassen und es von der Regierung von Oberbayern absegnen lassen. Alles hängt von den Prüfungen der Behörden ab. „Perfekt wäre“, sagt Hertkorn, „wenn wir zum Schuljahresbeginn öffnen könnten.“ Das ist aber noch Zukunftsmusik, solange das Kinderheim „Mauganest“ noch obdachlos ist.


Projekt "Akademie der Kinder":

In dem Kinderheim „Das Mauganest“ in Mittenwald soll das vom Förderverein „in.puncto ZUKUNFT“ geplante Projekt „Akademie der Kinder“ umgesetzt werden. Dieses sieht seine Aufgabe darin, Lern- und Kulturprojekte zu entwickeln und zu realisieren, die das Lernverhalten, die persönliche Entwicklung und die soziale Kompetenz unterstützen.

Ein Ziel ist außerdem, die Integration und interkulturelle Begegnung von Kindern aus der heilpädagogischen Einrichtung in Mittenwald und aus dem Umland zu fördern. Dafür sind Angebote wie Theater-, Film- und Hörspiel- sowie Musik- oder Kunstworkshops geplant. Zusätzlich soll es eine vierwöchige Akademie in den Sommerferien geben, bei der derartige Kurse wöchentlich im Kinderheim stattfinden. Vorgesehen ist ebenfalls, während der Woche gemeinsam zu kochen und zu essen sowie die Freizeit zusammen zu verbringen. Darüber hinaus soll ganzjährig ein Samstag im Monat als Projekttag gestaltet werden. Hierfür kommen neben Angeboten aus dem kulturellen Bereich auch Veranstaltungen wie Entspannungsmethoden (Yoga und Meditation) sowie Außenaktivitäten wie Klettern, Wandern, Skifahren mit Unterstützung örtlicher Bergführer oder Biken in Frage. Die Kinder und Jugendlichen können genau so gut eine heiminterne Band oder eine Heimzeitung ins Leben rufen. Die Kosten für die Angebote trägt der Förderverein.

Wer helfen möchte,

kann Christiane Hertkorn in der Psychologischen Praxis Hertkorn am Dekan-Karl-Platz 1 bis 3 erreichen oder sie per Mail (mail@praxis-hertkorn.de) kontaktieren.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Betrunkener Isartaler haut vor Streife ab
Und doch erwischt: Ein alkoholisierter Motorradfahrer hat versucht, eine Streife abzuhängen. Dann stürzte er aber.
Betrunkener Isartaler haut vor Streife ab
TSV Mittenwald feiert 125-Jähriges
Im Alter kommen in der Regel die ersten Gebrechen. Nicht so beim TSV Mittenwald. Der Verein hat 125 Jahre im Kreuz – und steht immer noch da wie eine Eins.
TSV Mittenwald feiert 125-Jähriges
Neureuther und Gössner verraten: So erziehen wir unser Kind
Am 14. Oktober kam die erste Tochter der Ski-Asse Felix Neureuther und Miriam Gössner zur Welt. Nun spricht der 33-Jährige über die Erziehung der kleinen Mathilda - und …
Neureuther und Gössner verraten: So erziehen wir unser Kind
Kirchenböbl: Wallgaus vergessener Laden
Die Diskussionen über den Kirchenböbl ebben in Wallgau nicht ab. Egal, welches Zukunftsmodell erörert wird. Ein Name fällt dabei nie: Schuwerk. Diese eingesessene …
Kirchenböbl: Wallgaus vergessener Laden

Kommentare