Mit Pfeil und Bogen ausgerüstet: (v. l.) Florian Bartl, Christine Greinwald, Klement Fend sowie Roland Schandl.
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Mit Pfeil und Bogen ausgerüstet: (v. l.) Florian Bartl, Christine Greinwald, Klement Fend sowie Roland Schandl.

Schützen nehmen Fabelwesen ins Visier

Neuer Bogenparcours am Kolben: Startschuss am heutigen Freitag

Weitere Attraktion im Ammertal: Am heutigen Freitag öffnet am Kolben der neue Bogenparcours.

  • Am heutigen Freitag öffnet der neue Bogenparcours am Kolben in Oberammergau seine Pforten.
  • Mit Pfeil und Bögen können die Besucher dort auf Fabelwesen zielen.
  • Die Ausrüstung kann man selbst mitbringen oder gegen einen Aufpreis ausleihen.

Oberammergau – Der Sessellift surrt, Kindergelächter an den Schaukeln oben an der Kolbensattelhütte. Und dann dieses kurze, dumpfe Geräusch. Es kommt aus dem Dickicht, das einen Bergrücken bedeckt. Inmitten des Grüns steht Florian Bartl, ein Bogen liegt locker in seiner Hand. Bartl blickt auf den Wolpertinger. Ein Pfeil steckt in seinem Kunststoffkörper. Treffer. Das Fabelwesen ist eines von dutzenden Zielen der beiden Bogenparcours. An diesem Freitag wird das neue Angebot der Aktivarena am Kolben eröffnet.

Bartl stapft über Geäst. Jeder Tritt lässt Regenwasser aus dem Boden quillen. Ab und an bleibt ein Fuß im hohen Gras hängen. „Da muss ich noch mit der Motorsense durch“, sagt Bartl, als er einen der beiden neuen Parcours zum Bogenschießen abgeht. Genau das sollen künftig viele Besucher. Bartl hat die beiden Trassen entwickelt, diese im Rahmen eines Werkvertrags realisiert und betreibt künftig als Pächter der Kolben-Besitz-GmbH & Co. das Angebot namens Ammer-Bow.

Fantasiewesen warten auf Schützen

Gut eine Woche vor Eröffnung spielt sich Bartl gemeinsam mit Christine Greinwald und Roland Schandl aus seinem Team auf einer der zwei Strecken und testet, wo es noch einer Korrektur bedarf. Jeder Parcours verläuft einen Bergrücken hinab und diesen wieder hinauf. Jeweils 20 Ziele gilt es, mit Pfeil und Bogen zu treffen, Fantasiewesen wie eine riesige Kreuzspinne, deren Netz gleich zwei Baumstämme in Beschlag nimmt, ein Drache, eine gigantische Raupe oder ein grimmig dreinblickender Giftpilz. Eine Familie sei mit einem Parcours, der sich auf circa 2,3 Kilometern verteilt und auf 140 Höhenmetern erstreckt, sicherlich zweieinhalb bis drei Stunden beschäftigt, schätzt Bartl. An jedem Ziel steht ein Schild, auf dem das Anzuvisierende humorvoll erläutert wird. An der vierten Station wartet etwa der Wolpertinger. „In jüngster Zeit häufen sich wieder Sichtungen dieser scheuen Kreatur“, heißt es auf dem Schild. Wer dann zum Wolpertinger blickt, entdeckt drei kleine Pflöcke, unterschiedlich weit entfernt von dem Fabeltier. Der rote Pflock markiert die Entfernung für Fortgeschrittene, der blaue für Anfänger und der gelbe für Kinder.

