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Das derzeitige Gemeinderats-Dreigestirn der CSU in Oberammergau: v.l. Simon Fischer, Andreas Rödl und Markus Köpf.

Kommunalwahlkampf in Oberammergau kommt auf Touren

Andreas Rödl will Bürgermeister werden: Vom Skater-Rebell zum Menschenfreund

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Das ist eine echte Überraschung: Die CSU Oberammergau schickt nicht wie erwartet Markus Köpf, sondern Andreas Rödl ins Rennen um das Bürgermeisteramt.

Oberammergau– Viele Trophäen hängen an den Wänden vom Hubertusstüberl im Hotel Alte Post in Oberammergau: Hirschgeweihe, Gamskrickerl, historische Gewehre, Schützenscheiben mit Jagdmotiven. Da schlägt das Herz eines jeden Jägers höher. In dieser Kulisse kürte am Samstagabend die CSU Oberammergau ihren Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl – und blies damit zum Halali auf den Rathaus-Thron. Nein, nicht Markus Köpf, wie vielleicht erwartet, avancierte zum Platzhirsch der Schwarzen, sondern – Gemeinderatskollege Andreas Rödl. Kein Jägerlatein. „Es ist wunderschön, mit einem eigenen Bewerber für das Bürgermeisteramt ins Rennen zu gehen“, freute sich OV-Chef Köpf.

Um 20.25 Uhr Ortszeit war die Überraschung perfekt – und Rödl einstimmig von den 19 Stimmberechtigten gewählt. Als Antrittsgeschenk gab’s eine Dose Red Bull. Zur Info: Köpf und Rödl sind in den Gemeinderatssitzungen eifrige Verkoster des Energy Drinks. „Ich werde mit Vollgas loslegen und mit Euch gemeinsam in den Wahlkampf ziehen“ – die ersten Worte des 34-jährigen, verheirateten Polizeibeamten an seine Mitstreiter, die sich um ein Mandat für den Gemeinderat bewerben. Als „Menschenfänger“ im doppelten Sinn beschreibt Markus Köpf den Auserkorenen: „In seinem Beruf muss er sich manchmal auf die Spur von Straftätern machen, privat begeistert er mit seiner herzlichen, offenen und sympathischen Art die Menschen.“

Bei der Passion als Tenor im Chor im Einsatz

Erstmals mit der Politik in Berührung kam der Polizeibeamte, der seit drei Jahren bei der Dienststelle in Murnau tätig ist, als Jugendlicher, als er zusammen mit seinen Freunden vor dem (damals noch vorhandenen) Rathaus mit den Skateboards herumfuhr und damit Ärger produzierte – aus Protest, weil die Gemeinde keine Skateranlage bereitstellte: „Wir hatten nichts und wollten was.“

In der CSU fühlt sich der Gemeinderat wohl („Das ist wie eine kleine Familie“), und zur Kandidatur entschlossen hat er sich, weil er sich für seinen Heimatort an vorderster Front einsetzen will: „Oberammergau ist der schönste Ort der Welt. Ich bin hier aufgewachsen, lebe unglaublich gerne hier, und das ist keine Floskel, sondern Tatsache.“ Ihm ist auch „ganz wichtig, jedem Menschen offen, sachlich und ohne Vorbehalte zu begegnen. Ganz unabhängig davon zum Beispiel, ob jemand beim Passion mitspielt oder nicht.“ Er verstehe sich als Brückenbauer, der den Leuten gerne zuhöre. 2014 hat Rödl begonnen, sich mit seiner Frau Lena im Ort ein Haus zu bauen. Als sein größtes Hobby neben der Kommunalpolitik nennt Andi das Singen: So nimmt er aktuell Gesangsunterricht und hat es als Tenor sogar in den Passionschor geschafft.

Köpf sieht sich als neue starke Mitte

Hinter Rödl steht bei der Kommunalwahl „eine tolle Liste mit einem Altersschnitt von 41 Jahren“ (Köpf). Es sei diesmal im Gegensatz zum letzten Mal vor sechs Jahren „gar nicht schwierig gewesen, Kandidaten zu finden“. Als Ziel für den Gemeinderat gibt der CSU-Chef „20 minus X“ aus: „Das Dorf braucht eine starke Mitte“. Der frühere Vorsitzende und Ex-Bürgermeister Rolf Zigon zeigte sich „glücklich über den neuen frischen Wind“. Sein Wunsch: „Fünf Gemeinderäte wären nicht schlecht.“ Um noch hinzuzufügen: „Oberammergau braucht dringend einen neuen Bürgermeister.“

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Die Kandidaten:

Bürgermeister: Andreas Rödl (34/Polizeibeamter)

Gemeinderat:

1. Andreas Rödl, 2. Markus Köpf (44/Schulamtsdirektor), 3. Luca Diroma (26/Hotelkaufmann), 4. Monika Kasseckert-Müksch (55/Bankangestellte), 5. Herbert Schmidt (61/Hauptmann a.D.), 6. Thomas Knöpfle (58/Vertriebsleiter), 7. Dominikus Wolf (41/Orthopädie-Schuhmachermeister), 8. Ariane Hauswirth (25/Spezialistin für Bankenaufsichtskommunikation), 9. Marc Heene (25/Toningenieur), 10. Eva Reiser (35/Flugbegleiterin), 11. Arno Machnitzke (57/Berufssoldat a.D.), 12. Simon Fischer (37/selbst. Schreiner), 13. Lena Würsch (19/Kaminkehrerin), 14. Marc Schauberger (38/Toningenieur), 15. Severin Schauer (27/Brandmeister im Einsatzdienst), 16. Ludwig Fischer (37/Leiter Technik und Produktmanagement), 17. Martin Zigon (40/Diplom-Ingenieur Maschinenbau), 18. Thomas Schauer (54/Vertriebstrainer), 19. Gerhard Müksch (54/Bankangestellter), 20. Marianne Roth (68/Autorin); Ersatz: Korbinian Höldrich (41/Diplom-Bauingenieur), Dieter Jesgulke (75/Oberstleutnant a.D.)

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