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Nicht gut auf die Regierung zu sprechen: Ein Teil des Helferkreises mit Sprecher Rolf Zigon (2.v.l.). Sogar eine Einstellung der ehrenamtlichen Arbeit ist möglich.

Ehrenamtliche wollen „nicht den Unsinn der Regierung ausbaden“

Neuer Betreiber in Asyl-Unterkunft Oberammergau: Helferkreis droht mit Auflösung

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Nicht gut zu sprechen auf die Regierung von Oberbayern ist der Asyl-Helferkreis in Oberammergau. Werfen die Ehrenamtlichen gar hin?

Oberammergau – Am Anfang war die Bereitschaft noch riesig: Als vor vier Jahren die ersten Asylbewerber nach Oberammergau kamen, trugen sich rund 100 Bürger in Listen ein, um in einem Helferkreis zur Betreuung und Integration der Flüchtlinge mitzuarbeiten. Inzwischen hält nur mehr ein harter Kern von 20 Ehrenamtlichen diese Arbeit aufrecht. Der Sprecher der Gruppe, Ex-Bürgermeister Rolf Zigon: „Vielen ist der Atem ausgegangen, das ist schade. Man muss hier halt schon Freizeit opfern.“

Nun droht auch der Kreis der Übriggebliebenen, die Lust zu verlieren – sogar von Auflösung ist die Rede. Zigon: „Wir lassen uns nicht zum Spielball der Regierung machen.“ Was ist passiert? Nach drei Jahren ist jetzt der Pachtvertrag für die Asyl-Gemeinschaftsunterkunft in der Bahnhofstraße (ehemaliger Tedi-Markt), in der je nach Belegung zwischen 75 und 90 Asylbewerber wohnen, ausgelaufen. Zum Zug kam dabei nicht mehr der bisherige Betreiber des Hauses, die Firma European Homecare, mit der laut Zigon „alles reibungslos“ gelaufen sei. Die Regierung von Oberbayern hat den Betrieb neu ausgeschrieben – den Zuschlag erhielt eine neue Firma, der Dienstleistungsanbieter „PulsM“ in München, die offensichtlich günstigere Konditionen anbietet.

Mitarbeitern und Leiterin gekündigt

Wie der Helferkreis in Erfahrung gebracht hat, sei den Mitarbeitern der Unterkunft, der Leiterin Maria Fürsich und den beiden Hausmeistern, zum 31. Januar gekündigt worden. Die Stellen sind neu ausgeschrieben, zu „deutlich schlechteren Konditionen“, wie Rolf Zigon zu wissen glaubt: „15 Prozent weniger Gehalt, einen Tag weniger Urlaub und keine betriebliche Altersvorsorge“. Deswegen, vermutet man im Helferkreis, habe PulsM auch günstiger anbieten können. Zigon: „Das geht ganz klar zu Lasten des Personals.“ Beim Helferkreis hat man ernste Bedenken, dass der Betrieb wie in den vergangenen drei Jahren so reibungslos weiterläuft. Zwar könnten sich die bisherigen Mitarbeiter wieder um die Stellen bewerben, doch ob sie schlechtere Vertragsbedingungen hinnehmen, bleibt dahingestellt. Womöglich, so Zigon, kämen Bewerber mit geringerer Qualifikation zum Zug. Bedenklich findet es die Gruppe der Ehrenamtlichen auch, dass die Firma European Homecare sämtliche Unterlagen mitnehme. Der neue Betreiber müsse wieder bei Null anfangen.

So gut wie keine Zwischenfälle

Der Helferkreis hat über die veränderte Situation bereits die Gemeinde informiert, und um Unterstützung beim Landtagsabgeordneten Florian Streibl und Landrat Anton Speer (beide Freie Wähler) nachgesucht.

Obwohl in der Unterkunft Angehörige von rund zehn verschiedenen Nationalitäten wohnen, habe es dort in den vergangenen drei Jahren kaum Zwischenfälle gegeben. Zigon: „Das ist sicher das Verdienst der Unterkunftsleiterin, die sich fast rund um die Uhr darum gekümmert hat und den Laden im Griff hatte. Auch wir vom Helferkreis haben uns, wo es ging, eingebracht.“ Man wolle jetzt, so der Sprecher, „nicht den Unsinn der Regierung ausbaden“. Die hätte mit dem bisherigen Betreiber weitermachen können, aber scheinbar wolle man hier Kosten sparen. Es sei ein Unding, eine Einrichtung, die gut laufe, neu auszuschreiben. Zigons Forderung an die Regierung: „Der neue Betreiber wird bleiben, aber dann sollen wenigstens die Konditionen fürs Personal erhalten werden.“

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