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Rund 450 Zuhörer verfolgen die Tagblatt-Podiumsdiskussion mit den Bewerbern (v. l.) Ludwig Utschneider, Andreas Rödl und Moderator Ludwig Hutter. 

Rund 450 Zuhörer wollen Ludwig Utschneider und Andreas Rödl näher kennenlernen

Podiumsdiskussion in Oberammergau: Bürgermeister-Kandidaten plädieren für besseres Miteinander

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Der Saal ist voll. Die Oberammergauer wollen Ludwig Utschneider (Parteilose Wähler) und Andreas Rödl (CSU) kennenlernen, die sich um das Amt des Bürgermeisters bewerben. Sie bieten den rund 450 Zuhörern bei der Tagblatt-Podiumsdiskussion sachliche Vorträge, amüsante Momente und ein großes Ziel.

Sachlich, informativ, gut vorbereitet präsentieren sich die beiden Bürgermeister-Kandidaten Ludwig Utschneider (l.) und Andreas Rödl im Ammergauer Haus.

Oberammergau– Den wichtigsten Teil der Frage ignorieren beide Bürgermeisterkandidaten. Ein zentrales Projekt mögen sie nennen, das sie für Oberammergau nach ihrer Wahl anpacken. Die Passionsspiele – natürlich. Die starten unmittelbar nach der Vereidigung im Mai, die wollen Andreas Rödl (CSU) wie Ludwig Utschneider (Parteilose Wähler) gut, sicher, erfolgreich über die Bühne bringen. Als Mitwirkende und als Bürgermeister in spe. Danach steht zu viel und zu Wichtiges an, um eine Sache auszuwählen, betont Rödl auf der Bühne im Ammergauer Haus. Wer sage, er kümmere sich nur um ein Projekt, „der ist fehl am Platz“, findet Utschneider.

Hören sie sich selbst und dem Kontrahenten während der Podiumsdiskussion des Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt jedoch gut zu, dann müssen sie doch ein Projekt erkennen, das über allen steht. Ohne das sich kein anderes realisieren lässt. Utschneider nennt es das Miteinander, Rödl das Wir. Daran wollen beide arbeiten. Wollen es verbessern beziehungsweise wieder herstellen in einem Ort, dessen Gemeinderat für eine ausgeprägte Streitkultur steht. Und dabei das Wort „Kultur“ bisweilen vermissen lässt.

Bürgermeister-Kandidaten von Oberammergau wollen Atmosphäre verändern

Wie ein roter Faden zieht sich das Wir-Miteinander-Projekt durch den Abend. Weil die Kandidaten darauf angesprochen werden oder weil sie es selbst immer wieder auf den Tisch bringen.

Nach den drei drängendsten Themen fragt Moderator und Tagblatt-Redakteur Ludwig Hutter. Für den Bürgermeister-Kandidaten Utschneider ist der Klimawandel eines davon. Klimawandel im Sinn von Umweltschutz, indem mehr Energie vor Ort produziert wird, man die öffentlichen Verkehrsmittel massiv ausbaut und den Nahverkehr kostenlos anbietet – „ein lohnenswertes Ziel“. Klimawandel aber auch bezogen auf die Stimmung. „Wir brauchen eine andere Kultur im Gemeinderat und im Umgang mit den Bürgern.“

Die herausfordernde Atmosphäre spricht der Bewerber Rödl gleich in seiner Vorstellung an. Vor 20 Jahren kam er als 14-Jähriger zum ersten Mal mit dem Berufsbild Bürgermeister in Kontakt. Während der Passion hörte er den Witz: „Selbst wenn unser Bürgermeister übers Wasser gehen könnte, würde die Hälfte der Oberammergauer sagen: Schaut’s, unser Bürgermeister ist sogar zum Schwimmen zu dumm.“ Den Inhalt verstand Rödl erst später. Mit Widerständen müsse man als Rathauschef zurechtkommen, sagt er heute. Kompromisse – ebenfalls oft gehört an diesem Donnerstagabend – finden, zuhören, Menschen mögen. „Gott sei Dank, ich mag Menschen.“

Beide Bewerber bei Podiumsdiskussion bestens vorbereitet und gut aufgelegt

Rödl (34) wie Utschneider (45) präsentieren sich bestens vorbereitet, konzentriert, gut aufgelegt. Und ähnlich. Nicht als Typen, wohl aber in ihren Ansichten. Eine scharfe Kante zwischen den beiden Bewerbern sucht man vergeblich. Beide möchten die Bürger intensiv einbinden, „Frühzeitig und rechtzeitig“, betont Utschneider – wieder so ein Miteinander-Gedanke. Beide bringen dafür Ratsbegehren bei weitreichenden Entscheidungen wie zum Wellenberg ins Gespräch. Beide heben hervor, wie wichtig der kommunale Wohnungsbau wird, auch um junge Menschen im Ort zu halten. Das Thema Jugend ist ein Stück weit für den Kinder- und Jugendbeauftragten Rödl reserviert, der auf die Altersstruktur im Ort verweist: 1099 Wähler sind demzufolge über 70 Jahre alt, es gibt nur 360 Erstwähler. „Ich glaube, das ist kein gutes Zeichen für Oberammergau“, sagt Jakob Gerold. Er, 21, einer der Erstwähler und Zuhörer an diesem Abend, fordert die Kandidaten auf, ihm Argumente zu liefern, damit er im Ort sein Leben aufbaut und nicht in die Großstadt zieht.

