Liebling der Fans: Mark McArthur (l.) bei einer Autogrammstunde in der Partenkirchner Volksschule. foto: Sehr

„Nirgendwo war es so schön“

Garmisch-Partenkirchen - Ex-SCR-Torhüter Mark McArthur in seiner Heimat Kanada auf Jobsuche - Urlaub in Garmisch-Partenkirchen geplant

von titus fischer

Peterborough/Garmisch-Partenkirchen - Er war der große Rückhalt in den vergangenen fünf Jahren beim SC Riessersee gewesen. Sein Name stand schon fast als Inbegriff für die Weiß-Blauen, er war der Liebling der Fans. Und dann war plötzlich Schluss. Das Eishockey-Team schied in Kaufbeuren vorzeitig in den Pre-Playoffs aus, das Loch in der Kasse nahm enorme Ausmaße an, es gab für den SCR nur eine Zukunft in der Oberliga. Für Mark McArthur bedeutete der Abstieg das Aus: Der 34-Jährige musste die Koffer packen, das geliebte Werdenfelser Land mitsamt Familie verlassen und zurück nach Kanada. Denn in der Oberliga sind ausländische Torhüter nicht spielberechtigt. Um einen deutschen Pass beantragen zu können, fehlten ihm noch zwei Jahre. Ein schweres Los für den Musterprofi.

Für die Familie verlief die Rückkehr nach Kanada nicht leicht. „Es war eine große Umstellung“, gibt er zu. „Insbesondere für die Kinder. Für sie ist es besonders schwierig. Sie mussten all ihre Freunde zurücklassen. Garmisch-Partenkirchen war unsere Heimat.“ Nun heißt sie wieder Peterborough in Ontario.

Ein wenig Hoffnung hatte McArthur im Sommer noch gehabt, vielleicht doch nach Deutschland zurückkehren zu können. Die Heilbronner Falken hatten Interesse bekundet. Doch aus einem Engagement wurde nichts.

McArthur blickt nicht im Groll auf die Zeit beim SCR zurück. Ganz im Gegenteil. „Nirgendwo war es so schön“, stellt er klar. „Ich bin auch nirgends so lange geblieben wie in Garmisch-Partenkirchen.“ Als Niederländischer Meister war er 2005 aus Amsterdam gekommen. „Ich hatte damals gedacht, dass ich vielleicht noch ein oder zwei Jahre spielen werde“, sagt er. Am Ende wurden es derer fünf.

Es war eine erfolgreiche Zeit. McArthur avancierte zu einem der besten Torhüter der jeweiligen Liga und stieg mit dem SCR in die 2. Bundesliga auf. „Dafür war er wirklich mitverantwortlich“, stellt Manager Ralph Bader klar. „Er war ein absoluter Topmann für uns in all den Jahren.“

Es war aber nicht nur der Sport, der für McArthur zählte. „Ich wollte vor allem immer meine Frau und meine Kinder glücklich sehen. Das hat mir mehr bedeutet, als woanders mehr Geld zu verdienen“, begründet der Goalie, der 1994 von den New York Islanders gedraftet worden war, seine Treue zum SCR. Ob der SC Riessersee nun die letzte Station seiner Karriere war? „Es sieht fast danach aus“, meint McArthur. Ganz festlegen will er sich aber noch nicht: „Vielleicht kommt ja noch ein Angebot.“

Seinen Abschied aus Garmisch-Partenkirchen hätte er sich gerne etwas anders vorgestellt als mit dem bitteren Aus im Pre-Playoff gegen Kaufbeuren. „So wollte ich nicht gehen.“ Das ist auch Ralph Bader bewusst. Sporadisch hat er heute noch E-Mail-Kontakt mit McArthur. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir für Mark noch ein Spiel organisieren, zum Beispiel mit Benefiz-Charakter. So würde er die Chance bekommen, sich richtig zu verabschieden.“ Die Trennung vom Erfolgs-Goalie fiel Bader nicht leicht. „Das war menschlich eine der schwierigsten Entscheidungen und hat mir gewaltig weh getan. Aber es ging nicht anders.“

In der alten und neuen Heimat muss sich McArthur nun Arbeit suchen. „Meine Frau hat schon was gefunden. Und ich bin für alles offen“, stellt er klar. Am liebsten wäre ihm sicher ein Job, der mit Eishockey zu tun hat. Daraus macht er keinen Hehl. „Ich habe mein ganzes Leben lang gespielt, mit 19 Jahren bin ich Profi geworden.“ Er kann es nicht einfach lassen. Momentan schaut er regelmäßig seinen Töchtern Taylor und Skylar zu, die ebenfalls Eishockey spielen. Zudem fungiert er bei den Peterborough Stars, die in der Ontario Junior Hockey Liga spielen, als Torwarttrainer. Der ehemalige DEL-Spieler Cameron Mann ist dort als Co-Trainer tätig.

Dass die Eishockeywelt sehr klein ist, zeigt auch ein anderes Beispiel: „Vor kurzem sind neben uns Deutsche eingezogen. Der Mann arbeitet bei Siemens, und die Frau ist eine Bekannte des Betreuers der Nürnberg Ice Tigers.“ McArthur ist froh darüber. „So können wir weiter Deutsch sprechen.“ Denn eines ist klar. Die Familie möchte unbedingt nach Garmisch-Partenkirchen zurückkehren - und wenn es nur für kurze Zeit im Urlaub ist, um all die Freunde zu besuchen. Und wer weiß: Vielleicht schafft der SCR doch noch einmal den Sprung in die 2. Bundesliga. Da dürfte McArthur ja wieder ran.

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