Wintersport in Kaltenbrunn. foto: dpa

Finanzierung fraglich

Nordic-Zentrum auf der Kippe

Kaltenbrunn - Nordic-Zentrum auf der Kippe: Die Finanzierung für das Projekt in Kaltenbrunn ist fraglich. Denn: Die Gemeinde zahlt keine 1,4 Millionen Euro.

Die Situation ist im Grunde genommen kurios: Auf der einen Seite hat die Gemeinde nun endlich die Baugenehmigung für die Erweiterung des nordischen Trainingszentrums in Kaltenbrunn. Ein großer Fortschritt. Andererseits aber ist die Finanzierung des Projekts, das unter anderem den Bau einer Rollerstrecke für das Sommertraining der Langläufer und Biathleten sowie eine Modernisierung des Schießstands vorsieht, fraglicher denn je. Ein Drama.

Irgendwo mitten drin in dieser Konstellation steckt derzeit die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen. Sie möchte das Nordic-Zentrum in dem Ortsteil realisieren, aber allein kann und will sie das Vorhaben, das auf ein Finanz-Volumen von 1,5 Millionen Euro angewachsen ist, nicht stemmen.

Da redet Hannes Krätz gar nicht um den heißen Brei herum. „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber ganz alleine wird die Gemeinde das Projekt sicher nicht zahlen“, meint der Dritte Bürgermeister (Freie Wähler). Gut, 100-prozentig auf sich gestellt wäre der Markt nicht. Der Deutsche Skiverband (DSV) hat einen Zuschuss von 100 000 Euro zugesichert. Eine Summe, die im Rathaus jedoch keine Freudensprünge ausgelöst hat. „Das ist nicht das, was wir uns vom Sport erwartet haben“, gibt Krätz zu. „Dass sich der DSV so zurückhält, ist schon enttäuschend.“

Blieben also 1,4 Millionen Euro, die Garmisch-Partenkirchen zu schultern hätte. Eine stolze Summe, die auch mal deutlich niedriger ausfiel. Von 700 000 Euro war der Skigau Werdenfels ausgegangen, als er in Person von Vorsitzendem Fritz Dopfer noch die treibende Kraft gewesen ist. Die Summe kennt auch Krätz. Doch sei sie nicht realistisch gewesen. Das haben Untersuchungen in Kaltenbrunn ergeben. „Bei dieser Kalkulation ist man von Werten aus Seefeld ausgegangen, nur haben die dort eine ganz andere Geologie.“ Die Bodenbeschaffenheit sei durch den brüchigen Partnachschiefer das Problem. Krätz: „Es sind viele Erdarbeiten nötig, es müsste viel ausgetauscht werden.“

Diese 700 000 Euro hatte die Gemeinde bereits in den Haushalt eingestellt. 500 000 Euro für dieses Jahr, den Rest in 2014. „Wir wollten ja heuer noch anfangen“, sagt Krätz. Daraus wird definitiv nichts. Allein die Zusage des DSV zog sich über Monate hin. „Wir hatten ein Treffen im Juni, bis Mitte Juli sollten wir Antwort erhalten.“ Das Schreiben traf schließlich am 7. Oktober im Rathaus ein.

Krätz hatte zuletzt noch die Hoffnung gehabt, wenigstens mit einem Teilbereich in diesem Jahr starten zu können. „Wir hätten den Schießstand hergerichtet und eine Strafrunde angelegt, das wäre zumindest fürs Training der Kleinen ausreichend gewesen.“ Rund 400 000 Euro wären notwendig gewesen. „Wir hatten gehofft, dass sich der DSV daran mit den 100 000 Euro beteiligt, dafür hätten wir ihm natürlich die Nutzung der Anlage zugesagt.“ Der Verband winkte ab. Das Geld sei nur fürs Gesamtpaket bestimmt.

Nun also ruht das Thema Thema Kaltenbrunn. „Von sportlicher Seite gibt es definitiv keine Zuschüsse mehr, das ist klar“, betont Krätz. Die Verantwortlichen sind während der Suche nach Geldgebern auch davon abgekommen, den Förderverein Biathlon Werdenfels als Bauherren einzusetzen. So hatte man sich erhofft, über den Bayerischen Landessport-Verband (BLSV) Zuschüsse zu bekommen. Doch die Variante ist geplatzt. „Wir als Förderverein haben keine aktiven Sportler“, nennt Vorsitzender Michael Trepte das K.o.-Kriterium. „Zusätzlich hätten wir keine Werbung anbringen dürfen, die Anlage wäre nur für den Sport nutzbar gewesen, nicht touristisch.“ Das alles hätte keinen Sinn gemacht.

Die Hoffnung auf Fördergelder hat Krätz aber nicht aufgegeben. „Es gibt noch eine Chance übers Innenministerium“, sagt er. Das wäre dann aber rein die touristische Schiene. Aus der Richtung habe er recht positive Signale erhalten. Im Gespräch sei sogar ein Zuschuss in Höhe von 50 Prozent. Fix ist aber nichts.

Seit drei Jahren wird nun über eine Rollerbahn in Kaltenbrunn diskutiert. Passiert ist nichts. „Eigentlich hat es immer so ausgesehen, als wäre die Baugenehmigung das größte Problem, nun ist es doch wieder das liebe Geld“, bemängelt Krätz. Er persönlich vermisst weiterhin mehr finanzielles Engagement von Verbandsseite. „Es hat immer geheißen, das Geld der Ski-WM wird vor der Haustüre investiert, davon sieht man aber nicht viel.“ Für die Windnetze an der Olympischanze ist der DSV bisher aufgekommen. „Und ich schätze, in den Netzen steckt auch das Geld für unsere Rollerbahn“, meint Trepte. Gau-Chef Fritz Dopfer hat für die ganze Geschichte nur noch einen Kommentar parat: „Das alles ist sehr bedauerlich und mehr als bitter.“

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