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Das Siegerbild beim Fotowettbewerb zum Konzept stammt von Thomas Bochmann.

Rathausverwaltung wäre mit Steuerung der Umsetzung zu stark belastet

Neues Radwegenetz: Geld und Koordination als wichtige Säulen

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Garmisch-Partenkirchen - Seit rund eineinhalb Jahren feilen Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Grüne) und sein Team an einem neuen Radwegekonzept für Garmisch-Partenkirchen. Im Hauptausschuss erläuterte der Initiator die Strategien bei der Umsetzung, ehe der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung eine wegweisende Entscheidung treffen soll.

Die Holländer haben’s vorgemacht, den Test gewagt und sind vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen. Ihre Erfahrungen waren in fast allen Belangen besser als sie erwartet hatten. Zumindest sehen so die Ergebnisse einer Umfrage aus. Das perfekte Beispiel für Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Grünen), um für das Radwegekonzept für die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen die Zustimmung von den Mitgliedern des Hauptausschusses zu gewinnen. „Jeder hat den Hemmschuh“, sagte der Gemeinderat. Auch ihm fällt es manchmal schwer, das Rad dem Auto vorzuziehen. Gerade bei Regen. „Aber die Ergebnisse sind gut.“

Der Initiator, der mit seinem Team seit gut eineinhalb Jahren an dem Konzept arbeitet, konzentrierte sich in der Sitzung weniger auf die nötigen Maßnahmen als vielmehr um die strategische Umsetzung des Alltagsradverkehrs, also dem Weg zur Wohnung, der Schule, zu Geschäften oder Ämtern. Ein wichtiger Aspekt dabei: die Finanzierung der Neuerungen im Radverkehr. „Das Budget muss ausreichen“, stellte Thiel klar. „Sonst kann man das Ganze einstampfen.“ Er rechnet mit Gesamtkosten von drei bis fünf Millionen Euro – inklusive Planungskosten und Zuschüssen durch Land, Bund und die EU –, die sich auf 15 Jahre, „seinen Zielhorizont“, verteilen. Geht er bei seiner Kalkulation von fünf Millionen Euro aus, fallen für die Kommune jährlich 300 000 Euro an. Das heißt: Zehn Euro pro Einwohner und Jahr. Laut nationalem Radverkehrsplan bewegen sich die Kosten im Vergleich zu anderen Gemeinden „im unteren Bereich“, machte der Grünen-Politiker deutlich. Angesichts der Dimension der Kosten merkte Thiel beiläufig an, eventuell eine Haushaltsstelle für den Bereich Mobilität zu schaffen.

Thiel schlägt sogenannte Lenkungsgruppe Verkehr vor

Er und sein Team haben sich aber nicht nur Gedanken um die Finanzierung gemacht. Auch darüber, wer die Umsetzung des Konzeptes, in die viele verschiedene Institutionen wie Polizei, Landratsamt oder die Kämmerei involviert sind, koordiniert. Die Rathausverwaltung könne das nicht zusätzlich stemmen, sagte Thiel. „Das würde zur Überforderung führen.“ Vielmehr schwebt ihm die Gründung einer sogenannten Lenkungsgruppe Verkehr vor. Diese würde sämtliche organisatorische Aufgaben übernehmen. Das heißt, deren Vertreter legen die nächsten Schritte fest, beauftragen das Bauamt mit der Ausführung oder sie reichen Vorschläge für einen Haushaltsansatz ein. Doch der Initiator will niemanden mit dieser Empfehlung überrumpeln. „Das wird kein neues Verwaltungsinstrument“, betonte der Grünen-Gemeinderat. Die Lenkungsgruppe, deren Gründungstermin er im Konzept für den Herbst 2016 grob einberaumt hat, soll ihm zufolge nur ein- bis zweimal im Jahr tagen.

Thiel hat den Hauptausschuss überzeugt – mit all seinen Ausführungen. Als nächstes stehen die Vorberatungen im Tourismusausschuss am Donnerstag, 14. Juli, an. Dort geht es aber ausschließlich um den Radtourismus. Es sind die Tage und Wochen der Entscheidung. Denn am Mittwoch, 20. Juli, votiert der Gemeinderat für oder gegen die Umsetzung des Radwegekonzeptes. Bei einem positiven Ausgang soll nicht zu viel Zeit verstreichen, bis erste Veränderungen sichtbar werden. 100 000 Euro hat die Kommune in den Etat für 2016 eingestellt. Priorität haben vor allem die Verbindungsachse Zentrum Partenkirchen/Garmisch samt Rathausplatz, die St. Martinstraße im Bereich der Klamm- und Alpspitzstraße sowie die B2. Nächstes Jahr wird die Rathauskreuzung neu asphaltiert, sagte Thiel. „Da können wir dann gleich mitreden.“ Somit wäre der Verbesserungsmarathon für den Radverkehr dann gestartet.

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