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Die zukünftige Teil-Ableitung der Großen Laine oberhalb der Talstation der Laberbergbahn. 

Großprojekt von Wasserwirtschaftsamt und Gemeinde Oberammergau

Große Laine: 13,4 Millionen Euro fließen in den Hochwasserschutz

  • Ludwig Hutter
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Einen Wildbach zu zähmen, ist eine Mammutaufgabe, kostet viel Geld und dauert seine Zeit. Darauf stellt man sich jetzt in Oberammergau ein.

Oberammergau – Das jüngste Schadensereignis im Landkreis ist gerade mal einen Monat her – nämlich das schwere Unwetter, bei dem 60 Menschen per Hubschrauber von der Höllentalangerhütte ausgeflogen werden mussten und der Hammersbach über die Ufer trat. Binnen kürzester Zeit bahnten sich die Flutmassen mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 m3 pro Sekunde ihren Weg, doppelt soviel wie die Berechnungen für ein 100-jähriges Hochwasser. Den entstandenen Schaden schätzt Horst Hofmann vom Wasserwirtschaftsamt in Weilheim auf 1,3 Millionen Euro. Und der Experte mahnt: „Es wird wohl nicht besser mit dem Wetter in Zukunft.“

332 Bauwerke, davon 211 Sperren

Der Hochwasserschutz ist auch in Oberammergau ein wichtiges Thema: Beim Wildbach Große Laine wurden im vergangenen Jahrhundert 22 „Hochwasser-Ereignisse“ gezählt, wobei Unwetter und Starkregen insbesondere 1910 und 1915 große Schäden und Verwüstungen anrichteten. Das Einzugsgebiet beträgt zehn Quadratkilometer. Um Menschen, Hab und Gut gegen die Wassermassen zu schützen, begann man bereits Mitte des 18. Jahrhunderts mit baulichen Maßnahmen. Heute existieren im Verlauf des Wildflusses zehn Schutzsysteme mit insgesamt 332 Bauwerken, davon 211 Sperren aus Stein und Holz. Seit 2010 wurden 1,9 Millionen Euro in Instandsetzungsarbeiten an der Großen Laine investiert. Ein weiterer Schritt zum Schutz war im Mai 2015 der Neubau eines Sperren-Bauwerks oberhalb der Talstation der Laberbergbahn. Einher mit diesen Arbeiten geht der „Waldumbau“ mit Verjüngung, Durchforstung und Schaffung eines ausgewogenen Bergmischwaldes.

Freistaat trägt 70 Prozent der Kosten

Jetzt steht eine neuerliche Großinvestition auf der Agenda – nämlich die Teil-Ableitung des Wassers nach der Sperre oberhalb der Laberbahn. Die springt ab einem bestimmten Abfluss (knapp fünf Kubik/Sekunde) automatisch an. Abteilungsleiter Johannes Riedl und Wasserbau-Experte Horst Hofmann vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim stellten im Gemeinderat die aktuellen Planungen vor. 13,4 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, wobei der Freistaat 70 Prozent und die Gemeinde 30 Prozent (3,4 Millionen Euro) trägt. „Bis zum kommenden Frühjahr soll die Ausführungsplanung stehen, der Baustart ist dann für den Herbst anvisiert und bei der Bauzeit kalkulieren wir mit drei Jahren“, erläuterte Hofmann im Ammergauer Haus. Alle Berechnungen seien darauf ausgelegt, dass am Dorfrand ein maximaler Abfluss von 14 m3/Sekunde ankomme.

80 Grundeigentümer betroffen

Das neue größere Entlastungsgerinne nimmt auf der Trasse bestehender Bäche folgenden Weg: Teilungsbauwerk, Halle der Privatwaldgemeinschaft, Parkplatz am Wellenberg, Unterquerung des Altherrenwegs, Kühberggraben, Kainzengraben (mit neuer Rückhaltesperre von 13 Metern Breite), Durchquerung der Hofstelle Maderspacher, Köckenbach, Lainegraben (neue Seilnetzsperre), Esellaine (massiver Ausbau mit zwei neuen Brücken an der Warbergstraße sowie am Romanshöhweg), Einmündung in Große Laine (beidseitige Bohrpfahlwand und Anhebung der Brücke Feldiglgasse) und die Ammer. Innerorts müssen noch die Mauern der Großen Laine saniert werden, außerdem entsteht am Seniorenwohnheim eine neue Schutzmauer. Vorgesehen sind auch im Falle eines Hochwassers Flutungen landwirtschaftlicher Wiesen.

Abschließend führte Horst Hofmann aus, dass die Grundstücksgeschäfte mit den betroffenen rund 80 Eigentümern (finanzieller Ausgleich, Flächentausch) die Gemeinde übernehmen solle: „Wir können so ein großes Projekt nur mit der Kommune durchziehen, aber schließlich profitiert der Ort ja ganz erheblich von dieser Maßnahme zum Hochwasserschutz.“ Damit die Oberammergauer auch bei schweren Unwettern künftig ruhig schlafen können.

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