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Oberhalb vom Altherrenweg erstreckt sich in Oberammergau das neue Wildschutzgebiet. Im vergangenen Winter wurden dort zwei flüchtende Rehe von frei laufenden Hunden gerissen.

Behörde reagiert auf Forderung von Rechtlern, Forst und Jägerschaft

Landratsamt weist vier neue Wildschutzgebiete aus: Hunde müssen draußen bleiben

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Gerissene Rehe und Hirschkälber: Jetzt hat das Landratsamt auf Vorfälle im Ammertal im vergangenen Winter reagiert.

Oberammergau – Artikel 27, Absatz 1, Bayerisches Naturschutzgesetz: „Alle Teile der freien Natur, insbesondere Wald, Bergweide, Fels, Ödungen, Brachflächen, Auen, Uferstreifen und landwirtschaftlich genutzte Flächen, können von jedermann unentgeltlich betreten werden.“ Ein eindeutige Sprache. Doch gibt es auch den Artikel 33 „Zulässigkeit von Sperren“. Dass nämlich „Flächen aus Gründen des Naturschutzes ... oder aus anderen zwingenden Gründen des Gemeinwohls kurzzeitig gesperrt werden können ...“ Zu diesem Mittel hat jetzt das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen gegriffen und vier neue Wildschutzgebiete ausgewiesen, die jeweils um Wildfütterungen herum angeordnet sind. Hier herrscht über den Winter, wenn das Rotwild gefüttert wird, ein rund viermonatiges Betretungsverbot für die Allgemeinheit. Dadurch soll einerseits das Wild an der Fütterung und den umliegenden Einständen vor Störungen geschützt, Schäl- und Verbissschäden andererseits verhindert beziehungsweise reduziert werden.

Um folgende Gebiete handelt es sich:

- Oberammergau: Aufacker (ca. 30 Hektar)

- Bad Kohlgrub: Berg-Ost (Bereich Gsott) rund 60 Hektar

- Bad Kohlgrub: Berg West (Kindlers Graben) rund 60 Hektar

- Unterammergau: Köpfen. Hier findet am 4. Dezember noch ein Ortstermin statt, um die Größe und den Zeitraum festzulegen.

Die Wanderwege in diesen Bereichen sind von den Verboten nicht betroffen. Die Betretungsverbote erstrecken sich in Bad Kohlgrub auf die Zeit vom 15. Dezember bis 31. März und in Oberammergau vom 1. November bis 30. April. Dieses Intervall dürfte auch für Unterammergau in Betracht kommen. Die Anordnung des Landratsamtes gilt vorerst bis zum 30. April 2025. Franz Mangold von der Unteren Jagdbehörde: „Danach sehen wir, ob sich die Situation beruhigt hat oder ob wir es weiterlaufen lassen.“

Rehe gerissen: Fünf Fälle im letzten Winter

Hintergrund für die Maßnahmen sind Vorfälle im vergangenen Winter, als mehrfach freilaufende Hunde aufgeschrecktes Rotwild gejagt und auch gerissen haben. Fünf Fälle am Hörnle, am Altherrenweg in Oberammergau und in Saulgrub sind bekannt geworden. Der Aufschrei bei Jägern, Förstern, Waldbesitzern und Grundeigentümern war riesig. Im Fokus: Unbelehrbare Hundebesitzer, die in sensiblen Bereichen ihre Vierbeiner nicht anleinen, sondern frei laufen lassen.

Dieser brisanten Problematik haben sich inzwischen auch die Verantwortlichen des Naturparks Ammergauer Alpen angenommen. Dessen Koordinator Dr. Klaus Pukall: „Es gibt ja bei uns schon sogenannte Wald-Wild-Schongebiete, die von Wanderern und Tourengehern nicht betreten werden sollen, doch diese Vorgabe ist freiwillig. Das ging vom Alpenverein aus.“ Durch die stetige Zunahme der Verstöße und die Angriffe von Hunden auf Rotwild beantragten schließlich Grundbesitzer, wie etwa die Privatwaldgemeinschaften und Rechtler, beim Landratsamt die Ausweisung eines offiziellen Wildschutzgebiets mit Erlass eines Betretungsverbots. Entsprechende Schilder werden in Kürze aufgestellt oder sind bereits montiert worden. Dr. Pukall machte sich dafür stark, dass die Verbotsschilder durch Erläuterungstafeln ergänzt werden: „Wie reagieren Menschen oft auf Verbote? Ja, die werden häufig dann ganz bewusst missachtet. Viel wichtiger als mit Geldbußen zu drohen, ist, die Leute aufzuklären und an ihre Verantwortung zu appellieren.“

Zum Beispiel, dass sich Wildtiere im Winter in einem sehr niedrigen Energiesparmodus befinden. Der Naturpark-Chef: „Körpertemperatur und Herzschlag gehen auf ein Minimum zurück. Wenn sie dann durch freilaufende Hunde plötzlich aufgeschreckt werden, müssen sie binnen Sekunden ihren Stoffwechsel hochfahren. Dadurch werden sie zu einer leichten Beute.“ Daher der Appell an alle Hundebesitzer, auf den Wegen zu bleiben und ihre Tiere an der Leine zu führen. Noch einmal Dr. Pukall: „99 Prozent der Hundehalter verhalten sich ja richtig. Unsere Ranger im Naturpark wenden sich an das verbleibende eine Prozent und versuchen, sie auf das Fehlverhalten hinzuweisen.“

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