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Flüchtlinge im Landkreis

Neues Leben im alten Ettaler Gesindehaus

Ettal - Seit drei Wochen läuft der Betrieb im neuen Jugendheim in Ettal. Vorerst ist es hauptsächlich eine Flüchtlingsunterkunft. Aber das muss nicht so bleiben. 

Außen sieht alles noch sehr nach Baustelle aus: Gerüste, Abdeckplanen, Kieshaufen und fleißige Arbeiter. Wer das alte Gesindehaus in Ettal betritt, findet sich aber schnell in einer ganz anderen Welt wieder. In einer freundlichen, hellen Atmosphäre, die ein bisschen an eine Jugendherberge erinnert. Die Minderjährigen, die dort ein Dach über dem Kopf finden, sind aber nicht kurzfristig zu Besuch da. Für sie ist das Heim einige Jahre lang ihr neues Zuhause. Und das nicht nur für Flüchtlinge. „Bei uns wohnt auch ein Deutscher“, erklärt Stefanie Leischer. Sie arbeitet für die Caritas und hat die Leitung des neuen Jugendheims in Ettal inne. Das Zusammenleben funktioniere sehr gut. Und ist auf lange Sicht das Ziel. Solange die Krise nicht ausgestanden ist, werden hauptsächlich junge, unbegleitete Asylbewerber in dem Haus nahe der Schaukäserei leben. Später einmal aber auch immer mehr Jugendliche aus Deutschland. Platz genug ist da, wie Birgit Weiß unterstreicht.

Sie ist im Auftrag der Caritas für die beiden Jugendheime – jenes in Ettal und das St.-Josefs-Haus in Garmisch-Partenkirchen – zuständig. Momentan sind die ersten neun Burschen im Alter zwischen 15 bis 18 Jahren im Erdgeschoss, in die heilpädagogische Gruppe, eingezogen. Sie benötigen besondere Betreuung aufgrunddessen, was ihnen widerfahren ist. „Traumatisiert ist jeder von ihnen. Der eine mehr, der andere weniger“, beschreibt Weiß die traurigen Tatsachen. Für die Jugendlichen ist rund um die Uhr jemand da. Tagsüber sorgt auch Hauswirtschafterin Marianne Krättli dafür, dass es den Bewohnern gut geht. An ihrer Seite: Ehemann Markus, der sich ehrenamtlich im Haus engagiert. Krättli kocht in der großen Küche, die zugleich Aufenthaltsraum ist. Die Einrichtung ist ein Glücksfall, ein Ausstellungsstück eines Möbelhauses, dessen Preis durch Selbstabbau weiter gedrückt werden konnte.

In der Ettaler Unterkunft wird besonders aufs Geld geschaut. Sie wird nämlich von der Caritas zusammen mit dem Kloster betrieben. Die Patres stellen das Haus zur Verfügung und haben es auf eigene Kosten in den vergangenen Monaten renoviert. „Heizung, neue Fenster, Isolationen: Da kommen schnell mehrere 10 000 Euro zusammen“, sagt Cellerar Pater Johannes Bauer zu dem besonderen Sozialprojekt des Klosters. Eines, das auf lange Sicht angelegt ist. Später können in zwei betreuten Wohngemeinschaften jeweils fünf Jugendliche weitestgehend für sich leben. Dafür wird Weiß zufolge derzeit die Betriebserlaubnis beantragt. Erst einmal gehe es darum, auch in den ersten Stock Leben zu bringen. Auch zur sozialpädagogischen Gruppe werden neun Bewohner zählen. „Wir sind in Kontakt mit München“, sagt die Caritas-Mitarbeiterin. Denn während im Landkreis nun die unbegleiteten Flüchtlinge untergebracht seien, bestehe in der Landeshauptstadt noch großer Bedarf.

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