Alle paar Meter ist ein Fabelwesen zu entdecken. Immer wieder bleibt das Trio stehen. Lautes Schnaufen. Lächeln. Auf dem Gelände lässt es sich nicht spazieren, nur wandern. Abstieg und Aufstieg über Stege, Steige und Wurzeln, die nicht kräftezehrend sein sollen, sondern kurzweilig, gar Ruhe verschaffend. Dieser Wechsel aus Entspannung beim Wandern und Anspannung beim Bogenschuss gebe der Sache ihren Reiz, findet Bartl, der vor rund zehn Jahren seine Leidenschaft für den Sport entdeckte. Das dumpfe Geräusch ertönt wieder. Bartl hat die Riesenkreuzspinne getroffen. Er stapft zu dem Ungetüm aus Kunststoff. Hätte er nicht getroffen, hätte das vielleicht an seinem Ego gekratzt, doch er hätte nicht lange nach dem Pfeil suchen müssen. Hinter den Fabelwesen fangen Backstops, graue Matten, Verfehltes auf. Doch selbst diese können mal verfehlt werden. Gleich zwei Pfeile lässt Roland Schandl bei einem üppigen Salamander im Gras verschwinden. Er grinst, zuckt mit den Schultern und geht auf die Suche. Das dürfte auch anderen Bogenschützen, vor allem Anfängern, passieren. Auch wenn diese vorab eine Einweisung vom Ammer-Bow-Team erhalten und lernen, wie der Bogen zu halten ist, wie man ein Ziel anvisiert und wie man sich in dem Parcours zu verhalten hat.

Mit Saurier endet die Runde

Die Ausrüstung kann man selbst mitbringen oder gegen einen Aufpreis ausleihen. Mit dabei beziehungsweise an den Füßen sollten Besucher jedoch festes Schuhwerk haben. Selbst mit gutem Profil rutscht Bartl an einer von Regen aufgeweichten Stelle aus. Auch auf manchem Baumstumpf, der an einigen Stationen als Abschussplateau dient, ist es glitschig. „Da kommt noch ein Gitter drauf“, sagt Bartl. Ein solcher Stumpf etwa wurzelt vor dem Urzeitbär, das am weitesten entfernte Ziel. Mit einem Saurier endet der Parcours. Es geht zurück zur Ausgabe-Hütte, neben der ebenfalls ein paar Fabeltiere sowie Zielscheiben für die theoretische und praktische Einweisung stehen.

Vor dem Aufbruch des Trios zu dem Parcours schaut Klement Fend, Geschäftsführer der Aktivarena, an der Hütte vorbei. Im Sommer vergangenen Jahres habe man das Projekt in Angriff genommen, seit November habe man intensiv an der Erstellung der Parcours gearbeitet, wobei „Florian der geistige Vater ist“. Aber: „Die Idee gibt’s schon relativ lange“, fügt der Geschäftsführer an. „Dann kam aber erst der Kletterwald.“ Geklettert wird dort jedoch schon länger nicht mehr, „er wurde von einem Sturm vernichtet“, bedauert Fend.

Viele helfende Hände

Dass nun mit Pfeil und Bogen Anspannung wie Entspannung gefunden werden können, ist aber nicht nur dem Engagement von Bartl und seinem Team zu verdanken. Fend hat eine kleine Liste mit den Namen derer, die er nicht unerwähnt lassen möchte, in seiner Tasche. Der Geschäftsführer würdigt die gute Zusammenarbeit mit den Eigentümern, der Privatwaldgemeinschaft Oberammergau mit den Vorständen Anton Burkhart und Konrad Mangold und der Privatwaldgemeinschaft Unterammergau mit Vorstand Robert Stumpfecker. Zudem nennt Fend den Mittenwalder Bogensportler Christian Kuffer, der ihnen beratend zur Seite gestanden ist, und die Eheleute Hensold, „die uns als Mitbesitzer die Räume im Kassencontainer für den Bogenparcours zur Verfügung stellen“.

Dann blickt Fend auf die beiden Strecken und betont noch, dass „wir keine Bambis wollten“. Man habe sich bewusst dazu entschlossen, Kinder nicht auf Kitze und Frischlinge schießen zu lassen, sondern auf Tiere, „die Kinder aus dem Märchen kennen“. Bambis werden also ganz bewusst aus der Schusslinie gehalten.

Ausführliche Informationen

zum Bogenparcours am Kolben gibt es im Internet unter www.ammer-bow.de. Dort sind auch die Preise für den Eintritt, das Ausleihen von Ausrüstung und die Erstattung verloren gegangener beziehungsweise gebrochener Pfeile und Bogen aufgeführt.

Antonia Reindl

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