Wieder herrscht weitgehend Einigkeit. Neben mehr und bezahlbaren Wohnungen nennen die Gemeinderatskollegen unter anderem eine bessere Anbindung an München durch öffentlichen Verkehrsmittel und den Ausbau der digitalen Infrastruktur – Stichwort Breitband. Den umstrittenen 5G-Mobilfunk-Standard halten beide für unnötig.

Bürgermeister-Kandidaten sprechen sich gegen Rathaus-Neubau und gegen Wellenberg-Schließung aus

Beide sprechen sich zudem gegen einen Rathaus-Neubau aus. Bei einem strukturellen Defizit von 2,5 Millionen Euro lasse sich das Geld sinnvoller einsetzen. Finden beide. Eben dieses Defizit wollen sie reduzieren. „Oberammergau braucht Luft zum Atmen“, sagt Rödl. „Sparen ist unser Leib- und Magenthema“, sagt Utschneider für seine Gruppierung. Beide planen, Ausgaben zu senken und Einnahmen zu erhöhen. Pflichtaufgaben der Gemeinde wie Kindergärten und Schulen tasten sie nicht an, versprechen sie. Zusatzangebote aber werden sie unter die Lupe nehmen. Veranstaltungsorte wie das Ammergauer Haus und das Passionstheater müsse man effektiver nutzen. Finden beide. Unter anderem mit einem Theatersommer auch nach 2020. Rödl ist klar dafür, auch Utschneider lehnt ihn nicht ab, was manch einen Zuhörer überraschen dürfte. Doch fordert er einen „auch für die Gemeinde vertretbaren Rahmen“ und „nicht noch mehr Defizit“.

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Ein gutes Stichwort für den Wellenberg. Das Bad verursacht Rödl zufolge ein Minus von 964 950 Euro jedes Jahr. Es zu schließen, lehnen beide kategorisch ab. Dem CSU-Mann gefällt der Weg, den Kochel bei seinem Schwimmbad, heute „Kristall Therme Trimini“, einschlug: Mit seiner neuen Ausrichtung samt Thermalbad, Sauna und Wellness reduzierte es das Minus offenbar auf etwa 100 000 Euro im Jahr – und es war zuvor wohl ähnlich hoch wie beim Wellenberg. Da grätscht Utschneider später, bei einer Nachfrage aus dem Publikum, an diesem sonst überaus harmonischen Abend doch einmal dazwischen. Er kennt das Konzept. Vor der Einsparung stehe eine kräftige Investition, er spricht von bis zu zwölf Millionen Euro. Am Ende das Minus so weit zurückzufahren, das hält er angesichts der Ausgaben für eine enorme Herausforderung. – „Herausforderungen sind meins“, kontert Rödl. Nickt und lächelt freundlich.

Rödl und Utschneider: In vielen Punkten gleich, als Typen unterschiedlich

Rödl, der sympathische Spezl. Korrekt. Das erfordert auch seine Arbeit als Polizist. Bei dem man sich trotzdem vorstellen kann, dass er in einer Kontrolle ein Auge zudrückt – zwinkert in seinem Fall –, wenn er auf einen Oberammergauer trifft. Noch ist er in die Situation nicht gekommen. Der einen Faschingsball im Passionsjahr mit organisiert und mit seinen Kollegen im Gemeinderat nach einem Streit – „man darf sich ja gerne mal fetzen“ – gern ein Bier trinken würde. Sein Traum vom neuen Wir.

Utzschneider, der souveräne Redner. Überaus korrekt. Der jedes seiner Worte wohl überlegt, dann druckfähig, fast staatsmännisch spricht – wenn auch oft zu lang an diesem Abend; seine vorbereiteten Vorträge werden mehrmals vom Gong nach der erlaubten Redezeit unterbrochen. Der am Abend am liebsten in der Stube sitzt bei der Familie und weiß, dass er „beim Bierkonsum nicht mit dem Andi mithalten kann“. Der sich kleine Spitzen gegen Amtsinhaber Arno Nunn nicht verkneifen kann. Das mit dem Miteinander und Aufeinanderzugehen „das war in der Vergangenheit nicht immer so“, findet Utschneider. „Aber sei’s drum.“ Er würde es ja anders machen. Rödl auch.

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