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Wahrlich keine Zier mehr: Pfarrer Siegbert Schindele (l.) und Kirchenpfleger Franz Neuner begutachten die Feuchtigkeitsschäden im Altarraum von St. Nikolaus.

St. Nikolaus voller Risse und Flecken

Murnau - An der Murnauer Pfarrkirche St. Nikolaus hat der Zahn der Zeit genagt. Risse sind in den Mauern ebenso zu finden wie feuchte Stellen. Bald soll das Gotteshaus renoviert werden.

Als Pfarrer Siegbert Schindele das erste Mal nach Murnau kam, um seine neue Pfarrei anzuschauen, war das erste, was er sich in der Kirche dachte: „Oh mein Gott, das kommt also auf mich zu.“ Mit geschultem Blick waren ihm die Risse und Feuchtstellen im Mauerwerk aufgefallen. Schindele ist ein Mann mit Erfahrung. Kurz nachdem er im Jahr 2000 seinen Dienst in Memmingen angetreten hatte, war er auch dort mit der Renovierung der Kirche und des Pfarrhauses betraut worden.

Rund 40 Jahre lang herrschte in St. Nikolaus nahezu Stillstand mit größeren Arbeiten. Und der Zahn der Zeit hat im Inneren und am Äußeren von St. Nikolaus genagt. „Nicht nur im Bereich des Haupt- und der Seitenaltäre weisen die Mauern viele Feuchtigkeitsschäden auf“, schildert Kirchenpfleger Franz Neuner. „Auch die stark verschmutzte Raumschale muss neu gestrichen werden.“ Außerdem sei die Beleuchtung dringend zu erneuern. „Die Besucher können kaum mehr in ihren Gebetsbücherln lesen.“ An den Außenwänden seien mittlerweile viele Risse und auch Flecken zu sehen. „Da braucht man sich nur den Turm anzuschauen.“

Hat an Glanz verloren: Die Murnauer Pfarrkirche St. Nikolaus wird nun wieder auf Vordermann gebracht.

Ein Problem stellt das Deckengemälde „Jüngstes Gericht“ von Waldemar Kolmsberger (gefertigt 1893 - 95) dar. „Eine Untersuchung im Jahr 2006 hat gezeigt, dass es unter anderem durch Partikel, Feinstaub und Insektenreste sehr stark verunreinigt ist“, erklärt Neuner. Damals schon seien die Restaurierungsarbeiten auf zirka 200 000 Euro geschätzt worden. Deshalb wolle man mit dieser erst einmal abwarten und sehen, ob man nicht mit der neuen Beleuchtung etwas ausrichten könne. „Auch die von Holzwürmern befallenen Altäre sollen nur dann restauriert werden, falls nach all den Arbeiten am Mauerwerk noch Geld übrig ist“, sagt Neuner.

„In den nächsten Wochen werden nun Architekten gesucht“, erklärt Pfarrer Schindele. Die Statik soll sogar schon in den nächsten Tagen überprüft werden. Je nach Ergebnis folgen dann die Ausschreibungen für die Arbeiten an der Raumschale, für Trockenlegungen und Außenrenovierung. Außerdem müssten das Amt für Denkmalschutz eingeschaltet und ein Finanzierungsplan erstellt werden.

Das Projekt wird laut Neuner „eine schöne Stange Geld“ kosten. Er rechnet mit 500 000 bis 900 000 Euro. „Wir haben zwar Rücklagen in der Kirchenstiftung gebildet, werden aber auch Möglichkeiten für Zuschüsse abklopfen und um Spenden bitten.“ Die Stiftung habe sich schließlich neben St. Nikolaus noch um sieben andere Filialkirchen zu kümmern. Die Renovierungarbeiten an St. Nikolaus seien bereits zu Zeiten Pfarrer Helmut Enemosers viel diskutiert und geplant worden, sagt Neuner. „Als es aber dann hieß, dass Pfarrer Enemoser geht, hat man auf den Nachfolger gewartet.“

Unter Regie von Pfarrer Schindele gehen sie nun über die Bühne gehen. „Diese Kirche ist wirklich etwas Besonderes. Ich bin mir sicher, dass sie wieder ein richtiges Schmuckstück wird.“ Im Mai 2012 sollen die Arbeiten beginnen, hofft er. Den Optimismus bei der Finanzierung kann er mit Franz Neuner aber nicht so recht teilen. Er schätzt, dass die allein die Renovierung der Raumschale schon bei einer Million Euro liegen.

Michaela Sperer

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