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Nikolaus trotz Corona: Reinhard Klein aus Murnau hat einen Weg gefunden, um Kinder zu besuchen

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Von: Katrin Woitsch

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Reinhard Klein, als Nikolaus verkleidet, und sein Krampus
Unterwegs trotz Corona: Nikolaus Reinhard Klein und sein Krampus haben einen Weg gefunden, die Kinder auch während der Pandemie zu besuchen. © Thomas Sehr

Reinhard Klein hat seit 53 Jahren am 5. und 6. Dezember eine ganze Liste von Terminen. Der 70-Jährige aus Murnau ist einer von Bayerns leidenschaftlichsten Nikoläusen. Auch die Pandemie kann ihn nicht ausbremsen. Jetzt ist eben einfach etwas mehr Kreativität gefragt, sagt er.

Damit in Reinhard Kleins Leben der 5. Dezember ein ganz gewöhnlicher Abend wäre, bräuchte es schon ein bisschen mehr als eine Pandemie. Seit 53 Jahren ist er in Murnau als Nikolaus unterwegs, geht von Haus zu Haus, liest aus seinem goldenen Buch vor und geht erst wieder, wenn er den Kindern eine Freude gemacht hat. Der 70-Jährige lebt dieses Hobby. Und er will dieses Jahr alles daransetzen, dass es für die Kinder einen Nikolausbesuch gibt. „Das geht auch Corona-konform“, sagt er. „Alles nur eine Frage der Kreativität.“

Kreativität hat Klein schon im vergangenen Winter bewiesen. Auch damals hat er Geschenke und Freude von Haus zu Haus getragen – wenn auch in etwas weniger Häuser als gewöhnlich. „Letztes Jahr war die Sache viel schwieriger.“ Es gab noch keine Impfungen, Bayern steckte mitten im Lockdown. Klein ist damals nicht in die Häuser gegangen, sondern hat den Familien seinen Besuch auf der Terrasse oder vor der Haustür abgestattet. Den nötigen Mindestabstand halten die Kinder beim Nikolaus und seinem Begleiter, dem Krampus, meist sowieso von ganz allein ein.

Auch dieses Jahr will Reinhard Klein die Tradition einfach an die frische Luft verlegen. „Viele Familien sind kreativ und bereiten im Garten oder auf der Terrasse etwas für meinen Besuch vor“, erzählt er. Notfalls bleibt er einfach vor der Haustür stehen. Und in sehr großen Häusern, in denen er vier bis fünf Meter Abstand halten kann, ist auch ein klassischer Hausbesuch drin. Nur eins geht nicht, findet Klein: „Ein Nikolaus mit Maske.“ Schon der Bart mache es den Kindern manchmal schwer, ihn richtig zu verstehen, betont er. Der Nikolaus ist dreifach geimpft und sein erster Termin am 5. Dezember wird ein Corona-Test sein. Klein findet, dass mit diesen Vorkehrungen ein bisschen Vorweihnachtszauber erlaubt sein muss. „Kinder müssen gerade auf so vieles verzichten. Der Nikolausbesuch sollte nicht dazugehören.“

Anfangs musste ich noch Zeitungsannoncen aufgeben. Das ist schon lange nicht mehr nötig.

Reinhard Klein

Denn eins war ihm immer wichtig. „Ich will den Kindern keine Angst machen und auch erzieherische Maßnahmen sind keine Nikolaus-Aufgabe.“ Er will auch loben. Und vor allem will er Freude verbreiten. Er hatte einen guten Lehrmeister, erzählt er. Sein Vater war ebenfalls Nikolaus – als Reinhard Klein alt genug war, um das zu durchschauen, nahm ihn sein Vater als Krampus mit. „Und als er irgendwann aufgehört hat, durfte ich sein Kostüm übernehmen.“ 53 Jahre ist das her. Nie ist ein Jahr ausgefallen. Im Gegenteil: Die Arbeit wird immer mehr. „Anfangs habe ich noch Zeitungsannoncen aufgegeben“, erzählt er. Schon lange nicht mehr nötig. Die Anfragen kommen von allein. Auch im zweiten Corona-Jahr.

Er findet es schön, dass man sich um diese alte Tradition offensichtlich keine Sorgen machen muss. Auch wenn nicht mehr ganz so viele Jung-Nikoläuse nachkommen wie früher. Klein hat da einen guten Überblick. Seit fünf Jahren organisiert er ein Nikolaus-Treffen. Begonnen hat es mit acht Nikoläusen, die nach getaner Arbeit am 5. Dezember in einem Murnauer Wirtshaus zusammensaßen. Als er den Kreis erweitert hat, kamen schon 20 Nikoläuse. 2018 waren es fast 100. Auf diese Treffen muss er nun leider erneut verzichten, da hilft alle Kreativität nichts. Aber Reinhard Klein hat die Zeit genutzt, um sich ein neues Ziel zu stecken: nichts Geringeres als einen Weltrekord. Wobei – wer weiß schon, wie viele Nikoläuse einmal gleichzeitig irgendwo zusammengekommen sind. „Meine Marke ist die 100, die würde ich gerne knacken.“

Bis er das angehen kann, stehen an diesem Sonntag und am Montag erst mal einige Hausbesuche an. Und wenn Klein ganz ehrlich ist: Er hat dabei vielleicht sogar noch mehr Freude als die Kinder. Manche haben Lieder oder Gedichte für ihn vorbereitet, andere tauen erst ganz langsam auf. Bis jetzt hat er noch von jedem Kind ein glückliches Lächeln bekommen. Davon zehrt er lange. Deshalb könnte er diese lieb gewonnene Tradition so schnell nicht aufgeben.

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