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Der älteste Teilnehmer beim Nostalski-Rennen ist Altbürgermeister Hans Neuner. Er hat seit zehn Jahren keinen Start verpasst. Die Skier gehörten seinem Vater.

Holzlatten raus und rauf auf die Piste

Nostalski-Rennen in Krün ist Zeitreise auf Holzbrettern

Krün - Holzlatten raus und rauf auf die Piste – in Krün ist das eine feste Tradition zum Jahresanfang. Einer lässt sich das legendäre Nostalski-Rennen nie entgehen: Mittenwalds Altbürgermeister Hans Neuner (77). Er tritt auf uralten Skiern aus den Wehrmachtsbeständen seines Vaters an.

Hans Neuner kann viele Geschichten vom Krüner Nostalski-Rennen erzählen – und fast bei jeder muss er herzlich lachen. Zum Beispiel damals, als die Partenkirchner mit Fahrrädern zum Krüner Barmseelift gestrampelt sind. „Die Räder waren genau so alt wie die Ski, die sie dabei hatten“, erzählt er schmunzelnd. Unterwegs sind sie ein paar Mal eingekehrt – so dass sie ihr Ziel ziemlich angeheitert erreichten.

Dass im Landkreis Garmisch-Partenkirchen einmal jährlich Menschen mit uralten Skiern unterwegs nach Krün sind, hängt mit einer festen Tradition zusammen. Dem Nostalski-Rennen. Bei diesen hitzigen Rennen anno dazumal fehlt einer nie: Mittenwalds Altbürgermeister Hans Neuner, 77, ältester Teilnehmer. Nur die Premiere im Jahr 2007 hat er verpasst – weil er erst im Nachhinein von dem Gaudi-Rennen erfuhr. Seitdem hat er keinen Start mehr ausgelassen.

Gewagte Sprünge gehören beim Nostalski-Rennen dazu.

Eine Ausstattung hatte er schnell gefunden: Denn auf dem Dachboden standen ja noch die langen Holzbrettl von seinem Vater. Sogar gleich mehrere zur Auswahl. Sein Training findet jedes Jahr am kleinen Luttensee-Lift in Mittenwald statt. Dort, wo er mit nicht mal eineinhalb Jahren zum ersten Mal auf Skiern stand. „Da war ich nur 15 Monate alt“, erzählt er. „Ich konnte Skilaufen, bevor ich gehen konnte.“ Gelernt hat er es auf den alten Holzlatten. „Die Bretter sind vom Wagnermeister Tiefenbrunner gemacht worden, dem Schargo“, erinnert sich der Altbürgermeister. Mit ihnen war sein Vater während des Zweiten Weltkriegs als Gebirgsjäger sogar im Kaukasus. Skischuhe braucht es keine – Bergschuhe reichen völlig. Die Bindung ist schließlich das Einzige „moderne“ – auch wenn die sogenannte „Kandahar-Bindung“ ebenfalls schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel hat.

Mit der Startnummer 50 steht Hans Neuner dieses Mal oben am Hang und wartet auf den Start. Er ist der erste Rennläufer in seiner Klasse. In den Händen hält er zwei alte Holzstecken, sie dienen ihm als Skistöcker. Und dann geht’s auch schon los – und Hans Neuner ist in seinem Element.

Nostal-Ski pur: Mit Pluderhose über den Barmsee-Gletscher

Zuerst muss er stolperfrei über den „Kamelbuckel“ – zwei aufgeschüttete Schneehügel. Dann die scharfe Kurve, direkt zur Mittelstation. Dort gibt’s erstmal einen Schnaps für jeden Teilnehmer. Viel Zeit zum Genießen bleibt aber nicht, Neuner muss nach wenigen Sekunden weiter. Natürlich erst, nachdem er am Glücksrad gedreht hat – dabei kann er Zeit gewinnen oder verlieren. Kameras und Fotoapparate sind auf ihn gerichtet, während er sturzfrei über die Sprungschanze fliegt und den Zielhang hinunter donnert. Unten gibt es Applaus für den „Hackl-Hans“. Auch, wenn es für eine neue Bestzeit dieses Jahr nicht gereicht hat. Hans Neuner ist mit seinem elften Platz sehr zufrieden – solides Mittelfeld, damit kann man sich sehen lassen, findet er.

Insgesamt sind dieses Jahr 87 Teilnehmer auf ihren nostalgischen Skiern an den Start gegangen – viele von ihnen Krüner Junggesellen, denn der Verein organisiert die Veranstaltung. Aus einer Stammtisch-Idee ist seit 2007 eine feste Tradition geworden. Schon beim ersten Wettkampf, der eigentlich eine vereinsinterne Veranstaltung werden sollte, pilgerten zahlreiche Schaulustige zum Barmsee. Das Interesse wurde von Jahr zu Jahr größer. Dieses mal standen gut 400 Zuschauer am Pistenrand. Auch Organisator Hans Buchwieser junior ist mit dem diesjährigen Rennen mehr als zufrieden. Er sagt: „Besser hätten die Bedingungen nicht sein können.“

Von Josef Hornsteiner

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