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Dieses Gemeinschaftszelt baute eine Gruppe junger Stuttgarter auf, die am Rosengarten campten. Ein Berufsjäger erstattete nun Anzeige bei der Polizei.

Verwarnungen, Geldstrafen, Anzeigen

Naturpark Ammergauer Alpen wehrt sich gegen Wildcamper - „Es bleibt nichts anderes übrig“

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Eine Nacht am Berg - das finden immer mehr Menschen cool. Und posten davon Fotos in den sozialen Medien. Dass es verboten ist, stört sie nicht.

  • Nicht nur Wandern, sondern auch am Berg übernachten ist ein Trend geworden.
  • Doch Wildcampen ist meist verboten.
  • Der Naturpark Ammergauer Alpen will jetzt verstärkt gegen unerlaubtes Zelten vorgehen.
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Ammertal – Klaus Pukall ist „kein Freund von Verboten und Strafen“. Der Koordinator und Geschäftsführer im Naturpark Ammergauer Alpen weiß, „dass man damit oft das Gegenteil erreicht“. Viel effizienter sei, Fehlverhalten von Menschen in der Natur im gegenseitigen Dialog auszutragen. Nun jedoch reicht es auch Pukall: „Dieses Verhalten geht eindeutig zu weit, hier werden Grenzen überschritten. Es bleibt nichts anderes übrig, als rigide zu reagieren.“

Fast täglich, berichtet der 49-Jährige, bekomme er Hinweise von Grundbesitzern, Landwirten, Bergwacht und Mitarbeitern vom Forst, dass Leute auf den Berggipfeln des Ammergebirges wild campen und übernachten. Doch dies ist ohne Einwilligung des Eigentümers gemäß dem Bayerischen Naturschutzgesetz grundsätzlich verboten. Eine romantische Nacht am Berg unter freiem Himmel kann aber sehr teuer werden.

Ärger um Camper im Ammergebirge: Berufsjäger zeigt Jugendliche an

Für den Gipfel dieser „Unsitte“ sorgte vor kurzem nun der Aufenthalt einer Jugendgruppe aus dem Stuttgarter Raum, die gleich ein ganzes Wochenende am Rosengarten (Pürschlinggebiet), am Rande einer Feuchtbiotop-Fläche, verbrachte. Berufsjäger Martin Wallis vom Jagdrevier Unterammergau links der Ammer II hatte am Samstagabend einen Feuerschein am Berg gesehen, tags darauf stieg er mit einem Begleiter in aller Früh auf und traf dort auf 13 Jugendliche, darunter vier Mädchen, im Alter von 18 bis 22 Jahren.

Video: Wandern wieder erlaubt: Diese Regeln sollten Sie beachten

Wallis klärte die Camper über ihr Fehlverhalten auf und bat sie, unverzüglich ihr Zelt abzubauen und abzusteigen. Nach der Rückkehr nahm dann die Polizei die Personalien der Beteiligten auf. Sie erwartet nun eine Geldstrafe, die bis zu mehreren Tausend Euro betragen kann. Wallis ergänzt: „Beim Raufgehen haben wir noch einige frische verwaiste Plätze gesehen, wo offensichtlich Zelte aufgebaut waren.“

Camping im Naturpark Ammergauer Alpen: Zehn Verwarnungen in einer Nacht

Naturpark-Chef Klaus Pukall ist der Ansicht, dass nun ein gewisser Punkt erreicht sei: „Es scheint ein richtiger Trend zu werden, dieses Übernachten am Berg. Solche Leute greifen in die Lebensräume unserer Tiere ein. Entscheidend sind die Auswirkungen auf die Natur. Unsere Wildtiere wollen ihren Lebensraum zumindest abends und nachts ungestört nutzen. Die Gratlagen sind das Wohn- und Schlafzimmer von Schnee- und Birkhuhn.“

Pukall weiß von einem Fall aus dem angrenzenden Kenzengebiet, wo Polizei und Jägerschaft in einer Nacht zehn Verwarnungen ausgesprochen haben. Eindrücke solcher Aufenthalte würden dann postwendend in die sozialen Medien veröffentlicht. Coole Fotos von sich zu posten, sei absolut in. Dazu Berufsjäger Wallis: „Auf Instagram wimmelt es geradezu von Bildern von Sonnenuntergängen, Zelten auf Berggipfeln und so weiter.“ Ein Paradebeispiel ist hier der Königsbach-Wasserfall bei Berchtesgaden.

Am Berg Campen und risikoreiche Fotoshootings sind ein Instagram-Trend

Naturschützer und Einheimische sprechen bereits von einem „Irrsinn“. Für das „perfekte Foto“ von einem kleinen Gumpen oberhalb des Wasserfalls mit Blick auf den Königssee – ein gefährliches Unterfangen – riskieren Leute, teilweise in Flipflops (!), ihr Leben. Während sich die Damen im Wasser vor der herrlichen Kulisse in Pose werfen, zücken die Männer das Smartphone. Im April 2019 kam es am Königssee zu einem tragischen Unfall. Zwei Männer ertranken. 

Wie nun will man im Naturpark dem bedenklichen Trend des wilden Campens entgegenwirken? Klaus Pukall: „Wir haben alle Mitglieder angeschrieben, und sind in Gesprächen mit der Polizei. Ferner werden künftig unsere Ranger verstärkt unterwegs sein.“ Man müsse auch mal ein Zeichen nach außen senden, dass derartige verbotene Unternehmungen nicht geduldet würden und Anzeigen sowie empfindliche Geldstrafen nach sich ziehen.

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