Verwirrung nach Explosion im New Yorker Stadtteil Manhattan

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Plötzlich ist alles unwichtig  

Ski-Talent stirbt mit 17 Jahren: „Er war einfach a guada Typ“

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Begreifen kann noch niemand, was seit Mittwoch Realität ist: Max Burkhart ist tot. Gestorben nach einem Sturz bei einem Skirennen in Kanada. Der Oberammergauer, Athlet des SC Partenkirchen, wurde nur 17 Jahre alt.

Oberammergau – Ein Athlet ist am Dienstag bei einem Nachwuchs-Abfahrts-Rennen in Lake Louise schwer gestürzt. „Es könnte einer von Euch sein.“ Diese Nachricht erreichte Michael Maurer und sein Team vom Skiclub Partenkirchen am Mittwoch per E-Mail. So viele kamen nicht in Frage, Maurer rief Max Burkharts Eltern an. „Ja“, sagte Maria Burkhart am Telefon, „das ist unser Bua.“ Sie und ihr Mann Stephan hatten sofort einen Flug nach Calgary gebucht. Im Krankenhaus dort lag ihr Sohn auf der Intensivstation. Schwer verletzt. „Kraft und Glück“, diese beiden Wünsche gab ihnen Maurer noch mit auf den Weg. Am nächsten Morgen erfuhr er vom Tod des 17-jährigen Oberammergauers.

Maurer kennt die Familie gut. Sein Sohn trainierte früher mit Max Burkhart, am Samstag erst feierten der SCP-Präsident und zahlreiche Gäste Stephan Burkharts 50. Geburtstag. Geschenke für sich hatte er von vorneherein abgelehnt. Stattdessen sammelte er Spenden für Nikolai Sommer vom TSV Waging. Im Mai war der Freund und Trainingskamerad von Max Burkhart schwer gestürzt, seitdem ist der 16-Jährige querschnittsgelähmt. Ihn wollte Stephan Burkhart unterstützen. „Sein Schicksal ist ihm sehr nahe gegangen“, das habe man während der Geburtstagsfeier gemerkt, sagt Maurer. „Und jetzt. . .“ Er redet nicht weiter. Muss er auch nicht. Bei Tod und Trauer fehlen der Sprache die Worte.

Max Burkhart ist im Alter von 17 Jahren gestorben.

Leidenschaft für Sport und Schauspielerei

Seinem Sohn gab Stephan Burkhart, früher aktiver Biathlet und Passionsdarsteller, viel mit auf den Weg. Die Leidenschaft für den Sport und für die Schauspielerei auf jeden Fall. Beim „Sommernachtstraum“ in Oberammergau standen Vater und Sohn gemeinsam auf der Bühne, in diesem Jahr spielte Max Burkhart beim Theatersommer im Stück „Geierwally“ mit. Seine Zukunft sah er im Skisport. Klar hatte der Athlet des SC Partenkirchen seine Ziele definiert: „Er wollte ganz oben ankommen“, sagt Landeskader-Trainer Thomas Siegel. Das Potenzial dafür erkannte der Coach, der in der vergangenen Saison sechs Tage die Woche mit Burkhart und seiner Gruppe gearbeitet hat. Seine Eltern unterstützten ihn, bei Skirennen fuhren sie quasi immer mit: Auf seinem Helm trug Max Burkhart das Logo von Modehaus Haag, dem Bekleidungsgeschäft seiner Eltern, darunter einen „Oberammergau“-Aufkleber.

Im Sommer flog er mit einem Spezl in die USA. Ein Schuljahr wollten sie dort an der Sugar Bowl Academy, einer Art Ski-Gymnasium, in Kalifornien verbringen. „Und es hat ihnen so getaugt“, sagt Maurer. Sie schickten Bilder vom Tiefschneefahren oder vom Training. Der 17-Jährige hatte vor, sich während der Monate dort auch sportlich weiterzuentwickeln. „Er war ein brutal ehrgeiziger Typ.“ Siegel sagt es voller Bewunderung. Als Athleten erlebte er den jungen Mann als Vorbild für andere, als Menschen genauso. „Er war eine Bereicherung für jedes Team.“ Sein Lachen steckte an, man musste ihn einfach mögen, diesen „liebenswerten Chaoten und durch und durch fröhlichen Burschen“. Maurer fasst es in einem Satz zusammen: „Er war einfach a guada Typ.“

„Ein zacher, tragischer Tag“

Für seine Freunde und Skifahr-Kollegen da zu sein, wenn sie Hilfe brauchen oder über den Unfall reden wollen, das sehen Siegel und Maurer nun als ihre entscheidende Aufgabe. Am Olympiastützpunkt trafen sich am Donnerstag die Betreuer, am Nachmittag kamen jungen Fahrer dazu. „Ein zacher, tragischer Tag,“ sagt Stützpunktleiter Markus Anwander. Eine „absolute Ausnahmesituation“, sagt Tobias Schürmer.

