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Traumhafte Wintertage wie diese sind auf dem Laber noch ein wenig schöner, weil Skifahrer, Tourengeher und Gäste, die mit der Bahn rauffahren, ein einzigartiges Panorama genießen.

Das Credo bleibt

60 Jahre Laber-Bergbahn: Abfahren auf Nostalgie

Es ist der schönste Aussichtsberg im Ammertal. Seit 60 Jahren befördert die Bergbahn nun schon Gäste auf den Laber. Und die hat ihren ganz besonderen Charme. 

Oberammergau – Den Liter Benzin gab es für 56 Pfennig, für eine halbe Bier musste man 63 Pfennig zahlen und der durchschnittliche Monatslohn lag bei knapp 400 Mark. Konrad Adenauer war Bundeskanzler und die damalige Sowjetunion schickte den ersten Satelliten („Sputnik“) ins All. In Liverpool schließlich begegneten sich in einer Kirche John Lennon und Paul McCartney und legten damit den Grundstein zur Gründung der Beatles.

Aus den Anfangsjahren der Bahn stammt diese Aufnahme. Übrigens wurden die Kabinen nie ausgewechselt.

Das Jahr 1957 bot auch in Oberammergau aus lokaler Sicht ein außergewöhnliches Ereignis: Am 21. Februar wurden zum ersten Mal mit einer sogenannten Großkabinen-Zweiseilumlaufbahn Personen auf den 1684 Meter hohen Laber befördert – es war die Geburtsstunde der Laber-Bergbahn, eine Pionierleistung der Ingenieurskunst. 60 Jahre sind seitdem vergangen, doch die Nostalgiebahn gehört alles andere als zum sogenannten alten Eisen. Lagen die Fahrgastzahlen anno 2000 noch bei 50 000, so konnte insbesondere in den vergangenen Jahren die Beförderungsfrequenz immer mehr gesteigert werden. Zum Jahresende 2015 wurde dann die 90 000-er Marke geknackt, worauf Betriebsleiter Andreas Weber zurecht stolz sein durfte. Dabei ging die Genossenschaft, von der die Geschäfte der Laberbahn geführt wurden, bereits zwei Jahre nach der Eröffnung pleite. Aber das Kloster Ettal erkannte den touristischen Wert, stieg mit ein und gründete eine Auffanggesellschaft. Noch heute halten die Benediktinermönche einen Anteil von 40 Prozent des Unternehmens. Über ein Prozent mehr verfügt ein Berliner Bau-Unternehmer, den Rest von 19 Prozent teilen sich zwölf Bürger Oberammergaus.

Dass es mit der nostalgischen Bahn, die für die 2,2 Kilometer zehn Minuten benötigt und pro Stunde 150 Personen auf den Berg bzw. ins Tal befördert, bergauf geht, hängt auch mit laufenden Investitionen und Verbesserungen der Anlage zusammen. Betriebsleiter Weber hat es gegenüber der Heimatzeitung mal so formuliert: „In den letzten 15 Jahren haben wir schon ein paar Milliönchen verballert.“ Hinzukommen kommen innovative Werbe-Ideen wie der „Lange Donnerstag“ oder die beliebten Vollmondfahrten im Sommer und Winter. Auch die Berggaststätte, die seit Dezember von Marcus Urban, geführt wird, lockt Bahngäste und Wanderer mit einer guten Küche.

Stammgäste am Laber, Urlauber wie Einheimische erfreuen sich darüber hinaus an einem einzigartigen Panorama auf diesem Aussichtsberg: Von den Ostalpen schweift der Blick über das Wettersteingebirge mit der Zugspitze im Süden, das nahe Ammergebirge bis zum schwäbisch-bayerischen Oberland und im Norden über Ammersee und Starnberger See hinein bis nach München. Direkt zu Füßen liegen Kloster Ettal, das Graswang- und Loisachtal. Massen-Skitourismus ist am Laber absolut kein Thema, hier sind vielmehr die Spezialisten gefragt. Der berühmt-berüchtigte Nordhang gilt als eine der anspruchsvollsten Ski-Abfahrten in Deutschland. In den anderen drei Jahreszeiten wird der Berg als perfekter Startplatz für Drachen- und Gleitschirmflieger sowie als lohnendes idyllisches Ziel für Wanderer geschätzt.

Anlässlich des 60. Jubiläums konnten Gäste jetzt unter dem Motto „Heute schon geLABERt?“ zu Preisen wie anno dazumal – Berg- und Talfahrt für fünf Euro – benutzen und das Panorama auf dem schönsten Aussichtsberg im Ammertal genießen. Den nostalgischen Charme bewahren, ganz bewusst ein Zeichen gegen den „Schneller, höher, weiter und bequemer“-Trend setzen – das ist das Credo bei der Laberbahn, und das soll auch so bleiben.

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