Der Direktor des Werdenfels-Gymnasiums wusste schon zuvor, welch wichtige Rolle Max Burkhart in der Gemeinschaft gespielt hat, wie beliebt er war. Am Donnerstag spürte er es umso stärker. Noch vor Unterrichtsbeginn riefen er und seine Kollegen Burkharts Schulkameraden der Jahrgangsstufe Q11 zusammen, um sie zu informieren. Einige, sagt Schürmer, hatten schon Bescheid gewusst, viele andere nicht. Die Schule gab ihnen die Möglichkeit, auf ihre Art zu trauern. Wer das Gespräch suchte, fand Hilfe bei Vertretern des Kriseninterventionsdienstes Garmisch-Partenkirchen. Wer allein sein musste, ließ sich befreien. Wer sich mit engsten Freunden zurückziehen wollte, dem standen Klassenzimmer offen. Zudem lagen zwei Kondolenzbücher aus, jeweils mit einem Foto des Oberammergauers, mit Kerzen und Blumen. Von der fünften bis zur zwölften Klasse – viele hielten ihre Gedanken fest, verabschiedeten sich.

Darauf besinnen, was wirklich wichtig ist

Den Nachmittagsunterricht sagte Schürmer ab, ebenso alle Exen und Schulaufgaben. An diesem Donnerstag hätten Burkharts Mitschüler eigentlich eine Klausur geschrieben. Auch sie fiel aus, am heutigen Freitag gibt es ebenfalls keine Prüfungen, dafür eine Schweigeminute und am Morgen eine kleine Andacht für die Oberstufe. „Das sind keine Tage für Noten.“

Es sind Tage, an denen vieles stillsteht. Und vieles unwichtig wird.

Maurer steckt mitten in den Vorbereitungen für das Neujahrsspringen, gestern wurde ein Anlaufspursystem geliefert, das wollte sein Team ursprünglich am Nachmittag montieren – es blieb liegen. Nicht mehr wichtig. Genauso wenig wie all die Beschwerden, die Maurer dieser Tage rund um das Großevent erreichen. Der eine meckert, weil ihm irgendein Ablauf nicht passt, der andere, weil er zu wenig Freikarten bekommt. „Wir sollten uns mal wieder darauf besinnen, was wirklich wichtig ist und nicht wegen jeder Kleinigkeit jammern“, sagt Maurer. Plötzlich wird alles nebensächlich.

Reaktionen von Sportlern

Der Tod von Max Burkhart löst unter heimischen Sportlern tiefe Betroffenheit aus. Die ehemalige Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch twittert: „Ich bin fassungslos (...). Meine Gedanken sind bei seinen Eltern und seiner Familie. Ich weiß, dass die Menschen in meinem Heimatort und beim SC Partenkirchen für sie da sein werden, aber das ist in solch einer Situation nur ein schwacher Trost.“ Ski-Ass Felix Neureuther schreibt via Facebook: „Ich bin schwer erschüttert über die Nachricht von meinem Clubkollegen Max Burkhart! Mein tiefstes Mitgefühl geht an die Familie und Freunde!!!“ Und er fragt, nachdem im November der französische Weltcup-Fahrer David Poisson bei einem Trainingssturz ums Leben gekommen ist: „Was ist momentan bitte los??? Ich verstehe es nicht!!!“ Auch Biathletin Laura Dahlmeier äußert sich via Facebook: „Der Sport schenkt uns so viele schöne Momente und ermöglicht unvergessliche Augenblicke – auf der anderen Seite ist er grausam und zeigt, wie wenig Zeit uns doch auf dieser wunderbaren Welt bleibt. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und Max Freunden sowie Teamgefährten!“

Rubriklistenbild: © Paulfoto

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